

Sony Alpha 7R VI im Test: Bildqualität satt
Die neue High-End-Kamera von Sony setzt Massstäbe bei Auflösung und Dynamikumfang. Dank gestapeltem Sensor ist sie zudem schneller als die Vorgängerin, wenn auch nicht so schnell wie andere Modelle.
Sony erneuert sein hochauflösendes High-End-Modell. Die Alpha 7R VI erhält einen neuen Stacked Sensor mit 67 Megapixeln. Er kann beim Fotografieren mit mechanischem Verschluss gleichzeitig Daten aus zwei nativen ISO-Stufen auslesen. Damit erreicht die Kamera einen höheren Dynamikumfang als die Vorgängerin.
Zusätzlich ermöglicht der neue Sensor einen sehr schnellen Autofokus sowie Videos mit relativ geringem Rolling Shutter. Upgrades erhalten auch der elektronische Sucher, der Bildstabilisator, diverse Funktionen und die Bedienung. Die technischen Daten im Überblick:
Mehr Pixel, mehr Dynamikumfang
Die Auflösung hat Sony gegenüber dem alten Modell nur um rund sechs Megapixel angehoben. Mehr war auch nicht nötig, denn schon die Alpha 7R V gehörte mit 60,2 Megapixeln zu den Spitzenreiterinnen. Die Auflösung der Bilder steigt von 9504 × 6336 auf 9984 × 6656 Pixel. Das macht keinen grossen Unterschied, beide Kameras liefern extrem detailreiche Bilder.

Ob du überhaupt so viele Pixel «brauchst», steht auf einem anderen Blatt. Sinnvoll sind sie bei Anwendungen wie Wildlife-Fotografie, in denen Bilder oft stark zugeschnitten werden. Auch wenn du Landschaftsbilder wandfüllend ausdruckst, macht die Detailtiefe Spass. Ansonsten ist die hohe Auflösung zumindest kein Nachteil, da das potenziell stärkere Bildrauschen in der 100-Prozent-Ansicht beim Herunterskalieren wieder verschwindet.
Negativ sind die grossen Datenmengen. Ein verlustfrei komprimiertes RAW-File aus der Alpha 7R VI ist rund 100 Megabyte gross. Vor einigen Monaten hat Sony seine Formate überarbeitet. Neu gibt es keine unkomprimierten Dateien mehr, sondern bloss noch «Lossless Compressed», «Compressed RAW (HQ)» und «Compressed RAW». Die mittlere Stufe löst das bisherige «Lossless Compressed (M)» und «Lossless Compressed (S)» ab. Das finde ich eine willkommene Vereinfachung. In der Praxis ist Compressed RAW (HQ) meist die beste Wahl. Damit sinkt die Dateigrösse um etwa 40 Prozent auf rund 60 Megabyte – ohne sichtbaren Qualitätsverlust.

Viel wichtiger als die höhere Auflösung ist der mutmassliche Fortschritt beim Dynamikumfang. Also wie hoch der Kontrast einer Szene bei der Aufnahme sein darf, bevor entweder die Lichter ausbrennen oder die Schatten zu Brei werden. Laut Sony steigt der Dynamikumfang gegenüber der Vorgängerin um mindestens eine Blendenstufe. Das wäre signifikant und würde die Alpha 7R VI in diesem Bereich zum Klassenprimus machen. Denn bereits das alte Modell schnitt in Tests stets sehr gut ab.
Leider unterstützt Lightroom zum Zeitpunkt dieses Artikels die RAW-Dateien der neuen Kamera noch nicht (nicht mal mit geänderten Exif-Daten). Deshalb lässt sich das in Fotos noch nicht überprüfen. Bei Videos (siehe weiter unten) hingegen schon, auch wenn ich den Vorteil nicht exakt quantifizieren kann. Einen Anhaltspunkt liefert die Alpha 7 V, die den gleichen Dual-Gain-Trick beherrscht. Dort misst das Sensor-Testportal «Photons to Photos» bei ISO 100 tatsächlich fast eine Blendenstufe mehr nutzbaren Dynamikumfang als bei der Sony Alpha 7R V. «DPReview» kommt zum Schluss, dass sich ein Foto bei ISO 400 praktisch ohne Nachteile so stark aufhellen lässt, als wäre es mit ISO 6400 geschossen worden. Ich gehe davon aus, dass die Alpha 7R VI ähnlich gute Ergebnisse erzielen wird.

