Kaum zu glauben: Das ist kein Fleisch

Kaum zu glauben: Das ist kein Fleisch

Simon Balissat
Zürich, am 15.01.2019
Ja, du hast richtig gelesen: Das ist kein Fleisch, sondern eine auf Weizen, Kartoffeln, Kokosfett und Hefe basierende Masse. «Impossible» heisst die Firma und vor wenigen Tagen hat sie die Version 2.0 ihres «Burgers» in Las Vegas vorgestellt.

Update 17.1.2018: «Impossible» hat auf meine Anfrage geantwortet, ich habe den letzten Abschnitt aktualisiert.

Es sieht aus wie Fleisch, die Konsistenz soll der von Fleisch sehr ähnlich sein und in der Version 2 schmeckt der «Impossible Burger» offenbar auch mehr nach Fleisch. Die Herstellung ist nachhaltig und verbraucht laut Herstellerangaben weit weniger Wasser, verursacht weniger Schadstoffe und verbraucht weniger Landmasse als Kuhfleisch. Alle Zutaten sind rein pflanzlich und de facto vegan (dazu später mehr).

Alles pflanzlich: Burger auf dem Grill
Alles pflanzlich: Burger auf dem Grill

Faszinierend, wie ähnlich dieses Pseudofleisch aussieht. Ich habe nie verstanden, weshalb es vegetarische oder vegane Produkte gibt, die Fleisch nachahmen. Du hast dich dazu entschieden, auf tierische Produkte zu verzichten, dann brauchst du auch keine Würste mit Kunstdarm und Pilzfüllung. Es riecht nicht nach Fleisch, es schmeckt nicht nach Fleisch und hat nicht die gleiche Konsistenz. Auch dass Tofu als «Fleischersatz» angesehen wird, verstehe ich nicht. Tofu ist ein sehr eigenständiges Produkt, das du keinesfalls mit Fleisch gleichsetzen solltest. Nun hast du dich vielleicht aus ethischen Gründen gegen den Verzehr von Fleisch entschieden. Du magst es eigentlich, aber du willst nicht für das Schlachten von Tieren verantwortlich sein oder du willst deinen ökologischen Fussabdruck verkleinern. Dann ist der «Impossible Burger» genau dein Ding, weil es erstmals ein Produkt ist, das legitim als Fleischersatz bezeichnet werden darf.

Buzzfeed hat es getestet und die Testesser waren verblüfft.

Viel Fleisch am Knochen

Dabei ist «Impossible» nicht die erste Firma, die einen 1:1 Fleischersatz auf Pflanzenbasis auf den Markt gebracht hat, sie macht es aber am konsequentesten. Die hellen Köpfe hinter «Impossible» haben entdeckt, was Fleisch zu Fleisch macht. Es sind sogenannte «Häme», eine Molekülart, die im Blut für den Sauerstofftransport verantwortlich ist und Fleisch rot aussehen lässt. Ganz zufällig ist das eisenreiche Molekül in der Sojawurzel vorhanden. Trotzdem gab es Probleme beim Isolieren, der Prozess wäre zu aufwendig gewesen. Die Forscher bedienten sich daher der Gentechnik und konnten so eine Hefe züchten, die Häme in einem Fermentationsprozess herstellt, ähnlich dem Bier brauen oder Wein vergären. Die so produzierte Häme wird mit Protein aus Weizen und Kartoffeln gemischt, Kokosfett sorgt für die kleinen Fetteinschlüsse, die beim Braten schmelzen und den Burger saftig machen.

Kaum zu unterscheiden: Der Burger in seiner Rohform
Kaum zu unterscheiden: Der Burger in seiner Rohform

Bisher ist der «Impossible Burger» nur in den USA, Hong Kong und Macau erhältlich und das nur in Restaurants. Ob Europa auch bald erobert werden soll, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Eine Anfrage blieb unbeantwortet. Auf Anfrage heisst es bei «Impossible», man konzentriere sich derzeit auf den Asiatischen Markt und werde als nächstes in Singapur mit dem Verkauf starten. Auch in Europa habe man die nötigen Bewilligungen beantragt. Man könne derzeit aber noch keine Vorhersage machen, wann der Burger auch bei uns erhältlich sein wird. Der bisherige Erfolg der Firma lässt mich aber hoffen: Google, UBS und Bill Gates gehören zu den Investoren, in über 5000 Restaurants ist das Fake-Fleisch in den USA schon erhältlich. Möglich wäre ein Verkauf in der Schweiz, trotz der gentechnisch veränderten Hefe. Verschiedene Firmen dürfen, dank einer Bewilligung, ihre gentechnisch veränderten Produkte in der Schweiz anbieten. Trotzdem könnte diese Genmanipulation einige Leute abschrecken. Zudem ist der Burger nicht ganz vegan: Um die Zulassung von den US Behörden zu erhalten, wurden die Burger in Tierversuchen an Ratten verfüttert. Das hat in der Vegan-Community zu einem Konflikt geführt: Ist der «Impossible Burger» damit nicht mehr vegan, weil das Wohl des Tieres an oberster Stelle zu werten ist? Oder muss man in diesem Fall über die einmaligen Tierversuche hinwegsehen und ein Auge zudrücken?

Ich will den «Impossible Burger» auf jeden Fall selbst einmal probieren und hoffe, die vegetarischen Burger kommen bald in die Schweiz. Ganz auf Fleisch verzichten werde ich deswegen aber nicht. Wie siehst du das?

Impossible Burger

Würdest du diesen Vegi-Burger essen?

  • Klar! Sieht aus wie Fleisch und schmeckt hoffentlich auch so.
    74%
  • Nein. Ich esse Fleisch nicht, weil ich es gar nicht mag.
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  • Ich bin etwas skeptisch. Probieren würde ich ihn, im Restaurant bestellen aber nicht.
    24%

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

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Simon Balissat
Simon Balissat
Editor, Zürich
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

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