
Seltene Haarschnecke braucht schnelle Hilfe
Die Haarschnecke von der Pazifikinsel Norfolk steht kurz vor dem Aussterben. Nun soll ein Hilfsprogramm sie in letzter Minute retten.
Die Norfolk-Haarschnecke (Fanulena imitatrix) ist recht winzig und lebt auf einer kleinen Insel im Pazifik, wo sie wohl nur noch in einem winzigen Schutzgebiet vorkommt. Damit bringt die Art gleich mehrere Risikofaktoren für ein Aussterben mit. Sie galt sogar als womöglich ausgestorben, bevor ein Team um Isabel Hyman vom Australian Museum sie 2025 wiederentdeckte. Nun soll ein Zuchtprogramm die besonderen Schnecken mit der haarigen Schale sprichwörtlich in letzter Sekunde retten, wie die Wissenschaftler mitteilen. In der Nähe des öffentlichen Schutzgebietes wurden demnach invasive Argentinische Ameisen (Linepithema humile) nachgewiesen, die zur tödlichen Bedrohung werden könnten.
Während verschiedener Nachsuchen vor Ort zwischen August 2025 und Mai 2026 beobachteten Hyman und Co bereits, dass die Anzahl lebender Schnecken abnahm, während sie mehr leere Gehäuse fanden: ein Zeichen erhöhter Sterblichkeit und eines steigenden Aussterberisikos. Die Biologen entschlossen sich daher, schnell zu handeln, und sammelten im August 2026 insgesamt 30 Haarschnecken. Diese brachten sie dann in den Taronga-Zoo in Sydney, um ein Notfallzuchtprogramm aufzulegen und eine zweite Population in Haltung aufzubauen. Später könnte dann ein Teil der Nachzuchten wieder ausgewildert werden. Die Einrichtung ist erfahren in Aufzucht bedrohter Weichtiere und anderer Wirbelloser.
Schon einen Monat später hatten sich die Schnecken nicht nur eingelebt, sondern bereits lebende Jungtiere hervorgebracht, wie Tarryn Williams Clow vom Zoo ergänzt. 2025 hatte die Gruppe um Hyman mit Advena campbellii eine weitere gefährdete Schneckenart von Norfolk ausgewildert, nachdem sie sich in Haltung erfolgreich vermehrt hatte. Wie die verwandte Art Advena suteri hatte sie in einem extrem kleinen Gebiet überlebt, und von beiden konnten weniger als 25 Individuen gezählt werden. Unter den insgesamt 35 erfassten Schneckenarten der dazugehörigen Studie befanden sich zudem mehrere, die über Jahrzehnte nicht mehr nachgewiesen worden waren, aber offiziell nur als bedroht galten.
Um die Tiere vor Ort zu schützen, richten die Wissenschaftler kleine Reservate ein, in die Hühner und Ratten – beide fressen die Weichtiere – nicht eindringen können, aus denen aber zumindest Jungschnecken kriechen können, während die erwachsenen Tiere zurückgehalten werden. Norfolk gilt als globaler Hotspot der Schneckenvielfalt. Gleichzeitig sind viele der Arten durch eingeschleppte Fressfeinde bedroht.
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