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Hinter den Kulissen

Schweizer bei der Arbeit: Lange Hosen trotz Hitzewelle

Tobias Heller
28.7.2026

Während deutsche Arbeitskräfte zurzeit häufig kurze Hosen und T-Shirts tragen, setzen Männer in der Schweiz selbst bei Rekordtemperaturen auf lange Hosen und geschlossene Schuhe. Europas Frauen sind sich dagegen einig: T-Shirt und lange Hosen dominieren überall. Das und welche Arbeitsoutfits No-Gos sind, zeigt eine neue Studie im Auftrag von Galaxus.

Europa ächzt seit Wochen unter der Hitze. Im abgelaufenen Juni war es so heiss wie noch nie. Tauchen Angestellte deshalb leichter bekleidet als üblich bei der Arbeit auf oder wird das trotz Rekordtemperaturen nicht toleriert? Gibt’s dabei einen Gender- oder Länder-Gap?

Im Auftrag des Onlinehändlers Galaxus befragte der Marktforscher YouGov 2616 Personen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich zu diesem Thema.

Dresscodes sind von gestern

Knapp die Hälfte der Mitarbeitenden in Europa darf bei der Arbeit grundsätzlich tragen, was sie will. Für sie existieren keine Vorschriften. Dort, wo es Vorgaben gibt, sind die verbreitetsten Regeln geschlossene Schuhe (20 %) und lange Hosen (18 %).

In Uniformen und Schutzkleidung bzw. Kleidung mit Firmenlogo müssen rund 15 % schlüpfen. Und einen Anzug trägt im Jahr 2026 kaum noch wer (4 %).

Deutsche zeigen Wade, Schweizer und Italiener nicht

Trotz der entspannten Vorschriften zeigen viele Arbeitskräfte in der Schweiz auch an heissen Tagen weniger Haut, als es erlaubt wäre. Die Männer tragen im europäischen Vergleich am häufigsten lange Hosen (60 %) und geschlossene Schuhe (56 %) zur Arbeit. Ähnlich stoffintensiv kleiden sich Italiener an heissen Tagen. Speziell kurze Hosen haben dort gar nichts verloren am Arbeitsplatz (16 %).

Am lockersten kleiden sich deutsche Männer: Sie verzeichnen die höchste Quote an T-Shirts (69 %) sowie kurzen Hosen (38 %). Und Franzosen lassen ihre Füsse am meisten atmen. Nur 37 % tragen geschlossene Schuhe.

Deutsche Frauen dagegen packen ihre Füsse auch an heissen Tagen ein. Nur 29 % tragen zur Arbeit offene Sandalen – ein Tiefstwert. Mehr als die Hälfte setzt auf geschlossenes Schuhwerk – ein Höchstwert. Ansonsten zeigen sich die Frauen in Europa als sehr homogen, was ihre Kleiderwahl an heissen Tagen angeht.

Die Schweiz als Dresscode-Wächter

Bei den No-Gos entpuppt sich wieder die Schweiz als am konservativsten. In beinahe allen Kategorien verzeichnet die Schweiz die höchste Ablehnung gegen gewisse Kleidungsstücke. Zwar sind sich fast alle Länder einig, dass Bikinis und Badehosen nichts am Arbeitsplatz verloren haben – egal ob mit oder ohne Kundenkontakt. Doch die Schweiz schwingt mit 66 % Ablehnungsquote deutlich oben aus. Die Bevölkerung in der Schweiz spricht sich zudem klar gegen sichtbare Bauchnabel aus: 73 % finden es im Falle des direkten Kundenkontakts unpassend, 57 % auch ohne. Ganz anders Italien, wo sich rund ein Drittel bzw. ein Viertel gegen bauchfreie Kleidung ausspricht.

In Frankreich sind Tanktops und Trägershirts absolut en vogue. Auch in Situationen mit Kundenkontakt sind diese Kleidungsstücke etabliert. Nur rund 20 % in Frankreich lehnen es ab vs. rund 50 % in den restlichen Ländern. Deutsche kommen zwar ohne direkten Kundenkontakt auf einen ähnlich tiefen Wert (25 %). Die Ablehnung steigt aber deutlich an, sobald es um direkten Kundenkontakt geht (44 %).

Um den Bogen mit der strikten Schweiz zu schliessen: Jogginghosen im Kundenkontakt sind in der Eidgenossenschaft untragbar (61 %). Kein anderes Land kommt nur annähernd auf so einen hohen Negativwert.

Wenig Lob und Tadel

Kleider geben am Arbeitsplatz kaum Anlass für Diskussionen. Rund 70 % in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich haben ihre Kolleginnen und Kollegen noch nie auf ihre Outfits bei der Arbeit angesprochen. Wenn die Bluse oder die Schuhe Thema sind, dann mehrheitlich positiv. In fast allen untersuchten Ländern gab eine Minderheit (rund 5 %) ausschliesslich negatives Feedback. Komplimente sprechen am häufigsten Französinnen und Österreicher aus.

Ob in Italien eine offenere Feedback-Kultur oder eine laschere Einhaltung der etablierten Style-Gepflogenheiten herrscht, verrät die Studie nicht. Fakt ist: Im Gründungsland von Gucci oder Versace gibt’s am häufigsten Feedback zur Kleidung bei der Arbeit – und zwar oft sowohl positives als auch negatives von derselben Person.

Die Befragung zeigt: Es existiert noch Potenzial an der Komplimente-Front. Das nächste Mal, wenn dir ein Kleidungsstück oder Outfit deines Kollegen oder deiner Kollegin gefällt, sprich es doch einfach mal an. Ein Lob hat noch selten geschadet.

Wie kleidest du dich an heissen Tagen bei der Arbeit? Gibt es in deinem Unternehmen Kleidervorschriften? Findest du die zu strikt, genau richtig oder zu lasch? Wir sind gespannt auf die Diskussion in der Kommentarspalte.

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