Jan Johannsen
Produkttest

Nothing Headphone (1) Pro im Test: mehr Lautsprecher und stärkeres ANC

Der Nothing Headphone (1) Pro hat eine starke Geräuschunterdrückung und lässt dich seinen exzellenten Sound mit einem umfangreichen Equalizer anpassen. Seine Schutzhülle ist mehr Design Piece als praktisch.

Mit dem Headphone (1) Pro will Nothing auch Profis im Tonstudio zufriedenstellen. So einer bin ich nicht, aber der Kopfhörer begeistert mich bereits im Alltag. Allerdings nutze ich unter anderem den «Flat EQ» und Spatial Audio nicht. Entsprechend attraktiv ist die günstigere Basisversion des Kopfhörers für mich.

Transparentes Design, bequemer Sitz und warme Ohren

Optisch ist der Headphone (1) Pro der Nicht-Pro-Version sehr ähnlich. Beide gibt es in Schwarz oder Weiß und die auffälligste Änderung ist die transparente Abdeckung an der Hörmuschel. Sie gibt den Blick auf die drei verbauten Lautsprecher, beziehungsweise ihre Ummantelung, frei.

Nothing setzt beim Design – wie schon bei seinen Smartphones – auf Transparenz.
Nothing setzt beim Design – wie schon bei seinen Smartphones – auf Transparenz.

Der 327 Gramm wiegende Kopfhörer sitzt bequem auf meinem Kopf. Er lässt sich leicht in der Größe verstellen und drückt nicht auf meine Brille. Die Ohrpolster aus Kunstleder und Nylon sollen 50 Prozent weicher als beim Headphone (1) sein. Beim Tragen fällt mir kein Unterschied auf. Die Standardausführung sitzt bei mir genauso bequem. Bei der Pro-Version lassen sich die Polster aber ohne Werkzeug abnehmen und austauschen. Nothing will sie einzeln als Ersatzteil anbieten.

Die Ohrpolster sind abnehmbar.
Die Ohrpolster sind abnehmbar.

Entweder liegt es an mir oder an Nothing: Auch beim Headphone (1) Pro wird es bei Bewegung schnell warm unter den Ohrpolstern. Nach 20 Minuten Spaziergang bei angenehmen 17 Grad habe ich Schweißperlen auf und um meine Ohren. Mit dem Kopfhörer sollte ich definitiv keinen Sport machen oder durch die Wohnung tanzen. Auch weil er nach IP52 nur vor Tropfwasser und nicht einmal gegen Sprüh- oder gar Spritzwasser geschützt ist.

Meine Ohren werden auch im Herbst schnell warm unter den Polstern.
Meine Ohren werden auch im Herbst schnell warm unter den Polstern.

Bei der Bedienung setzt Nothing weiterhin auf haptische Elemente anstelle von berührungsempfindlichen Flächen. Mir gefällt das. Mit dem Drehrad oder dem Kippschalter habe ich, genau wie mit den Knöpfen zum Drücken, eine klare Kontrolle über Lautstärke, Wiedergabe, Geräuschunterdrückung und mehr.

Nothing setzt auf spürbare Bedienelemente.
Nothing setzt auf spürbare Bedienelemente.

Sperriger Transportschutz: Die Audio-Handtasche

Nothing legt dem Headphone (1) Pro keine weiche Hülle bei, sondern ein hartes Kunststoffgehäuse. In dem finden allerdings nur die Hörer Platz und der Bügel bleibt draußen. So verwandelt sich der Kopfhörer für den Transport in eine Audio-Handtasche, die verdächtig an die AirPods Max in ihrem Transportbehältnis erinnert.

Das Case ist mir zu sperrig, taugt aber als Design Piece.
Das Case ist mir zu sperrig, taugt aber als Design Piece.

Optisch ist das nicht mein Fall und vor allem sehe ich keinen Volumenvorteil gegenüber dem Soft Case des Headphone (1).

Drei Lautsprecher sorgen für exzellenten Sound

In den Hörern des Headphone (1) Pro sind jeweils drei Lautsprecher, auch Treiber genannt, verbaut. Das ist selbst für Over-Ear-Modelle überdurchschnittlich. Für den Ton im Ohr sorgen ein Bass-Treiber mit 40 Millimetern (mm) Durchmesser, ein 13 × 8 mm großer Präzisionstreiber für die Mitten und ein 3,2 × 6 × 1,15 mm messender eMEMS-Lautsprecher für die Höhen.

Diese Konstellation sorgt insgesamt für einen exzellenten Sound. Der Bass ist noch einmal härter und drückender als beim Headphone (1) und bleibt trotzdem auch bei hoher Lautstärke klar. Egal ob Hip-Hop oder Elektro, basslastige Musik ist mit dem Pro ein Genuss.

