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Essen + TrinkenNews & Trends 1340

Kaum zu glauben: Das ist kein Fleisch

Ja, du hast richtig gelesen: Das ist kein Fleisch, sondern eine auf Weizen, Kartoffeln, Kokosfett und Hefe basierende Masse. «Impossible» heisst die Firma und vor wenigen Tagen hat sie die Version 2.0 ihres «Burgers» in Las Vegas vorgestellt.

Update 17.1.2018: «Impossible» hat auf meine Anfrage geantwortet, ich habe den letzten Abschnitt aktualisiert.

Es sieht aus wie Fleisch, die Konsistenz soll der von Fleisch sehr ähnlich sein und in der Version 2 schmeckt der «Impossible Burger» offenbar auch mehr nach Fleisch. Die Herstellung ist nachhaltig und verbraucht laut Herstellerangaben weit weniger Wasser, verursacht weniger Schadstoffe und verbraucht weniger Landmasse als Kuhfleisch. Alle Zutaten sind rein pflanzlich und de facto vegan (dazu später mehr).

Alles pflanzlich: Burger auf dem Grill

Faszinierend, wie ähnlich dieses Pseudofleisch aussieht. Ich habe nie verstanden, weshalb es vegetarische oder vegane Produkte gibt, die Fleisch nachahmen. Du hast dich dazu entschieden, auf tierische Produkte zu verzichten, dann brauchst du auch keine Würste mit Kunstdarm und Pilzfüllung. Es riecht nicht nach Fleisch, es schmeckt nicht nach Fleisch und hat nicht die gleiche Konsistenz. Auch dass Tofu als «Fleischersatz» angesehen wird, verstehe ich nicht. Tofu ist ein sehr eigenständiges Produkt, das du keinesfalls mit Fleisch gleichsetzen solltest. Nun hast du dich vielleicht aus ethischen Gründen gegen den Verzehr von Fleisch entschieden. Du magst es eigentlich, aber du willst nicht für das Schlachten von Tieren verantwortlich sein oder du willst deinen ökologischen Fussabdruck verkleinern. Dann ist der «Impossible Burger» genau dein Ding, weil es erstmals ein Produkt ist, das legitim als Fleischersatz bezeichnet werden darf.

Buzzfeed hat es getestet und die Testesser waren verblüfft.

Viel Fleisch am Knochen

Dabei ist «Impossible» nicht die erste Firma, die einen 1:1 Fleischersatz auf Pflanzenbasis auf den Markt gebracht hat, sie macht es aber am konsequentesten. Die hellen Köpfe hinter «Impossible» haben entdeckt, was Fleisch zu Fleisch macht. Es sind sogenannte «Häme», eine Molekülart, die im Blut für den Sauerstofftransport verantwortlich ist und Fleisch rot aussehen lässt. Ganz zufällig ist das eisenreiche Molekül in der Sojawurzel vorhanden. Trotzdem gab es Probleme beim Isolieren, der Prozess wäre zu aufwendig gewesen. Die Forscher bedienten sich daher der Gentechnik und konnten so eine Hefe züchten, die Häme in einem Fermentationsprozess herstellt, ähnlich dem Bier brauen oder Wein vergären. Die so produzierte Häme wird mit Protein aus Weizen und Kartoffeln gemischt, Kokosfett sorgt für die kleinen Fetteinschlüsse, die beim Braten schmelzen und den Burger saftig machen.

Kaum zu unterscheiden: Der Burger in seiner Rohform

Bisher ist der «Impossible Burger» nur in den USA, Hong Kong und Macau erhältlich und das nur in Restaurants. Ob Europa auch bald erobert werden soll, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Eine Anfrage blieb unbeantwortet. Auf Anfrage heisst es bei «Impossible», man konzentriere sich derzeit auf den Asiatischen Markt und werde als nächstes in Singapur mit dem Verkauf starten. Auch in Europa habe man die nötigen Bewilligungen beantragt. Man könne derzeit aber noch keine Vorhersage machen, wann der Burger auch bei uns erhältlich sein wird. Der bisherige Erfolg der Firma lässt mich aber hoffen: Google, UBS und Bill Gates gehören zu den Investoren, in über 5000 Restaurants ist das Fake-Fleisch in den USA schon erhältlich. Möglich wäre ein Verkauf in der Schweiz, trotz der gentechnisch veränderten Hefe. Verschiedene Firmen dürfen, dank einer Bewilligung, ihre gentechnisch veränderten Produkte in der Schweiz anbieten. Trotzdem könnte diese Genmanipulation einige Leute abschrecken. Zudem ist der Burger nicht ganz vegan: Um die Zulassung von den US Behörden zu erhalten, wurden die Burger in Tierversuchen an Ratten verfüttert. Das hat in der Vegan-Community zu einem Konflikt geführt: Ist der «Impossible Burger» damit nicht mehr vegan, weil das Wohl des Tieres an oberster Stelle zu werten ist? Oder muss man in diesem Fall über die einmaligen Tierversuche hinwegsehen und ein Auge zudrücken?

Ich will den «Impossible Burger» auf jeden Fall selbst einmal probieren und hoffe, die vegetarischen Burger kommen bald in die Schweiz. Ganz auf Fleisch verzichten werde ich deswegen aber nicht. Wie siehst du das?

Impossible Burger
Würdest du diesen Vegi-Burger essen?

Klar! Sieht aus wie Fleisch und schmeckt hoffentlich auch so.

