
Motorola Edge 70 Max im Test: Nur eine gute Kamera ist zu wenig
Das «Max» im Namen des Motorola Edge 70 Max verweist auf den großen Akku und den leistungsstarken Chipsatz. Beim Kamera-Setup ist der Hersteller dagegen knauserig.
Das normale Motorola Edge 70 ist schön dünn, aber leistungsmäßig ebenfalls schmal unterwegs. Beim Edge 70 Max nutzt Motorola das 2,3 Millimeter dickere Gehäuse für einen stärkeren Chipsatz und einen größeren Akku. Eine Telekamera fehlt weiterhin und die Ultraweitwinkelkamera wurde degradiert.
Robustes Gehäuse und ein großes Display
Optisch kommt das Edge 70 Max sehr schlicht daher. Die Farbauswahl ist weniger bunt als sonst bei Motorola. Der Rahmen aus Aluminium lässt das Smartphone wertig wirken, die Rückseite besteht aus Glas. Wie auf der Vorderseite handelt es sich um kratzfestes Gorilla Glass 7i. Das gesamte Gerät ist gemäß IP69-Standard nicht nur wasserdicht (30 Minuten, 1,5 Meter Wassertiefe), sondern widersteht sogar hartem Strahlwasser.

Vorn schaue ich auf ein 6,83 Zoll großes AMOLED-Display mit einer hohen Auflösung von 3168 × 1440 Pixeln. Die Bildwiederholrate erreicht bis zu 144 Hertz, was sich vor allem für Spiele lohnt. Der Rand des Touchscreens ist vergleichsweise breit. Dadurch wirkt das große Smartphone noch wuchtiger. Im Vergleich mit dem Edge 70 ist die Max-Version drei Millimeter breiter und 4,1 Millimeter länger.

Mehr als genug Leistung
Motorola verbaut den Snapdragon 8 Gen 5 im Edge 70 Max. Das ist ein deutlicher Leistungssprung im Vergleich mit dem Snapdragon 7 Gen 4 des Edge 70. Leider habe ich davon nur Geekbench-Messungen, aber dort verdoppelt das Edge 70 Max die CPU-Leistung und verdreifacht die GPU-Leistung.
Im Vergleich mit den Chipsätzen anderer Mittelklasse-Smartphones schneidet das Edge 70 Max hervorragend ab. An den Snapdragon 8 Elite Gen 5 der Top-Smartphones kommt es aber nicht heran. Trotzdem bietet es mehr als genug Rechenkraft für die alltägliche Nutzung und darüber hinaus.
Lange Akkulaufzeit
Der Akku des Edge 70 Max fällt mit 7100 mAh überdurchschnittlich aus, aber Kapazitäten in diesem Bereich sind schon lange keine Seltenheit mehr. Mit dem Akkutest von PCMark Work 3.0 ermittle ich bei halber Displayhelligkeit eine Laufzeit von 18 Stunden und 51 Minuten. Das ist sehr ordentlich und besser als die 13 Stunden, die meine Kollegin Michelle beim Edge 70 ermittelt hat. Für einen Platz in den Top Ten der Akkulaufzeit reicht es aber nicht.

Trotz der hohen Kapazität soll der Akku innerhalb von 51 Minuten voll geladen sein. Das Edge 70 Max nimmt bis zu 90 Watt entgegen. Liefert ein Netzteil weniger Strom, dauert das Laden länger. Ebenfalls länger dauert das drahtlose Laden, auch wenn das Smartphone mit Qi2 25W bis zu 25 Watt aufnimmt. Als eines der wenigen Android-Smartphones verfügt das Edge 70 Max zudem über Magnete für Powerbanks und anderes Zubehör.
Du kannst den großen Akku auch nutzen, um andere Geräte aufzuladen. Der Strom fließt dabei so langsam, dass dies nur für den Notfall taugt. Bis zu fünf Watt gibt das Edge 70 Max über Kabel ab.
Keine Telekamera und eine schlechte Ultraweitwinkelkamera
Bei den Kameras enttäuscht mich das Edge 70 Max. Die Hauptkamera bietet zwar einen passablen digitalen Zoom, aber andere Kameras dieser Preisklasse – und teilweise sogar günstigere – verfügen über eine eigenständige Telekamera. Und dann liefert die Ultraweitwinkelkamera auch noch eine miese Bildqualität.

Für die Hauptkamera des Edge 70 Max nutzt Motorola mit dem Sony Lytia 710 den gleichen Bildsensor wie beim Edge 70 Pro und beim 70 Fusion. Auf dem Papier verfügt auch das Edge 70 über einen Sensor mit den gleichen Werten. Allerdings habe ich dafür keine Bestätigung für das Modell gefunden. Die Ultraweitwinkelkamera hat Motorola verschlechtert: 8 statt 50 Megapixel Auflösung, f/2,2 statt f/2,0 und nur 1/4,0 Zoll Sensorfläche statt 1/2,76 Zoll. Bei der 32-Megapixel-Frontkamera verschlechtern sich die Daten ebenfalls, aber nicht so stark wie bei der Ultraweitwinkelkamera.
Die Hauptkamera liefert Bilder mit hoher Detailgenauigkeit, die Farben wirken etwas gedeckt. Sie sind weniger knallig als bei den meisten anderen Smartphones. Das hat schon was. Falls du es anders siehst: In der Nachbearbeitung werden die Farben mit einem Klick knalliger.

Die Kamera-App bietet mir einen zweifachen Zoom an. Dieser ist vollständig digital und bringt mich nicht ganz so nah ans Motiv wie eine Telekamera mit drei- oder fünffachem Zoom. Das Ergebnis sieht aber gut aus und kommt ohne typische Anzeichen eines Digitalzooms aus.