Die Lautsprecher sind durch das Glas auf der Außenseite der Hörer zu sehen.
Die Lautsprecher sind durch das Glas auf der Außenseite der Hörer zu sehen.

Gleichzeitig überdeckt der Bass nicht alles. Der Präzisionstreiber lässt Stimmen noch klarer klingen als beim Headphone (1). Bei Instrumenten höre ich mehr Texturen und Details als bei günstigeren Kopfhörern. Das ist nicht nur bei Musikstücken hilfreich, bei denen man mehr Feinheiten heraushört. Auch bei Hörspielen nehme ich mehr Hintergrundgeräusche wahr.

Falls dir die voreingestellte Aussteuerung nicht gefällt, kannst du über zwei Equalizer in der App den Sound an deine Vorstellungen anpassen. Dazu mehr im Abschnitt über die App.

Für Flat EQ gibt es eine eigene Schiebetaste.
Für Flat EQ gibt es eine eigene Schiebetaste.

Besonders stolz ist Nothing auf Flat EQ. Dafür gibt es sogar eine eigene Schiebetaste am linken Hörer. Aktiviere ich die Funktion, schaltet sie den Equalizer und alle anderen Voreinstellungen aus. Ich bekomme einen neutralen Klang ohne jede Bearbeitung zu hören – quasi das RAW-Format für Sound. Das soll ein Referenzwert sein, mit dem bei der Produktion in Musikstudios gearbeitet wird. Da ich kein Musikstudio-Profi bin, kann ich zum Flat EQ nur feststellen: Der Klang ist komplett flach und für meine Begriffe schrecklich. Ich lasse den Schalter in Zukunft unangetastet.

Der Headphone (1) Pro funkt mit Bluetooth 6.1 oder nutzt ein 3,5-mm-Audiokabel. Mit AAC, SBC und LDAC unterstützt er drei weitverbreitete Codecs und für Broadcasts zudem noch LC3. Qualcomms aptX fehlt allerdings.

Der Headphone (1) Pro macht auf der Straße und im Studio eine gute Figur.
Der Headphone (1) Pro macht auf der Straße und im Studio eine gute Figur.

Dynamic Spatial Audio unterstützt der Headphone (1) Pro inklusive Headtracking und bietet fünf verschiedene Modi:

  • Standard: für Musik und Filme
  • Studio B by Metropolis Studios: für fokussiertes Hören
  • Club: für Electronic, Dance und Pop
  • Concert Hall: für Orchester und Klassik
  • Live House: für Rock, Indie, Jazz und Hip-Hop

Aktiviere ich sie, merke ich, wie sich die Richtung der Musikquellen ändert und sich meiner Blickrichtung anpasst. Das ist einerseits beeindruckend, aber andererseits für mich zu viel Aufwand. Ich will das nicht jedes Mal in der App umstellen, wenn ich etwas anderes höre. So bleibt mir dann doch überwiegend der Standard aktiv.

Starke Geräuschunterdrückung sorgt für Ruhe

Um den guten Klang der Kopfhörer genießen zu können, will man die Umgebung nicht immer hören. Und auch dabei macht der Headphone (1) Pro einen verdammt guten Job. Die erste Barriere gegen störende Geräusche sind die Ohrpolster. Deren gute Abdeckung ist wohl auch der Grund für meine schwitzigen Ohren. Die zweite Abwehrreihe ist die aktive Geräuschunterdrückung (ANC).

Fünf Mikrofone pro Hörer nehmen die Umgebung auf und die Software sorgt mit Gegenschall dafür, dass die Umgebung ruhig bleibt. Das funktioniert beim Headphone (1) Pro so gut, dass längst nicht nur dauerhafte Geräusche ausgeblendet werden. Ich muss den Kopfhörer abnehmen, wenn ich im Treppenhaus ein paar Worte mit Nachbarn wechseln will. Oder alternativ den Transparenzmodus aktivieren, der über die erwähnten Mikrofone die Umgebungsgeräusche an mein Ohr bringt.

Die Polster schirmen die Umgebung ab und die Geräuschunterdrückung sorgt für extra Ruhe.
Die Polster schirmen die Umgebung ab und die Geräuschunterdrückung sorgt für extra Ruhe.

Nothing zufolge reduziert der Headphone (1) Pro die Umgebungsgeräusche um bis zu 46 Dezibel (dB). Das sind fünf dB mehr als beim Headphone (1). Und bereits mit dem fühlte ich mich einwandfrei abgeschirmt und musste nicht die Lautstärke erhöhen, um die Umgebung zu übertönen.

