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Review Saubermacher211

Spezialeinsatz für Winbot X

Fensterputzroboter sind bislang Aussenseiter unter den automatischen Haushaltshelfern. Kein Wunder, denn sie brauchen viel Betreuung und ganz besondere Herausforderungen. Ich hatte eine für den «Winbot X» von Ecovacs.

Ein pulverisiertes Schienbeinköpfchen, mehrere Operationen und monatelange Reha. Der erste und einzige Versuch, das Glasdach über dem Balkon selbst zu reinigen, endete für meine Mutter im Spital. Ihr geht es wieder gut, dem Dach immer noch dreckig. Da Reinigungsunternehmen sich ihre Spezialeinsätze teuer bezahlen lassen, habe ich mich schon länger gefragt, ob nicht ein Fensterputzroboter die Lösung sein könnte. Mir ist klar, dass von den Dingern noch keine Wunder zu erwarten sind, aber ein wenig mehr Durchblick bei vertretbarem Aufwand wäre schon was. Ich setze auf den «Winbot X» von Ecovacs, weil er ohne externe Stromversorgung auskommt und bis zu 50 Minuten durchhält. Das könnte passen.

  • WINBOT X
  • WINBOT X
  • WINBOT X
CHF 469.–
Ecovacs WINBOT X
Kabelloser Glasreinigungsroboter für automatische Reinigung von fast allen Glasoberflächen
7

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Haushaltsroboter finde ich grossartig. Bei mir zuhause sind die iRobots los, es saugt ein Roomba und es wischt ein Braava. Ich leere bereitwillig Behälter, wechsle Tücher, fummle Haare aus den Rollen und besorge Ersatzteile – alles für das gute Gefühl, dass ich aus dem Haus gehen kann und es sauberer ist, wenn ich zurückkomme. Dieser Aspekt fällt beim Winbot X weg. Er braucht alle paar Minuten Aufmerksamkeit, wenn er sich an ein Fenster saugt und loswischt. Trotzdem bin ich ziemlich neugierig auf das Gerät, als ich die Verpackung öffne. Ist das die Zukunft?

Mit Seil, ohne doppelten Boden

Spannender als den Roboter selbst finde ich anfangs die Sicherheitshalterung, ohne die sowieso nichts geht. Das Teil kombiniert einen grossen Saugnapf mit einem Unterdrucksensor. Über ein zweieinhalb Meter langes Sicherungsseil wird es mit dem Roboter verbunden, eingeschaltet und an einer sauberen Stelle in mindestens 1,6 Metern Höhe an die Scheibe gedrückt. Der Sensor stellt sicher, dass der Roboter gehalten werden könnte, falls er den Abflug macht.

Die Sicherheitshalterung ist batteriebetrieben (2x AAA) und muss separat eingeschaltet werden.
Erst wenn die Sicherheitshalterung korrekt mit dem Winbot X verbunden ist und genug Unterdruck erzeugt, lässt sich der Fensterputzer einschalten.

Wird der Unterdruck der Halterung zu gering, um einen Sturz abzufangen, stoppt die Sicherung den Winbot und ruft piepsend nach Hilfe. Zumindest in der Theorie. In der Praxis möchte ich das nicht erleben. Vor allem nicht auf dem Glasdach in etwa zehn Metern Höhe. Um Vertrauen aufzubauen, will ich die saubere Seilschaft zunächst auf sicherem Terrain testen. An der Balkontür und an Fenstern.

Wenig Tuch, viel Technik

Ich bereite den Winbot auf seinen ersten Einsatz vor und befestige eines der beiliegenden vier Reinigungstücher an der Unterseite. Die Ecken lässt es frei, denn dort befinden sich die Kantenerkennungssensoren. Und in der Mitte ist eine grosse quadratische Aussparung für Antriebsrollen, Gebläse und Abzieher. Insgesamt also ziemlich wenig Tuch und ziemlich viel Technik.

Ich bin skeptisch, dass die Scheibe so richtig sauber werden kann, halte mich aber an die Empfehlung des Herstellers: Acht Sprühstösse des mitgelieferten Reinigungsmittels sollen reichen (andere Reiniger sind Teufelszeug und könnten zum Garantieverlust führen). Danach putze ich wie befohlen die Unterseite des Geräts mit einem trockenen Lappen und frage mich, warum ich das Reinigungstuch nicht einfach vor dem Anbringen eingesprüht habe.