Quelle: Photons to Photos
Wichtig zu erwähnen: Der gesteigerte Dynamikumfang funktioniert nur mit mechanischem Verschluss. Nutzt du den elektronischen, kann die Kamera nicht beide ISO-Stufen gleichzeitig auslesen. Gerade wenn du schnelle Serienbilder machen willst, musst du dich also zwischen 10 FPS (mechanisch) mit maximaler Bildqualität und bis zu 30 FPS (elektronisch) mit etwas weniger Dynamikumfang entscheiden.
Schneller, aber nicht die Schnellste
Der zweite Vorteil des gestapelten Sensors ist seine schnellere Auslesegeschwindigkeit. Das Vorgängermodell leidet bei elektronischem Verschluss unter massivem Rolling Shutter. Bei der Alpha 7R VI ist dieser relativ gut unter Kontrolle. Wie immer macht Sony keine konkreten Angaben. Fotografiere ich den Scan-out-Test von Blur Busters auf meinem OLED-Monitor, erhalte ich mit bis zu 60 Hertz noch einfarbige Bilder. Bei 100 Hertz nimmt eine Farbe noch bis zu 70 Prozent des Frames ein.

Das heisst: Die Sony Alpha 7R VI liest ihren Sensor in ungefähr 1/70 Sekunde aus, was rund 14 Millisekunden (ms) entspricht. Dieser Wert ist für die hohe Auflösung zwar gut, aber nicht herausragend. Pro Megapixel liest der Sensor etwa doppelt so schnell aus wie der teilweise gestapelte der Alpha 7 V – jedoch fast dreimal langsamer als derjenige der Alpha 1 II. Das liegt laut Sony daran, dass die Alpha 7R VI im Gegensatz zum Flaggschiff nicht über On-Chip-Memory verfügt. Hier die Auslesezeiten einiger Modelle im Überblick:
- Nikon Z8 (45 Megapixel): 3,7 ms
- Sony Alpha 1 II (50 Megapixel): 3,8 ms
- Canon EOS R5 Mark II (45 Megapixel): 6,3 ms
- Sony Alpha 7R VI (67 Megapixel): ∼14 ms
- Sony Alpha 7 V (33 Megapixel): 15,1 ms
- Sony Alpha 7R V (62 Megapixel): 99,3 ms
Was bedeutet das in der Praxis? In den meisten Anwendungen lässt sich die Sony Alpha 7R VI problemlos mit elektronischem Verschluss verwenden. Nur wenn du Motive fotografierst, die sich sehr schnell bewegen, können Verzerrungen entstehen. Damit eignet sich das Megapixel-Monster nicht ganz so gut für Sport- und Action-Fotografie wie Konkurrenzmodelle im gleichen Preissegment. Zumindest, wenn du die volle Serienbildgeschwindigkeit von 30 Bildern pro Sekunde (FPS) ausreizen willst.

