Lucasfilm / Disney
Kritik

«The Mandalorian and Grogu»: Ein Snack mit IMAX-Budget

Luca Fontana
19.5.2026

«The Mandalorian and Grogu» sieht gut aus, macht Spass und tut niemandem weh. Nur eines ist der Film nicht: das Kinoereignis, auf das «Star Wars»-Fans seit sechs Jahren gewartet haben.

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «The Mandalorian and Grogu» läuft ab dem 20. Mai im Kino.

Kennst du das? Du gehst ins Kino und weisst es einfach: Dieser Film wird gut. Und dann gibt es Filme, bei denen du nur hoffst, dass sie gut werden – und die Finger dabei ein bisschen kreuzst.

«The Mandalorian and Grogu» gehört zur zweiten Kategorie. Der Film macht Spass, keine Frage. Er sieht auch gut aus und tut niemandem weh. Aber sechs Jahre nach dem letzten «Star Wars»-Kinofilm hatte ich mir insgeheim … mehr erhofft. Sicher, er tut das Nötigste, ist solide, pflichtbewusst und ohne Ausrutscher nach oben oder unten. Aber er fühlt sich auch nach Dienst nach Vorschrift an. Einfach mit sehr viel Budget.

This could have been a season …

Es ist kein Geheimnis, dass «The Mandalorian and Grogu» ursprünglich als vierte Staffel der Serie geplant war. Aber irgendwann entschied Lucasfilm, das Material in einen Kinofilm zu verwandeln. Eine Entscheidung, die ich dem Film sofort anmerke.

Strukturell funktioniert er nämlich episodisch, also nach dem Abenteuer-der-Woche-Prinzip, das die ersten beiden Staffeln der Serie so charmant gemacht hat: Mando jagt imperiale Überreste quer durch die Galaxis, muss den Hutten einen Gefallen tun, befreit jemanden aus der Gefangenschaft eines Gangsterbosses auf einem fremden Mond – und kommt dabei, Etappe für Etappe, einem grösseren Ziel näher.

Das ist vertrautes Terrain und an und für sich genommen nicht das Problem. Das Problem ist das Tempo: Der Film gibt von der ersten Sekunde an Gas, macht Spass, bremst dann aber abrupt, findet doch noch seinen Rhythmus, verliert ihn gleich wieder, gibt noch einmal richtig Gas … und ist plötzlich fertig.

Wie jemand, der das Autofahren lernt und die Kupplung noch nicht im Griff hat – zwischendurch geht's vorwärts, aber meistens stockt es.

Ich merke genau, wo das Ende der jeweiligen Episode ursprünglich angedacht war und wo die neue begonnen hätte. Das ist ehrlich gesagt genau das, was ich befürchtet habe. Wenn versucht wird, die Serienstruktur in eine Zwei-Stunden-Dramaturgie zu pressen, wird’s kompliziert.

Sigourney Weaver ist auch dabei, spielt aber so hölzern wie selten.
Sigourney Weaver ist auch dabei, spielt aber so hölzern wie selten.
Quelle: Lucasfilm / Disney

Dabei bin ich mir meiner eigenen Widersprüchlichkeit durchaus bewusst. Ich habe früher oft geschimpft, dass Serien wie «The Book of Boba Fett» oder «Obi-Wan Kenobi» sich anfühlen wie Filme, die zu halbgaren Staffeln gestreckt wurden – und als Kinofilme wohl besser funktioniert hätten. Jetzt beschwere ich mich übers Umgekehrte.

Vielleicht liegt das Problem gar nicht am Format. Sondern daran, dass Lucasfilm seit Jahren nicht mehr wie ein Studio wirkt, das Geschichten erzählt, sondern wie eines, das ständig auf neue Strategien reagieren muss. Serien werden zu Filmen. Filme zu Serien. Figuren verschwinden und tauchen wieder auf. Und irgendwo dazwischen verliert «Star Wars» langsam das Gefühl dafür, was eigentlich gross genug fürs Kino ist.

Ach, wenn Lucasfilm doch nur von Anfang an wüsste, was es will ...

Was Staffel 3 angerichtet hat

Gefühlt war das früher anders. Gerade in seinen ersten beiden Staffeln war «The Mandalorian» radikal klein – nicht budgetmässig, aber erzählerisch. Din Djarin, der Mandalorianer, war eine bisher unbekannte Hauptfigur in einer Geschichte, die von keinem galaktischen Schicksal handelte und weder etwas von Jedi noch Sith wissen wollte. Das hat beim Publikum wunderbar funktioniert, weil es einfach und stark war.