Das «Innenleben» muss trocken bleiben, sonst finden die Antriebswalzen keinen Halt.

Aber gut, streng nach Anleitung. Frag nicht, was dein Roboter für dich tun kann. Frag, was du für deinen Roboter tun kannst. Also putze ich auch noch einen kleinen Teil der Balkontür von Hand, wo ich anschliessend die eingeschaltete Sicherungshaltung festdrücke, bis sie grünes Licht gibt.

Ab in den Tiefenreinigungsmodus

Alles bereit für den Winbot. Einschalten, Ansetzen und Staunen ist angesagt. Eigentlich sollte es mich nicht überraschen, dass sich ein hochpreisiger Fensterputzroboter zumindest sicher an der Scheibe festsaugen kann. Fasziniert bin ich trotzdem. Während er auf Knopfdruck losfährt, am Rahmen die Dimensionen der Scheibe prüft und dann die ersten Bahnen absolviert, gucke ich zu und probiere die Fernbedienung aus.

Mit ihr lässt sich der Winbot starten und stoppen, per Pfeiltasten manövrieren und du kannst den «Tiefenreinigungsmodus» aktivieren. Dann fährt er statt nur eines N- oder Z-Musters beide Varianten ab. Selbst danach stehe ich nicht vor einer perfekt gereinigten Balkontür. Es sind noch ein paar Schlieren und Flecken zu sehen, als er piepsend nach seiner Umsetzung verlangt.

Der Winbot X putzt nicht perfekt. Das Ergebnis ist bei normal verschmutzen Scheiben aber ganz okay, wenn du bei Schlieren ein Auge zudrücken kannst.

Ich gönne ihm noch ein paar Fenster und will mich in die Anleitung vertiefen, komme aber nicht wirklich dazu. Es ist kaum anders als mit Kindern. Der Winbot macht ganz schön viel Lärm (74 dB) und wenn du denkst, «wenigstens ist er beschäftigt», ruft er auch schon wieder nach dir. Der Nutzen in einer 08/15-Wohnung mit normal grossen Scheiben ist wie zu erwarten gering, aber meine Sicherheitsbedenken sind zerstreut. Das Ding hält und ist bereit für den Spezialeinsatz auf dem Dach.

Der Winbot X mag:

  • gerahmte und rahmenlose Glasflächen, je grösser desto besser

  • keine Rahmen oder Schwellen von weniger als 5 Millimetern. Da fährt er drauf, bleibt stehen und fängt hilflos an zu piepsen.

  • nicht komplett kopfüber arbeiten, geneigte Glasflächen sind aber okay (das werde ich ausreizen)

  • keine Marathon-Einsätze, nach 50 Minuten Arbeit muss er zweieinhalb Stunden aufladen

  • keine Luftfeuchtigkeit von über 65% Prozent und keinen Wind

  • keine Feuchtigkeit auf seinen Gummiwalzen, sonst dreht er durch (passiert schneller als gedacht)

  • ganz viel Aufmerksamkeit, im Zweifel ruft er nach dir

Ernstfall am Glasdach

Vielleicht habe ich zu viel versprochen. Nein, keine Reinigungsfirma beauftragen. Lasst das mal den Roboter probieren. Zwei Punkte machen mich etwas mutlos, als ich unter dem Glasdach stehe. Zum einen ist es schmutziger, als ich es in Erinnerung hatte. Zum anderen noch schwieriger zu erreichen.

Ich könnte den Winbot gerade so auf Dach schubsen, wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle. Oder vom Dachfenster aus abseilen. Aber was, wenn er zickt und nicht weiter will? Dann müsste ich schon mit roher Gewalt an der Sicherungsleine ziehen, um ihn wieder da runter zu bekommen. Für den Anfang mache ich mich an die Unterseite des Dachs, die weniger grob verschmutzt und an ihrem niedrigsten Punkt gut erreichbar ist.

Akrobatisch? Kann er.

Der Winbot sitzt daran nicht ganz kopfüber, aber fast. Mir ist nicht ganz wohl bei der Sache und ich stehe zum Auffangen bereit darunter, als ich ihn auf Reinigungstour schicke. Immerhin wiegt er 2,9 Kilo und würde frei durch die Luft schwingen, falls er abstürzen sollte. Vermutlich würde er sein Leben an der Balkonmauer aushauchen oder im hohen Bogen in den Garten geschleudert werden, Sicherheitshalterung hin oder her.