Mit mechanischem Verschluss verschwindet das Problem. Dann bist du auf 10 FPS limitiert. Mir persönlich reicht das, da sonst die Datenmengen sowieso riesig werden. Willst du aber exakt den Aufprall eines Balls auf dem Tennisschläger erwischen, brauchst du mehr. Auch Pre Capture funktioniert nur mit elektronischem Verschluss. Die Zeit, in der die Kamera schon vor dem Auslösen Bilder speichert, lässt sich zwischen 0,03 und 1 Sekunde einstellen. Der Serienbild-Buffer reicht für etwa 70 Fotos in Compressed RAW HQ, was bei höchster Geschwindigkeit gut zwei Sekunden am Stück entspricht.
Als Chip kommt der gleiche Bionz XR2 mit integrierter KI-Recheneinheit zum Einsatz wie bei der Alpha 7 V. Er erkennt Augen, Gesichter, Menschen, Tiere, Vögel, Insekten, Autos, Züge und Flugzeuge. Ich kann ein spezifisches Motiv auswählen, oder das der Kamera überlassen. Der Autofokus fühlt sich schnell und zuverlässig an, aber nicht ganz so unfehlbar wie bei der Sony Alpha 1 II. Das ergibt Sinn, da diese Fokus und Belichtung 120 Mal pro Sekunde nachführt – die Alpha 7R VI «nur» 60 Mal pro Sekunde.
Fantastischer Sucher, ausdauernder Akku
Eine für mich wichtige Verbesserung ist der hellere elektronische Sucher (EVF), mit dem das Fotografieren in der Sonne leicht fällt. Ausserdem deckt er den vollen DCI-P3-Farbraum ab, schafft 120 Hertz und die Anzeigequalität sinkt nicht mehr, sobald ich den Autofokus aktiviere. Das war bei der Alpha 7R V noch der Fall. Die Auflösung bleibt bei hervorragenden 9,44 Millionen Bildpunkten. Insgesamt ist der Sucher damit deutlich besser als diejenigen der Canon EOS R5 Mark II und der Nikon Z8.

Keine Veränderung gibt es beim LCD auf der Rückseite. Es ist am bekannten Origami-Faltmechanismus montiert, den Sony bei allen aktuellen Kameras verwendet. So lässt es sich in jeder erdenklichen Position einstellen. Die Auflösung von 2,1 Millionen Bildpunkten ist Standard, die Helligkeit geht ebenfalls in Ordnung. In Zeiten von Smartphones mit fantastischen OLED-Displays wirkt die Sony Alpha 7R VI angestaubt. Genau wie alle anderen Kameras in diesem Segment. Kommt schon, liebe Hersteller, das geht heutzutage besser.
Eine kleine Revolution ist dafür der neue Akku. Fast zehn Jahre lang kam in jeder Vollformat-Kamera von Sony der NP-FZ100 zum Einsatz. Jetzt wird er vom NP-SA100 abgelöst. Die neue Batterie fasst 2670 mAh (bisher 2280 mAh) und reicht in der Alpha 7R VI gemäss CIPA-Rating für 590 Aufnahmen mit EVF. Das sind 34 Prozent mehr als der NP-FZ100 in der Alpha 7R V schafft. Trotz der höheren Kapazität ist der NP-SA100 nicht schwerer als sein Vorgänger. Der einzige Nachteil: Durch den neuen Formfaktor ist er nicht mit anderen Kameras kompatibel.

Durch den grösseren Akku wird der Griff marginal dicker, was sich in meinen mittelgrossen Händen gut anfühlt. Leichte Fortschritte macht gemäss Sony auch der Bildstabilisator. Er kompensiert nun die gleichen 8,5 Blendenstufen in der Bildmitte wie bei der Alpha 1 II. Im direkten Vergleich mit der Alpha 7R V kann ich keinen Unterschied feststellen. Das gilt auch für Bedienung – mit einer erfreulichen Ausnahme: Es gibt endlich eine Tastenbeleuchtung. Wenn auch nur auf der Rückseite.