Bei Dunkelheit liefert die Hauptkamera mittelmäßige Bilder. Mir hellt der Nachtmodus die Aufnahmen zu stark auf. Die Detailgenauigkeit ist ausreichend, wenn ich das Bild nicht vergrößere. Straßenlaternen weisen eine Corona auf, die einem gefallen kann oder nicht.

Die Ultraweitwinkelkamera schafft es dagegen bereits bei Tageslicht nicht, vorzeigbare Bilder zu liefern. Auf dem Smartphone-Display fällt das nicht sofort auf, aber wenn ich die Ansicht nur etwas vergrößere, sehe ich, dass das gesamte Bild unscharf ist.

Bei Dunkelheit wird es noch schlimmer. Das Bild erspare ich uns. Wenn du eine Ultraweitwinkelkamera nutzen willst, ist das Edge 70 Max kein Smartphone für dich.
Die Frontkamera liefert dagegen ordentliche Selfies. Die Detailgenauigkeit ist hoch, die Aufnahmen sind scharf und die Farben kräftig. Ausnahme: Dir scheint die Sonne direkt in die Linse, aber selbst das hat noch was:

Spielereien gibt es auch noch: Mit «Frame Match» gebe ich jemand anderem den Bildausschnitt vor. Zuerst nehme ich ein transparentes Overlay von meinem gewünschten Bildausschnitt auf. Anschließend gebe ich das Smartphone weiter und stelle mich ins Bild. Die Fotografin oder der Fotograf sieht nun meinen gewünschten Bildausschnitt auf dem Display und kann sich daran orientieren.
In der «Fotokabine» nimmt das Edge 70 Max vier Selfies mit einem Abstand von je drei Sekunden hintereinander auf. Diese landen zwar auch einzeln in der Galerie, aber der Hauptzweck ist der Abzug mit allen vier Fotos.

Viele vorinstallierte Apps, die nicht sein müssten
Ab Werk läuft Android 16 auf dem Edge 70 Max; das Update auf Android 17 ist noch nicht angekommen. Motorola will das Smartphone mit vier Betriebssystemupdates und sechs Jahre lang mit Sicherheitsupdates versorgen. Damit bleibt der Hersteller beim Betriebssystem ein Jahr unter den Vorgaben der EU, an die sich viele andere Hersteller halten.

Ansonsten erwarten dich mehrere vorinstallierte Apps von Motorola: Mit «Moto Secure» passt du Sicherheitseinstellungen an, mit «Moto Unplugged» schaltest du bewusst Ablenkungen ab und «Smart Connect» stellt Verbindungen zu PCs oder Tablets für eine geräteübergreifende Nutzung her. Mit dem «Family Space» verwaltest du das Smartphone deines Kindes oder schaffst einen Raum auf deinem Smartphone, in dem das Kind nichts zerstören kann. Warum sind das nicht einfach Menüpunkte in den Einstellungen?
Zusätzlich installiert Motorola einige Drittanbieter-Apps, die sich aber zum Glück leicht deinstallieren lassen. Neben üblichen Verdächtigen wie Facebook, Instagram oder Tiktok fällt mir «Galleryit» besonders negativ auf. Ich habe sie zuerst für die Galerie-App von Motorola gehalten. Allerdings handelt es sich dabei um eine Gratis-App mit nervigen Werbeeinblendungen, die mich von der Bildbearbeitung abhalten. Daher bin ich schnell zu Google Fotos gewechselt.

Mit Perplexity ist auch eine KI-App vorinstalliert – und diese längst nicht das einzige KI‑Tool. Gemini ist ebenfalls an Bord und mit Qira verpasst Motorola seinen Smartphones außerdem einen eigenen KI‑Assistenten. Dieser erfordert eine Anmeldung mit einem Motorola-Konto – und das bereits, bevor ich ihn geräteübergreifend auf PCs, Tablets oder Notebooks vom Mutterkonzern Lenovo nutzen will.
Fazit
Zu viele Schwächen stören das Gesamtbild
Das Motorola Edge 70 Max macht vieles richtig, hat aber für seine Preisklasse zu viele Mankos, die gegen einen Kauf sprechen. Das fängt mit der fehlenden Telekamera an, die andere Hersteller bereits in günstigere Geräte einbauen. Es geht mit der unbrauchbar schlechten Ultraweitwinkelkamera weiter und hört mit den zahlreichen vorinstallierten Apps auf.
Da hilft es nur wenig, dass Motorola bei Gehäuse und Display alles richtig macht. Die Leistung ist mehr als ausreichend und die Akkulaufzeit bringt mich problemlos über den Tag. Die Hauptkamera und die Frontkamera liefern ordentliche Bilder. Selbst dass das Edge 70 Max eines der wenigen Smartphones ist, das Qi2 25W inklusive magnetischer Halterung unterstützt, kann mich nicht umstimmen.
Für ein Smartphone am preislich oberen Ende der Mittelklasse ist das insgesamt zu wenig. Ich hätte zum Beispiel am deutlich günstigeren Nothing Phone (4a) Pro mehr Freude, obwohl es über weniger Rechenkraft verfügt, oder würde mir direkt ein Galaxy S26 oder Xiaomi 17T Pro für einen ähnlichen Preis kaufen.
Pro
- wunderbares Display
- robustes Gehäuse
- lange Akkulaufzeit
- drahtloses Laden mit Qi2 25W
Contra
- unbrauchbare Ultraweitwinkelkamera
- keine Telekamera
- vorinstallierte (Drittanbieter-)Apps
Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
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