Tatsächlich hat mir «The Mandalorian»-Schöpfer und Regisseur Jon Favreau genau das bestätigt: Das Fundament der Geschichte war gewollt klein, vertraut und basierte auf dem Archetyp des kampferprobten Kriegers und des kleinen, schutzbedürftigen Wesens, Grogu, das ihn auf seinen Reisen begleitet. «Leon, der Profi» im Sternenstaub, sozusagen, eingebettet ins «Star Wars»-Universum.

  • Hintergrund

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Dann kam Staffel 2 – und mit ihr ein Finale, das eigentlich alles gesagt hatte. Luke Skywalker himself tauchte auf, nahm Grogu unter seine Fittiche und Din Djarins Ziel – Grogu zurück zu «seiner» Sippschaft und damit in Sicherheit zu bringen – war erreicht. Die Geschichte hatte ein bittersüsses, aber organisches Ende erreicht.

Nur: Disney hatte natürlich kein Interesse daran, eine Geschichte loszulassen, die zu jenem Zeitpunkt fast das Einzige in «Star Wars» war, das noch Fans hatte und Zuschauerschaft generierte. Also musste es weitergehen. Schnell und hastig wurde eine Geschichte zusammengeschrieben, wie Grogu eben doch nicht bei Luke bleibt und zurück zu Din Djarin kommt – erzählt in «Book of Boba Fett», einem Spin-Off. Und in Staffel 3 versuchte Favreau dann, die Mythologie rund um die mandalorianische Kultur zu vertiefen.

Eine interessante Idee, die in der Ausführung aber dazu geführt hatte, dass Din Djarin zeitweise fast zur Nebenfigur in seiner eigenen Serie verkam. Die Tragweite von «The Mandalorian» wurde grösser. Grösser als die simple Prämisse des Kriegers und des schutzbedürftigen Wesens hergab. Und das Ergebnis gilt für viele – auch für mich – als die schwächste Staffel des bisherigen Mandalorianer-Kosmos.

«You must feel the Force around you; here, between you, me, the tree, the rock, everywhere, yes.»
«You must feel the Force around you; here, between you, me, the tree, the rock, everywhere, yes.»
Quelle: Lucasfilm / Disney

«The Mandalorian and Grogu» ist Favreaus Antwort auf diese verkorkste, dritte Staffel. Er hat das im Interview schön gesagt: «Geschichten erzählen ist wie einen Garten pflegen: Manchmal muss man wieder zurückstutzen.» Und das tut der Film. Er fokussiert wieder klar auf Din Djarin und Grogu, auf ihre Dynamik, auf das, was diese Geschichte immer war.

Nur landet diese bewusst gestutzte Geschichte jetzt plötzlich doch wieder auf der grössten Bühne, die es gibt. Ein Schritt vor – und zwei zurück. Ich versteh’s nicht.

Optisch wurden meine Erwartungen übertroffen

Fairerweise muss ich sagen, dass der Film zumindest optisch aus dem Vollen schöpft. Nach dem ersten Teaser war ich da nämlich noch sehr skeptisch, ob Lucasfilm dem Film tatsächlich ein Kinobudget gegeben hat oder ob er bestenfalls wie eine sehr teure TV-Folge aussehen würde.

  • Meinung

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    von Luca Fontana

Diese Sorge war unberechtigt. «The Mandalorian and Grogu» sieht aus wie ein Kinofilm. Ohne Wenn und Aber. An der Pressevorführung durfte ich ihn sogar auf einer IMAX-Leinwand und in 3D anschauen. Nicht schlecht.

Die Actionsequenzen machen Rumms und die Choreo­grafie sitzt, wenn sich Din Djarin mit Schwert, Pistole, Gewehr, Flammenwerfer, Granaten und seinen Raketenrucksack als Waffe durch Droiden, Aliens und Sturmtruppler pflügt. Eine Ein-Mann-Armee, wie es sich für einen mandalorianischen Krieger gehört. Dazu kommen Raumschlachten, grosse Explosionen und viele neue Welten – von sumpfig-dschungelhaften Schauplätzen bis zu städtischen Umgebungen, die stilistisch irgendwo zwischen Coruscant und 30er-Jahre Mafia-Manhattan liegen.

