Hintergrund

Schwergewichtige Rocksäume und sprechende Broschen: 5 Fashion-Facts über die Queen

Laura Scholz
13.09.2022

Königin Elizabeth II. blieb ihrem Nagellack ebenso treu wie ihren Lieblingsschuhen und nutzte ihre Handtasche als Stimmungsbarometer. Fünf Fakten, die mir über die Queen immer in Erinnerung bleiben werden.

Am 8. September hat sie mit 96 Jahren ihre letzte grosse Reise angetreten, Queen Elizabeth II. Vielleicht, um wieder mit ihrem Philip zusammen zu sein, wie Neu-König Charles III. in seiner Rede so schön sagte.

Seit ich denken kann, war es immer «Her Majesty», die auf dem britischen Thron sass. Stets tadellos gekleidet, wenn ich das hinzufügen darf. Offensichtlich hat es mit meinem Beruf zu tun (liebe Grüsse aus der Moderedaktion), dass ich vor allem über den Stil der Monarchin heute mehr weiss, als ich eigentlich zugeben möchte. Niemand anders hat monochromatische Looks so perfektioniert wie sie. Weder innerhalb noch ausserhalb des royalen Kosmos. Nein, in Sachen Mode machte der Queen so schnell keiner was vor, sie hatte ihren Signature Style gefunden und blieb ihm treu. Trends? Irrelevant. Jahreszeiten? Scheinbar nicht existent.

Auch, wenn ihr modisches Vermächtnis mit Abstand zu den unwichtigsten Dingen zählt, die sie nach 70 Jahren und 214 Tagen Herrschaft hinterlässt, möchte ich es heute in den Mittelpunkt rücken. Vielleicht auch, weil jeder andere Aspekt ihres Lebens in den vergangenen Tagen schon zur Genüge unter die Lupe genommen wurde. Hast du also zum Beispiel gewusst, …

… warum die Queen immer so farbenfroh gekleidet war?

Vom geblümten Hut bis zum wadenlangen Rockzipfel, bei der Königin waren alle Kleidungsstücke perfekt aufeinander abgestimmt. Die Outfits bewegten sich dabei farblich kreuz und quer über den Regenbogen, sie schien ein Faible für besonders Farbenfrohes zu haben. Natürlich steckt in Wahrheit viel mehr hinter den Signalfarben als eine persönliche Vorliebe: So ein Staatsoberhaupt soll schliesslich gesehen werden. Und zwar von jedem und jeder, egal aus welcher Ferne man sie zu erspähen versucht. In Mausgrau oder Nummer-sicher-Schwarz ein schwieriges Unterfangen, in Kirschrot oder Sonnengelb schon um einiges einfacher. Sophie Gräfin von Wessex, ihres Zeichens Ehefrau von Elizabeth’ jüngstem Sohn Edward, verriet in der Doku «The Queen at 90»: «Sie muss aus der Masse herausstechen, damit die Menschen sagen können ‹Ich habe die Queen gesehen!›.»

… dass die Queen ein strenges Fashion Regiment führte?

Natürlich geht man als Royal nicht so unbedacht durchs Leben wie du und ich, klar. Dass für die weiblichen Mitglieder des Königshauses von der Saumlänge des Rockes bis zur Nagellackfarbe (Essie «Ballet Slippers») allerdings tatsächlich gefühlt alles genauestens definiert ist – und die Regeln bis heute nicht gelockert wurden –, hat mich dann doch etwas desillusioniert. So werden zum Beispiel blanke Knie gar nicht gerne gesehen, Röcke und Kleider müssen diese stets bedecken. Ausserdem sind kleine Gewichte im jeweiligen Saum ein Muss – nicht auszudenken, wenn ein Windstoss für peinliche Blitzer sorgen würde. Gut, dass die obligatorische Strumpfhose in Nude oder Schwarz eh verhindert, dass auch nur ein Quadratmillimeter nackte Haut zu sehen ist. Und wenn du jetzt dachtest, ein weiblicher Royal hat wenigstens in puncto Handtasche freie Wahl, muss ich dich enttäuschen. Vorgeschrieben sind Clutches oder kleine Taschen mit kurzem Henkel, die in der Hand oder am Gelenk getragen werden. So haben die Hände nämlich immer eine Aufgabe und kommen gar nicht erst in Verlegenheit, eigenartig und unsicher am Körper herab zu baumeln.