Doch meine Sorgen sind unbegründet. In dieser Disziplin schlägt sich der Winbot ziemlich gut und das staubige Glas wird sichtbar sauberer, wenn ich ihn mit der Fernbedienung mehrmals über die schmutzigsten Stellen schicke. Das bringt aber nicht viel mehr Durchblick, solange ich mich nicht an die Oberseite des Dachs wage. Dort sitzt der hartnäckige Dreck.

Kommt ein Winbot geflogen?

Um mich nicht nur auf die Rettungsleine verlassen zu müssen, sichere ich den Winbot zusätzlich mit einem Kletterseil. Je nachdem wo er strandet, kann ich ihn so entweder durchs Dachfenster oder vom Balkon aus retten. Inzwischen ist das doch ganz schön viel Aufwand für ein wenig mehr Durchblick, aber jetzt will ich das durchziehen. Rauf mit dem Winbot X.

Sicher ist sicher. Nur sauber bekomme ich das Dach leider nicht.

Der Roboter spult sein Programm unbeeindruckt ab, hat aber keine Chance gegen den Schmutz des Winters, den die Sonne eingebrannt hat, bevor auch schon der nächste Winter kam. Ich verabschiede mich von der Hoffnung auf einen flächendeckenden Wow-Effekt und beginne, einzelne Stellen intensiver zu bearbeiten. Dann muss ich einsehen, dass das wohl nichts wird. Leicht enttäuscht rette ich den Winbot vom Dach. Nein, für solche Einsätze ist er (noch) nicht gemacht.

Links ungeputzt, rechts geputzt. Viel Arbeit für einen kleinen Unterschied.

Fazit: Ich warte auf den Winbot XXX

Ich war selten so ratlos, was ein Produkt angeht. Irgendwie will ich den Winbot X mögen, aber er macht für mich keinen Sinn. Einerseits ist er ein hochwertiges Gerät, das bombenfest hält und staubige Fenster deutlich sauberer macht. Andererseits sind leicht erreichbare Fenster sehr viel leichter und besser von Hand zu reinigen. Schwer erreichbare Fenster sind dagegen meistens viel zu schmutzig, als das der Winbot X eine Chance hätte. Dazu kommt, dass ich beim Hantieren mit dem Winbot auch nicht weniger Risiko eingegangen bin als meine Mutter bei ihrem old-school Putzunfall.

Wenn du heute schon auf einen Fensterputzroboter setzen willst, brauchst du also sehr spezielle Fenster, die du von Anfang an nicht zu dreckig werden lässt. Und ein sehr spezielles Verhältnis zu Robotern. Ich schaue ihnen gerne bei der Arbeit zu und freue mich klammheimlich daran, dass sie noch nicht perfekt sind. Dass sie zehn mal knapp am Ziel vorbei saugen oder hilflos piepsend am verschmierten Fenster kleben. Irgendwie menschlich. Aber das geht vorbei. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Winbot XXX in der Drohnen-Version mit eingebautem Hochdruckreiniger den Dreck vom Dach spritzt und es anschliessend auf Hochglanz poliert. Den werde ich kaufen, der spart dann wirklich Arbeit. Bis dahin bleibe ich bei meinem Fenstersauger von Kärcher. Den kann ich dir empfehlen. Solange du damit nicht auf Dächer steigst.

  • WV 5 Plus
  • WV 5 Plus
  • WV 5 Plus
CHF 79.20
Kärcher WV 5 Plus
Nachfolger des WV 2 Plus mit noch stärkerem und auswechselbarem Akku.
50

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Noch mehr blitzsaubere Texte von mir findest du hier. Den schwarzen Fleck in meinem Profil bekommst du nicht weg. Aber wenn du ihn anklickst, kannst du mir folgen.

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Michael Restin, Zürich

  • Editor
Das Glück ist flüchtig, also bleibe ich in Bewegung. Auf dem Bike, am Ball (Grösse und Farbe egal) und bei allem, was der Fantasie zweier Kinder entspringt. Ich liebe es, meinen Spieltrieb auszuleben und Zufällen eine Chance zu geben. Denn wenn der Weg das Ziel ist, dann soll es ein schöner sein.

2 Kommentare

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User simplicissimus

Auf genau den warte ich auch noch!

09.05.2019
User hagihagi

Toller Bericht.

11.05.2019
Antworten