
Orang-Utans wissen Gelächter zu schätzen
Menschenaffen ordnen Erfahrungen, die sie in fröhlicher Stimmung machen, als besonders wertvoll ein.
Orang-Utans sehen Erfahrungen, die sie in fröhlicher Stimmung machen, als besonders wertvoll an. Zu diesem Schluss kommt eine Forschungsgruppe um Daan Laméris von der Indiana University Bloomington.
Laméris und seine Gruppe machten Tests mit insgesamt sechs Orang-Utans. Sie präsentierten jedem der Tiere an vier aufeinanderfolgenden Tagen jeweils zwei Kisten unterschiedlichen Inhalts. Eine davon enthielt immer nur uninteressantes Zeug, etwa Garnstücke. In der anderen waren Leckereien wie Nüsse versteckt – verborgen unter verschiedenen Materialien. An Tag eins und drei lagen die Nüsse beispielsweise unter Holzspänen, an den Tagen zwei und vier unter Papierfetzen. Wenn die Affen in den Holzspänen wühlten, spielte das Team ihnen ein aufgezeichnetes Orang-Utan-Gelächter vor. Durchsuchten die Affen die Papierfetzen, bekamen sie neutrale Geräusche zu hören, etwa den Klang von Wind. Am fünften Tag präsentierte die Forschungsgruppe den Menschenaffen abermals zwei Kisten: eine mit Holzspänen, die andere mit Papierfetzen. Die Orang-Utans durchsuchten nun bevorzugt die Holzspäne – also jenes Substrat, das ihnen vorher in Zusammenhang mit Gelächter begegnet war.
Um auszuschliessen, dass dem bloss eine Materialpräferenz zugrunde lag, wechselte das Team die Materialien, unter denen die Leckereien begraben lagen, zwischen verschiedenen Experimenten und Tieren zufällig durch. Auch die Anordnung der Kisten variierten sie von Testlauf zu Testlauf, um verzerrte Ergebnisse aufgrund einer möglichen Rechts- oder Linkspräferenz der Tiere zu verhindern.
Laméris und sein Team vermuten, dass das Lachen von Artgenossen die Orang-Utans in eine positive Stimmung versetzt. Erfahrungen, die sie währenddessen machen, scheinen sie höher zu bewerten als Erlebnisse in neutraler Stimmung. Fachleute nennen dieses Phänomen «affective bias», auf Deutsch: affektive Verzerrung.
«Es ist überraschend, diese Effekte bei Orang-Utans zu beobachten, die unter allen Menschenaffen als die am wenigsten sozialen gelten», äussert Laméris in einer Pressemitteilung. «Selbst bei relativ unsozialen Tieren spielt Lachen also eine grosse Rolle.» Erica Cartmill von der Indiana University Bloomington, die ebenfalls an der Studie mitwirkte, ergänzt: Wenn man besser gelaunt sei, würden die Erfahrungen, die man macht, positiver in Erinnerung behalten, sodass man sie als wertvoller empfinde.
Wissenschaftler wissen schon seit Langem, dass positive Stimmungen beim Menschen das Lernen fördern und Erlebnisse einprägsamer machen. Die evolutionären Ursprünge dieses Merkmals sind aber bei anderen Menschenaffenspezies bislang noch kaum untersucht.
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