Smarte Blumentöpfe: Halten sie die rosigen Versprechen?
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Smarte Blumentöpfe: Halten sie die rosigen Versprechen?

Coya Vallejo Hägi
Zürich, am 26.04.2021
Das ganze Jahr im eigenen Wohnzimmer einfach Pflanzen züchten: Smarte Blumentöpfe sollen es möglich machen. Ich fühle drei Modellen während sieben Wochen auf den Zahn: Wie schnell spriessen die Kräuter aus den intelligenten Gefässen? Schmecken sie besser als die Alternativen aus dem Supermarkt?

Ich bin eine platonische Pflanzenliebhaberin. Ich liebe die Idee des grünen Lebens um mich herum – doch die Pflege und Fürsorge meiner pflanzlichen Mitbewohner geht im Alltag dann unter. In meinem Wohnzimmer herrscht statt grüner Frische schnell verzweifelte Dürre. Um der unschönen Spannung zwischen meiner paradiesischen Lebensvorstellung und der harten Realität entgegenzuwirken, teste ich smarte Blumentöpfe.

Was sind smarte Blumentöpfe?

Smarte Blumentöpfe werden auch Indoor-Garten oder Smart Garden genannt. Gemeint ist: Ein Gefäss, in dem du Kräuter, Blumen oder sonstige Gewächse anbauen kannst. Es ist am Strom angeschlossen und kümmert sich mehr oder weniger selbstständig um die Lichtversorgung und/oder Bewässerung der Pflanzen. Gewisse Töpfe steuerst du über eine App.

Die LED-Beleuchtung ermöglicht die überlebenswichtige Fotosynthese der Pflanzen das ganze Jahr hindurch – auch ohne direktes Sonnenlicht. Die Samen und Nährstoffe kommen bei vielen Modellen in Form von präparierten Erdkapseln daher, die du nur noch einsetzen musst.

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Diese Pods kannst oder musst du beim Hersteller des jeweiligen Smart Gardens kaufen. Die Kapseln eines Herstellers passen nämlich nicht in andere Gartenmodelle. Mit diesem System soll der grüne Spass einfach und effizient sein. Nur ein paar Minuten Pflege im Monat soll den fortlaufenden Fluss an frischen Kräutern vom Strauch in die Pfanne garantieren.

Diese rosigen Versprechen teste ich an den folgenden Modellen: Dem Smart Garden 9 von Click and Grow, dem Lilo Connect von Prêt á Pousser sowie am Kräutertopf T6 von Tregren.

Aufsetzen und Einstecken

Den Auftakt macht der Smart Garden 9. Ein Versprechen wird bereits eingelöst: Das Setup ist kinderleicht. Dass die Beschreibung nur auf Englisch ist, macht in diesem Fall gar nichts – die Bilder sprechen für sich. Nach zehn Minuten steht das Ding.

Es sieht imposant aus. Die abgerundeten Kanten, das weisse Finish und die rötlichen Lampen verleihen dem Blumentopf eine futuristische Erscheinung – der Smart Garden 9 erinnert an ein Raumschiff. Auch wegen der Grösse und der Lichtintensität.

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Das «Gartenfeeling» hält sich zurzeit noch in Grenzen – denn zu spüren bekomme ich bisher vor allem Plastik. Nachdem die Pods sitzen und die Keimkuppeln positioniert sind, fülle ich vier Liter Wasser in den Tank und nehme den nächsten Blumentopf in Angriff. Das ist der Kräutertopf T6.

Der T6 hat einen etwas schwereren Start. Beim Auspacken fällt erst mal der Lampenarm auseinander. Beim Zurückstecken der Teile fällt mir die Materialqualität auf: Die Plastikelemente haben scharfe Kanten und fühlen sich sperrig an. Beim weiteren Aufbau merke ich zudem, dass die 15 Minuten Pflege, die der T6 im Monat angeblich braucht, schon mal für das Hinterfragen der Gebrauchsanleitung draufgehen.

Zentrale Schritte sind nicht erläutert und gewisse Komponenten unvollständig erklärt – zum Beispiel: Die Pumpe. Es wird nicht näher erläutert, wohin die genau soll oder wie sie mit dem Becken verbunden wird.

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Beim T6 fühlt sich deshalb alles komplizierter an und dauert länger. Ein weiterer Minuspunkt: Im Basispaket sind keine Kapseln enthalten – und als die Nachbestellung eintrifft, enttäuscht die Erscheinung. Wie müde, durchtränkte Kräuterbälle liegen die Seed Pods im T6. Bis jetzt bin ich mir nicht sicher, ob mich die Anleitung korrekt angeleitet hat. Wenigstens ist die App schnell mit dem Topf verbunden. Etwas irritiert wende ich mich dem nächsten Modell zu.

Als drittes und letztes setze ich den Lilo Connect auf. Sympathisch: Hier steht bereits auf der Verpackung, dass alles enthalten ist und ich nur noch «Wasser und Liebe hinzufügen» muss. Das Setup geht auch hier schnell und einfach über die Bühne. Die Basis und der Lichthalter des dreiteiligen Topfs sind schnell zusammengebaut und die Pods einfach eingesetzt. Auch toll: Der Lilo wirkt der Plastikflut entgegen. Basis und Lichthalter sind aus Holz – das dämpft den Space-Odyssee-Vibe etwas ab.