Mol, mol, man merkt dem Film schon an, dass er ein ordentliches Budget bekommen hat. So viel Fairness muss sein.
Mol, mol, man merkt dem Film schon an, dass er ein ordentliches Budget bekommen hat. So viel Fairness muss sein.
Quelle: Lucasfilm / Disney

Wer also ins Kino geht, um sich «The Mandalorian und Grogu» anzugucken, bereut das zumindest von den Schauwerten her nicht. Und wer wegen Grogu allein geht, kommt ebenfalls voll auf ihre oder seine Kosten. Das kleine Wesen bekommt viele herzige, witzige Momente, während die Dynamik zwischen ihm und Djarin so gut wie immer funktioniert.

Nur eben, die falsche Bühne …

Trotzdem ist und bleibt «The Mandalorian and Grogu» ein Film, der zwar gross aussieht, aber eine Geschichte erzählt, die eigentlich auf den Fernseher gehört. Nicht, dass sie schlecht wäre. Sie ist von mir aus gut genug – nur fehlt ihr die Tragweite, die emotionale Wucht, die ich persönlich mit «Star Wars» im Kino verbinde.

Die Figuren entwickeln sich kaum, der Geschichte fehlt es an Tiefe, es gibt keine Überraschungen, die hängen bleiben. Was wir bekommen, ist im besten Sinne «Din und Grogu auf Abenteuertour» in einem gut gemachten Blockbuster-Format. Das macht Spass. Aber es hinterlässt herzlich wenig.

Wer Grogu mag, kriegt Grogu. Und als Bonus die kleinen Ingenieur-Ratten-Gremlins, die viel witziger sind, als ich zugeben möchte.
Wer Grogu mag, kriegt Grogu. Und als Bonus die kleinen Ingenieur-Ratten-Gremlins, die viel witziger sind, als ich zugeben möchte.
Quelle: Lucasfilm / Disney

Ob das pure Absicht war? Favreau hat im Interview gesagt, der Kinofilm solle auch für Neulinge als Einstieg in «Star Wars» funktionieren – für Zuschauerinnen und Zuschauer, die die Serie nie gesehen haben und vielleicht sogar zum ersten Mal überhaupt mit «Star Wars» in Verbindung kommen.

Das gelingt dem Film tatsächlich. Aber genau darin liegt auch das Dilemma: Wer «The Mandalorian» seit Staffel 1 verfolgt, wer mit diesen Figuren gewachsen ist, der oder die hofft nach sechs Jahren Kinopause auf etwas Weiterentwicklung. Auf einen Befreiungsschlag, eine Geschichte, die Grösseres leistet als das, was eine einzelne Folge der Serie je leisten könnte. «The Mandalorian and Grogu» tut das nicht. Wirklich nicht.

Din und Grogu sind und bleiben das schlagende Herz von «The Mandalorian».
Din und Grogu sind und bleiben das schlagende Herz von «The Mandalorian».
Quelle: Lucasfilm / Disney

Vielleicht muss der Film das auch gar nicht. Vielleicht ist es völlig okay, dass er kein Epos sein will, nicht noch tiefer in die Mythologie eintaucht und keine neuen, grossen Geheimnisse lüftet. Vielleicht darf er einfach ein unterhaltsamer Nachmittag im Kino sein. Ich respektiere das. Aber für mich persönlich – als jemand, für den «Star Wars» im Kino immer das Ereignis des Jahres war, auf das ich mich monatelang gefreut habe – ist das hier ein bisschen zu wenig.

Fazit

Ein guter Snack, aber kein Festmahl

Drei von fünf Sternen klingt oft nach Verlegenheits-Okay. Das ist es hier nicht. «The Mandalorian and Grogu» ist ein ehrlicher, gut gemachter Film, der weiss, was er ist und das mit Konsequenz durchzieht. Er macht Spass, tut niemandem weh und dürfte auch von niemandem gehasst werden. Es gibt schlichtweg keinen Grund dafür.

«Snackable content», sagen wir dem in der Redaktion.

Nur: Einen Snack schreibt man genauso unbefriedigend, wie man ihn konsumiert – schnell, gedankenlos und fünf Minuten später ist er bereits vergessen. «The Mandalorian and Grogu» fühlt sich genauso an. Wie ein Content-Snack mit IMAX-Budget. Gut gemacht. Unterhaltsam. Aber schnell konsumiert. Ganz ehrlich? Sechs Jahre nach dem letzten «Star Wars»-Film hatte ich auf ein Festmahl gehofft.

Titelbild: Lucasfilm / Disney

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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