Die fünf Mikrofone pro Hörer sorgen nicht nur für eine starke Geräuschunterdrückung, sondern auch dafür, dass ich beim Telefonieren an einer befahrenen Straße oder bei etwas Wind für meine Gesprächspartner gut zu verstehen bin.

Eine App mit zwei Equalizern

Über die «Nothing X»-App kann ich zahlreiche Anpassungen am Klang des Headphone (1) Pro vornehmen. Das beginnt mit der Intensität der Geräuschunterdrückung und geht mit dem Spatial Audio weiter. Unter «Personalisierter Ton» mache ich einen Test, um die Wiedergabe an das Hörvermögen meiner Ohren anzupassen. Dabei spielt die App nacheinander unterschiedliche Frequenzen ab und ich muss pro Ohr sagen, ob ich sie höre oder nicht.

Die Startseite der Nothing-X-App – links und in der Mitte – sowie mein personalisierter Ton.
Die Startseite der Nothing-X-App – links und in der Mitte – sowie mein personalisierter Ton.

Beim Equalizer stehen mir eine einfache und eine fortgeschrittene Variante zur Auswahl. Der einfache Equalizer unterscheidet nur zwischen Bässen, Mitten und Höhen. Der fortgeschrittene Equalizer lässt mich dagegen Frequenzbänder anpassen und das sogar für Haupt- und Präzisionstreiber individuell.

Der einfache EQ (links), der fortgeschrittene EQ (Mitte) und die herunterladbaren EQ-Profile.
Der einfache EQ (links), der fortgeschrittene EQ (Mitte) und die herunterladbaren EQ-Profile.

Falls ich nicht selbst die Regler verschieben will, finde ich fünf Equalizer-Profile des Metropolis Studios zum Download. Weitere Profile sind über die Community verfügbar und ich könnte meine eigenen dort ebenfalls anderen Leuten zur Verfügung stellen.

Akkulaufzeit stark von Hörgewohnheiten abhängig

Der Headphone (1) Pro verfügt über eine ausreichend lange Akkulaufzeit. Diese variiert allerdings stark je nach Nutzungsverhalten. Bei der Musikwiedergabe hält der 1060-mAh-Akku des Kopfhörers zum Beispiel 30 Stunden durch, wenn die Geräuschunterdrückung aktiviert ist. Ohne sind es sogar 68 Stunden.

Der Headphone (1) Pro wird über USB-C geladen.
Der Headphone (1) Pro wird über USB-C geladen.

Nach zwei Stunden ist der Akku voll geladen. Hast du nicht so viel Zeit, genügen fünf Minuten bereits für zwei Stunden Musikwiedergabe mit ANC und vier Stunden ohne.

Der Akku ist austauschbar, aber Nothing empfiehlt, den Wechsel Profis zu überlassen. Dabei käme man mit akustischen Bauteilen in Berührung. Ein für 2027 geplantes Over-Ear-Modell will der Hersteller mit einer zu Hause auswechselbaren Batterie ausstatten.

Fazit

Überzeugender Kopfhörer, der sich nicht für alle lohnt

Der Headphone (1) Pro überzeugt mich mit einem hervorragenden Sound und vielen Anpassungsmöglichkeiten für den Klang. Die starke Geräuschunterdrückung sorgt dafür, dass mich die Umgebung nicht stört. Die Akkulaufzeit sorgt für eine lange ununterbrochene Hörfreude. Dabei sitzt der Kopfhörer zudem bequem, allerdings wird es um meine Ohren herum schnell warm unter den Polstern.

Die haptischen Steuerelemente gefallen mir weiterhin, das neue sperrige Transportbehältnis dagegen nicht. Flat EQ als neue Besonderheit hilft mir im Alltag zudem nicht weiter. Am Ende genügt mir die Basis-Variante des Headphone (1) selbst mit etwas schwächerem ANC und weniger Treibern und ich bezahle für sie deutlich weniger.

Pro

  • hervorragender Klang
  • Geräuschunterdrückung sorgt für Stille
  • haptische Bedienelemente fühlen sich wunderbar an

Contra

  • sperriges Transportbehältnis
  • wird zu schnell warm unter den Ohrpolstern
  • Flat EQ nicht für den Alltag geeignet
Produktbild Nothing Headphone (1) Pro (ANC, 28 h, Kabelgebunden, Kabellos)
Kopfhörer
Neu
CHF329.–

Nothing Headphone (1) Pro

ANC, 28 h, Kabelgebunden, Kabellos

Titelbild: Jan Johannsen

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Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus. 


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