Stark verbesserte Videofunktion
Die alte Sony Alpha 7R V war nie eine besonders beliebte Videokamera. Sie konnte zwar in 8K filmen, der langsame Sensor sorgte jedoch für ausgeprägte Rolling-Shutter-Effekte. Dieses Problem behebt das neue Modell weitestgehend. Nur bei sehr schnellen Schwenks werden gerade Linien noch krumm.
8K filmt die Alpha 7R VI mit bis zu 30 FPS im H.265-Codec im 8,2K-Oversampling-Verfahren mit einem 1,2-fachen Crop. 4K ist mit bis zu 120 FPS ohne Crop. Bei 120 FPS muss ich für den vollen Bildausschnitt die «Angle of View Priority» aktivieren, womit ein Teil der Rauschunterdrückung wegfällt. Ansonsten wird ein etwa 1,1-facher Crop fällig. Für 4K-Videos nutzt die Kamera eine Kombination aus einem 2:1-Subsampling und einem 5K-Oversampling. Mit anderen Worten: Die 4K-Aufnahmen nutzen zwar die ganze Sensorbreite, aber nicht alle Pixel. Dementsprechend sind sie merklich weniger scharf als herunterskaliertes 8K. Und auch weniger scharf, als diverse Konkurrentinnen in ihren 4K-Modi, inklusive der hauseigenen Alpha 7 V.
Spannend ist der neue Dual-Gain-Modus. In diesem liest der Sensor seine zwei nativen ISO-Stufen gleichzeitig aus, um einen höheren Dynamikumfang zu erreichen – genau wie beim Fotografieren mit mechanischem Verschluss. Das braucht Zeit und Rechenleistung. Deshalb funktioniert Dual-Gain-Video nur in 4K-Auflösung mit bis zu 30 FPS und verbraucht mehr Akku. Der zweite Nachteil ist mehr Rolling Shutter. Das Resultat sind dafür Videodateien mit wesentlich weniger Bildrauschen in den Schatten. Das zeigt sich besonders, wenn ich diese nachträglich aufhelle (siehe Video oben).
Ton lässt sich nun als 32bit float aufnehmen, wenn du den separat erhältlichen XLR-Adapter verwendest. Eine willkommene Neuerung ist auch das kleine Tally Light. Nur bei Kleinigkeiten muss sich Sony etwas Kritik gefallen lassen: Ich kann im H.265-Codec aus unerklärlichen Gründen weiterhin nicht in 30 FPS filmen, es gibt kein Open-Gate-Video, keine Waveform-Anzeige und keine Video-Pre-Capture-Funktion.
Fazit
Viele Pixel, wenig Nachteile
Auf den ersten Blick wirkt die Sony Alpha 7R VI mit ihrem Stacked Sensor wie eine Alpha 1 II zum Schnäppchenpreis. Doch das stimmt nicht ganz. Die R-Linie fokussiert weiterhin eher auf maximale Bildqualität als auf Geschwindigkeit: Trotz seiner gestapelten Bauweise liest der neue Sensor die Bilddaten merklich langsamer aus als derjenige der Alpha 1 II. Dafür setzt er neue Massstäbe in Sachen Auflösung und Dynamikumfang.
Das bedeutet mitnichten, dass die Alpha 7R VI eine langsame Kamera ist. Autofokus und Serienbildgeschwindigkeit bewegen sich auf einem sehr hohen Niveau. Der Rolling-Shutter-Effekt ist absolut betrachtet auch gering und in der Praxis nur selten ein Problem – aber häufiger als bei der Sony Alpha 1 II, der Nikon Z8 oder der Canon EOS R5 Mark II. Für Sportfotografinnen ist das Megapixel-Monster deshalb nicht optimal. Wildlife-Fotografen müssen abwägen, ob ihre Motive stärker von der hohen Auflösung oder von einem schnelleren Sensor profitieren.
Für Anwendungen wie Landschafts-, Portrait- und Studiofotografie ist die Sony Alpha 7R VI hingegen der neue Benchmark. Dabei helfen neben der Bildqualität der herausragende elektronische Sucher, der gute Bildstabilisator und der ausdauernde Akku. Im Videobereich gibt sich die Kamera ebenfalls keine Blösse, sticht aber auch nicht besonders hervor. Und der Startpreis von 4399 Franken liegt deutlich über den Angeboten von Canon und Nikon. Unter dem Strich bringt Sony eine sehr starke, wenn auch kostspielige Hybrid-Kamera auf den Markt, die garantiert viele Fans finden wird.
Pro
- fantastische Bildqualität
- schneller Autofokus
- hohe Serienbildgeschwindigkeit
- sehr gute Videofunktion
- lange Akkulaufzeit
- marktführender Sucher
Contra
- teurer als die Konkurrenz
- nicht der schnellste Sensor

Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.
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