… dass die Queen durch ihre Accessoires kommunizierte?

Ähnlich wie die Schweiz, sind auch die britischen Monarchen öffentlich stets um Neutralität bemüht. So ein kleiner, subtiler Hinweis auf die eigene Meinung oder Gefühlslage nahm sich die Queen aber heraus. Das berühmteste Beispiel zu diesem Punkt sind wohl die Broschen, die Elizabeth II. während des dreitägigen Staatsbesuches von damals US-Präsident Donald Trump 2018 trug. An Tag eins war das eine Blume, die sie von der ehemaligen First Lady Michelle Obama überreicht bekommen hatte. An Tag zwei ein Geschenk der mit Trump ziemlich verfeindeten kanadischen Regierung in Form einer Schneeflocke und an Tag drei eine Träne, die ihre Mutter zur Beerdigung ihres Vaters getragen hatte. Aber auch mit der Positionierung ihrer Handtasche sendete die Königin Nachrichten – und zwar an ihr Personal. Dem People Magazine verriet Historiker Hugo Vickers, dass die Tasche am linken Arm bedeutete: Alles in Ordnung. Wanderte die Tasche allerdings nach rechts oder wurde gar auf den Boden gestellt, wusste man Bescheid: Die Queen hat genug und möchte aus der Situation befreit werden. Praktisch.

Hing die Tasche links, war die Stimmung gut.
Hing die Tasche links, war die Stimmung gut.
Bild: Shutterstock

… dass die Queen eine richtig treue Seele war?

Never change a winning a Team. Erst recht nicht, wenn es für deinen Signature Look verantwortlich ist. Das dachte sich vielleicht auch Elizabeth II. und schwor über 50 Jahre lang auf Schuhe aus dem Londoner Hause Anello & Davide. Aber nicht nur der Brand blieb bis zum Schluss derselbe, auch ein favorisiertes Modell etablierte sich bereits vor Jahrzehnten am königlichen Fuss: Die Queen trug in der Regel schwarzes Lackleder mit Kittenheel und Trensen- oder Kettenapplikation.

Für die symbolträchtigen Handtaschen dagegen spannte sie mit Launer zusammen. Ebenfalls ein Londoner Label und seit 1968 der offizielle Taschen-Dealer (oder sollte ich sagen Hoflieferant?) der Queen.

Last but not least: die Hüte. Die dürfen in einem Artikel über die Queen und ihre Mode-Highlights auf gar keinen Fall fehlen. Und die bringen uns zu Rachel Trevor-Morgan. Die britische Hutmacherin zauberte nicht nur dem Familienoberhaupt, sondern auch diversen anderen Royals und Berühmtheiten kleine Kunstwerke aufs Haupt und darf sich seit 2014 ebenfalls als offizielle Hoflieferantin bezeichnen. Hut ab.

… dass der Queen eine eigene Barbie gewidmet wurde?

Erst diesen April, zum 96. Geburtstag der Monarchin, lancierte Mattel im Rahmen ihrer Barbie-Tribute-Serie eine Puppenversion der ikonischen Königin. Die Barbie-Queen trägt ein elfenbeinfarbenes Kleid mit blauer Schärpe samt Orden, eine Kombination, in der die Version aus Fleisch und Blut besonders gern zu feierlichen Anlässen erschien. Das glitzernde Krönchen ist eine Miniatur-Nachbildung der «Fringe Tiara», die Königin Elizabeth an ihrer Hochzeit trug und schon ihrer Mutter und Grossmutter gehörte. Leider eine schlechte Nachricht für alle Fans und Sammlerinnen: Die limitierte Puppe war innerhalb von Sekunden ausverkauft.

Jetzt mit besonders hohem Sammlerwert: die Queen von Barbie.
Jetzt mit besonders hohem Sammlerwert: die Queen von Barbie.
Bild: Instagram @barbie
Auftaktbild: Shutterstock

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Immer zu haben für gute Hits, noch bessere Trips und klirrende Drinks.


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