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Nur bei der App-Einrichtung hapert es: Die Bluetooth-Verbindung zum Garten will einfach nicht klappen. Nach einer kleinen Suche entdecke ich den richtigen Ort bei den Lichteinstellungen. Hier kann ich den Smart Garden endlich mit meinem iPhone verbinden. Als nächstes bestätige ich den automatischen Beleuchtungsmodus und logge die Saat meiner drei Pflanzen im «Meine Pflanzen»-Tagebuch.

Nun sitzt also alles, um das schlummernde Grün in den drei Töpfen gedeihen zu lassen.

Es streckt sich gen Himmel

Mehr aus Beiläufigkeit als aus Kontrolle blicke ich nach zwei Tagen in die Pods des Smart Garden 9 hinein. Und siehe da: Es spriesst! Sowohl bei den Tomaten, beim Salat und beim Basilikum zeigen sich bereits grüne Lebenszeichen – ich bin beeindruckt. Beim Lilo dauert es fünf Tage bis zur Sichtung des ersten Schnittlauchs. Und trotz allen Erwartungen bemerke ich auch beim T6 nach einer Woche grüne Keime im Tomatenpod. Solche erfreulichen Wachstumsschritte überraschen mich im Laufe der kommenden Wochen fast täglich.

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Doch so amüsant die äussere Veränderungen meiner grünen Zöglinge auch ist, geht es hier auch um die inneren Werte – den Geschmack. Bis ich die Kräuter aber kulinarisch testen kann, muss ich etwas Geduld aufbringen. Es dauert nämlich ganze sechs bis sieben Wochen bis ich meine Saat ernten kann.

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Guter Geschmack – für ein paar Bissen

Die erste Geschmacksprobe kommt vom Smart Garden 9. Die überdurchschnittlich grossen Basilikum-Blätter peppen eine neapolitanische Pizza auf – das aromatische Kraut riecht und schmeckt dabei wirklich wunderbar. Deshalb ist es sehr erfreulich, dass der Basilikum so stark gewachsen ist. Ich kann problemlos mehrere Gerichte damit garnieren. Auch der frische Kopfsalat enttäuscht nicht – und diese Blätter kann ich für 2-3 Portionen Salat verwenden. Die Tomaten im Smart Garden 9 sind erst kleine weisse Kugeln.

Der Lilo Connect kann geschmacklich gut beim Smart Garden 9 mithalten – sowohl Schnittlauch, Basilikum und Marokkanische Minze schmecken aromatisch und frisch.

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Der Basilikum im Lilo Connect ist in die Höhe geschossen und misst nach sechs Wochen bereits 30 Zentimeter, so dass ich ihn bei mehreren Koch-Sessions zum Einsatz bringen kann. Die Ausbeute beim Schnittlauch und der Marokkanischen Minze sind sehr bescheiden – erstere ist in einem einzigen Gericht verputzt. Die Minze wird wohl für 1-2 Teeaufgüsse reichen.

Kommen wir zu den Kräuterbällen des T6. Zugegeben – der T6 sieht zurzeit um Längen besser aus als noch vor ein paar Wochen. Die Ernte fällt trotzdem karg aus. Der Topf spendet mir eine Handvoll Koriander und Petersilie und etwas Minze – die Tomaten sind noch gar nicht gewachsen. Zwar schmecken die Kräuter gut, doch die Menge aus zwei Seedpods reicht lediglich für die Garnitur eines Tellers. Und das zum Preis von zwei Seedpods, sprich 12.50 CHF. Etwas steil, der Preis..

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Geschmacklich ist bei den Smart-Garden-Kräutern nichts zu beklagen – nur schade: Es ist teilweise so wenig. Besonders beim Lilo Connect und dem T6 ist ausser bei Basilikum nicht viel «Blatt am Stiel». Beim Schnittlauch, dem Koriander, der Petersilie und den Minzen ist die ganze Ernte in einem Mal konsumiert.

Danach bleiben die Pods etwas kahl zurück. Laut den Herstellern sollte man aber mehrmals ernten können, bevor die Kapseln tatsächlich gewechselt werden müssen. Das kann ich zurzeit noch nicht bestätigen..

Lohnt sich der ganze Aufwand?

Mein Indoor-Garten-Abenteuer neigt sich dem Ende zu, aber vielleicht hast du gerade Lust bekommen, deines anzufangen. Folgende Punkte können dir bei der Auswahl helfen:

Handling und Pflege

Nebst dem Aufsetzen beanspruchen die Töpfe tatsächlich sehr wenig Pflegezeit. Beim Lilo Connect und beim Smart Garden 9 siehst du am Level der «Schwimmer» ob es Wasser braucht. Beim T6 erinnert die App ans Wasserauffüllen – oder du hörst, wenn die Pumpe ins Leere zapft.

