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von Anna Sandner

Forschende aus Leipzig und Göteborg haben einen neuen metabolischen BMI entwickelt. Der metBMI macht die Stoffwechselgesundheit sichtbar und enttarnt Krankheitsrisiken, wo der klassische Blick auf das Verhältnis von Größe zu Gewicht versagt. Damit lassen sich drohende Gefahren wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkennen, noch bevor erste Symptome auftreten.
Stell dir vor, du fährst zum TÜV. Die Prüferin schaut sich dein Auto nur von außen an, misst Länge, Breite und Gewicht, nickt zufrieden und klebt die Plakette drauf. Dass der Motor stottert und das Öl leckt, sieht sie nicht. Klingt absurd? Ist es. Trotzdem funktioniert unsere Gesundheitsbewertung durch den klassischen Body-Mass-Index ähnlich.
Der BMI sagt dir zuverlässig, ob du im Verhältnis zu deiner Größe als normal, über- oder untergewichtig giltst. Er verrät dir nicht, ob du gesund oder krank bist.
Der herkömmliche BMI ist vor allem eines: unschlagbar simpel. Gewicht durch Körpergröße zum Quadrat, fertig. Seit Jahrzehnten ist das der Standard. Es braucht keine teuren Geräte oder Untersuchungen, alle können es zu Hause selbst ausrechnen. Extrem praktisch.
Das Problem dabei? Komplexe Biologie lässt sich nicht in eine so simple Formel pressen. Der BMI unterscheidet nicht, woraus dein Gewicht besteht. Er wirft die 90 Kilo eines gut trainierten Athleten (Muskeln) in denselben Topf wie die 90 Kilo einer Person mit viel gefährlichem Bauchfett. Für die Gesundheit macht es aber einen entscheidenden Unterschied, ob das Gewicht auf Fett oder Muskeln zurückzuführen ist. Und vor allem: Der BMI ist blind für den Stoffwechsel. Er zeigt dir, ob du in Kleidergröße S oder L passt. Sagt aber nichts darüber aus, wie deine Zellen arbeiten oder ob sich in deinen Gefäßen bereits Entzündungen bilden.
Das wäre verschmerzbar, wenn der Wert nur der groben Orientierung diente. Doch im Gesundheitssystem fungiert der BMI oft als harter «Türsteher»: Der Zugang zu Magenverkleinerungen, modernen Abnehmmedikamenten oder die Aufnahme auf die Warteliste für Spenderorgane hängt häufig strikt an BMI-Grenzen. Hier entscheidet eine simple Rechenformel über medizinische Schicksale, obwohl sie für diese komplexe Risikoeinschätzung nicht genug Aussagewert hat. Der neue metabolische BMI könnte das ändern. Er ist kein Tool für den Taschenrechner im Badezimmer zuhause, sondern ein präzises klinisches Instrument, um echte Gesundheitsrisiken dort sichtbar zu machen, wo der klassische BMI blind ist.
Dass der klassische BMI in der Medizin als hartes Bewertungskriterium genutzt wird, hat zur Folge, dass nicht wenige Risikopatienten und -patientinnen schlicht übersehen werden. Die «TOFI»-Typen (Thin Outside, Fat Inside), die schlank sind, aber einen kranken Stoffwechsel haben. Genau hier setzt der metabolische Body-Mass-Index an.
Dr. Rima Chakaroun, Forscherin an der Universitätsmedizin Leipzig und Erstautorin der Studie, fasst es so zusammen: «Unser metabolischer BMI deckt eine versteckte Stoffwechselstörung auf, die auf der Waage nicht immer sichtbar ist. Zwei Menschen mit dem gleichen BMI können je nach Funktion ihres Stoffwechsels und ihres Fettgewebes völlig unterschiedliche Risikoprofile aufweisen».
Statt Waage und Maßband nutzten die Forschenden aus Deutschland und Schweden Hightech-Analysen (Massenspektrometrie) bei fast 2 000 Personen. Sie suchten nach Metaboliten – winzigen Abbauprodukten unseres Stoffwechsels, sozusagen den «Abgasen» unseres inneren Motors. Aus 1 000 Stoffen filterten sie 66 heraus, die extrem präzise vorhersagen, wie gesund jemand ist. Das Ergebnis ist der metabolische BMI (metBMI).
Dabei zeigte sich: Normalgewichtige mit hohem metBMI hatten ein bis zu fünfmal höheres Risiko für Diabetes und Herzleiden als Menschen mit gleichem Gewicht, aber niedrigem metBMI.
Erklärungen dafür fanden die Forschenden bei einem genaueren Blick auf den Darm. Menschen mit schlechtem metBMI hatten oft ein verarmtes Mikrobiom. Ihnen fehlten Bakterien, die Ballaststoffe in wertvolle Buttersäure umwandeln. Buttersäure ernährt die Darmwand und wirkt entzündungshemmend. Fehlt sie, gerät der Stoffwechsel unter Stress – unabhängig davon, was die Waage anzeigt.
Die Ergebnisse der Studie zeigen Hoffnungsvolles: Der Lebensstil bestimmt den metBMI stärker als die Gene. Eine darmgesunde Ernährung kann den metabolischen Status verbessern, selbst wenn das Gewicht stagniert.
Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.
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