Schimmel ist leider ein Thema – und zwar bei allen Töpfen, jeweils unterschiedlich stark. Besonders beim Lilo Connect haben sich ab Woche vier dichte Schimmel-Patches im Basilikum und der Marokkanischen Minze gebildet. Auch der Boden der Salatblätter des Smart Gardens ist etwas davon bedeckt. Eine Recherche bei anderen Reviews und Foren bestätigt, dass dieses unappetitliche Problem bei diesen Töpfen leider verbreitet ist.

Laut der Prêt à Pousser-Seite soll es sich bei diesen aber um «unbedenkliche Pilze» handeln. Etwas unansehnlich ist es trotzdem.

Sehen und Hören

Aufgrund seiner Pumpe ist es lediglich der T6, der Geräusche produziert. In regelmässigen Intervallen spritzt die Pumpe abrupt Wasser vom Tank ins Beet hinauf – das Geräusch ist gut vier Sekunden hörbar und lässt mich manchmal aufschrecken.

Obwohl ich mich mittlerweile an die Lichtquelle der Smartgärten gewohnt habe, muss ich hier betonen: Die Dinger sind hell! Vor allem der Smart Garden 9 mit seinem rot-weissen Licht. Doch auch der T6 scheint ziemlich grell. Der Lilo ebenfalls, doch in einem etwas wärmeren, gelblichen Schein. Mit drei smarten Blumentöpfen im Wohnzimmer sind meine übrigen Lichtquellen ziemlich überflüssig.

Apps

Die Apps bieten keinen grossen Mehrwert – weder beim Lilo Connect noch beim Kräutertopf T6. In beiden Fällen kannst du mit der App die Lichteinstellungen steuern und Tipps und Tricks zu den Kräutern nachlesen. Zudem senden die Apps auf Wunsch Reminder zum Wasserauffüllen. Die Tregren-App wirkt unausgereift und sperrig – genauso wie der Topf selber. Da sieht die Version von Pret à Pousser um längen besser aus. Aktuelle Infos zum Wachstumsstadium der Saat kannst du in einer schönen Timeline nachlesen.

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Kann hilfreich sein, ist aber nicht unbedingt nötig. Der Smart Garden 9 funktioniert nämlich auch ohne App einwandfrei. Sobald der Stecker am Strom angeschlossen wird, strahlt der Blumentopf einfach 16 Stunden durch. Danach gibt es automatisch acht Stunden Nachtruhe.

Ertrag

Wenn ich abwäge, wie viel Geld, Platz, Dunkelheit, Strom und Wasser ich dafür opfere, nach sechs Wochen ein paar Salat- oder Minzeblätter ernten zu können, bin ich mir nicht sicher, ob die Rechnung aufgeht.

Wenn es nur darum geht, Kräuter für die Küche zu haben, ist es wohl einfacher und billiger diese schnell im Coop zu holen – ausser vielleicht beim Basilikum, der in meinem Experiment wirklich in die Höhe geschossen ist. Doch die ganze Übung ergibt wirklich nur Sinn, wenn dir der ganze Prozess vom Aufsetzen bis zum Ernten Freude bereitet.

Aus dieser Auswahl empfehle ich dir die Click and Grow-Linie. Der Smart Garden 9 braucht sehr wenig Pflege und liefert am schnellsten die besten Ergebnisse. Für Neugierige, die erst mal vorsichtig auf Tuchfühlung in die Welt der smarten Wohnzimmergärten gehen wollen, können sich auch eine LED-Lampe holen und die eigene Kräuterzucht darunter stellen.

PositivNegativPreis PodsWeitere Modelle
Smart Garden 9-Schnelles Wachstum
-Sehr einfach
-Wenig Pflege
-Braucht viel Platz
-Kapseldiktat
-Schimmel
Ca. 12-30 CHF pro
Dreierpackung
Kleinerer «Smart Garden»
mit drei Pods
Lilo Connect-Sieht schön aus
-Nicht nur Plastik
-Schimmel
-Kapseldiktat
Ca. 8-12 CHF pro
Einzelpackung
Grösserer «Modulo 2»
mit vier Töpfen
Kräutertopf T6-Kein Kapseldiktat
(du kannst eigene
Töpfe
darunterstellen)
-Verwirrende Anleitung
-Material fühlt sich billig an
-Unschöne Seedpods
Ca. 12-13 CHF pro Zweierpackung /
Viererpackung ca.
20-28 CHF
Kleinerer «Kräutertopf T3» oder grösserer «Kräutertopf T12»
Kräutertopf T3
–45%
37.–statt 67.20
Tregren Kräutertopf T3

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Coya Vallejo Hägi
Coya Vallejo Hägi
Editor, Zürich
«Ich will alles! Die erschütternden Tiefs, die berauschenden Hochs und das Sahnige dazwischen» – diese Worte einer amerikanischen Kult-Figur aus dem TV sprechen mir aus der Seele. Deshalb praktiziere ich diese Lebensphilosophie auch in meinem Arbeitsalltag. Das heisst für mich: Grosse, kleine, spannende und alltägliche Geschichten haben alle ihren Reiz – besonders wenn sie in bunter Reihenfolge daherkommen.

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