74%

Nein. Ich esse Fleisch nicht, weil ich es gar nicht mag.

0%

Ich bin etwas skeptisch. Probieren würde ich ihn, im Restaurant bestellen aber nicht.

24%
User

Simon Balissat, Zürich

  • Editor
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

13 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User mi.hal

Als Umweltswissenschaftler und (vielleicht deshalb) Veganer, freut es mich enorm wenn Leute auf diese Weise in den Kontakt kommen mit prozessierten V-produkten. Das fördert konstruktive Gespräche und erweitert Horizonte (siehe Soja Bemerkung im Thread zB), aber insbesondere auch dass Leute ihre Einkaufsentscheidungen und Ernaehrung informierter bestimmen. Cooler Beitrag!

16.01.2019
User timo

Erstmal: Interessanter Artikel, mal wieder was Neues zum probieren, wobei mich die meisten Vegan-Produkte bisher geschmacklich enttäuscht haben und oft einfach ähnliche wie eine bessere, vegetarische oder fleischliche Version schmeckten.

Ich kann verstehen wenn man aus moralischen Gründen Vegetarier wird. Mit Veganismus (vor allem mit militant-religiöser Ausprägung bei Leuten die sich damit eine Mission auferlegen und missionieren wollen) kann ich dafür wenig bis nichts anfangen. Was nicht heißt dass es nicht viele Gerichte gibt, die unglaublich Lecker sind aber eher rein zufällig vegan. Bspw. die Küche von Sri Lanka bietet viele Currys die einfach Vegan sind weil die Zutaten die man hatte halt vegan waren... Das umgekehrte endet meist in kulinarischen Desastern, also wenn krampfhaft versucht wird irgendwas leckeres vegetarisches oder fleischhaltiges "vegan zu interpretieren". Insbesondere wenn es dann wie auch hier benannt mit dem "Missbrauch" von Tieren los geht wird es nach meinem Verständnis schnell lächerlich. Ich will sowas wie Legebatterien usw. nicht schönreden, das gehört verboten, aber bloß weil irgendwann ein Brauereigaul das Bier von der Brauerei zum Markt gebracht hat vor 60 Jahren soll das Bier nicht Vegan sein (ungeachtet ob das Pferd sonst evtl. das glücklichste Pferdeleben hatte?)?

Umgekehrt bin ich aber auch kein Freund von Kirschenpickern beim Fleischverzehr. Wenn ich Fleisch esse, dann doch bitte wenigstens nicht auf Filet und Hühnerbrust einschränken. Das ist erstens Anlass für Verschwendung (was passiert mit dem Rest wenn das viele tun?!) und meiner Meinung nach respektlos dem Tier gegenüber. Ausnahmen wären da evtl. Gehirn und Rückenmark wegen gesundheitlicher Aspekte bspw. bei Rind. Oder übermäßigem Verzehr von Innereien wie Leber (wegen des hohen Eisen-Gehalts). Dann lieber einfach seltener und dafür flexibel bei der Auswahl. Außerdem kann ich jedem nur Raten von dem Irrglauben wegzukommen, desto jünger das Rind, desto besser das Fleisch. Das beste Fleisch bekommt man von alten Weiderindern. In England bekannt als (old) Dairy Cow, das Original stammt aus Spanien und nennt sich Txogitxu. Da kann auch Kobe Rind einpacken meiner Meinung nach und die Rinder hatten vermutlich das bestmögliche Leben - und das schmeckt man.

Naja und manche Sachen muss man wirklich einfach nicht essen, wie Wal, Hai, andere bedrohte Arten die sich nicht wirklich artgerecht Züchten lassen.

Den Burger würde ich natürlich probieren, warum vor einem pflanzlichen halt machen, wenn der Insektenburger mich nicht "geschreckt" hat.

15.01.2019
User Simon Balissat

Danke für deinen Kommentar. Das Fleisch von alten Weiderindern muss ich unbedingt probieren. Sehr spannend.

16.01.2019
User daccurda

vor allem für Burger sind Weiderinder perfekt. Probiert hast du das bestimmt schonmal was ähnliches @Simon, denn McDonald's, Burgerking & co nehmen hauptsächlich Fleisch von alten Milchkühen. Ist günstiger und etwas fester

16.01.2019
User timo

Ja ist leider so, was eine Schande ist, das fleisch hat einen sehr intensiven Geschmack, vor allem auch der Geruch ist eine Offenbarung. Ich kann es jedem nur empfehlen, war in Sachen Fleischgenuss für mich eine der größten Offenbarungen der letzten Jahre. Das mit dem "günstiger" ist allerdings sone Sache. Die wirklich "hochwertigen" alten Weiderinder von Hochweiden aus Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien die bspw. dann auch Txogitxu einkauft (nein man bekommt da natürlich nicht zwangsweise eine Basken-Kuh mehr, die Marke ist inzwischen kein regionaler Kleinmetzger mehr) sind sogar ziemlich teuer. Das letzte mal war es für ein 900g Stück aus dem Entrecôte knapp 85 CHF.

@Simon Ein Artikel über einen Vergleich davon mit ich sag mal "herkömmlichem" Rind fände ich sehr spannend :-)

16.01.2019
Antworten
User m@Xist

Mir würde es schon reichen, wenn die Quorn- und Sojaburger oder -Plätzli etwas mehr "Punch" und "Crunsh" hätten.

16.01.2019
User pborner

Ich hab den Impossible Burger letzten Juni bei Bareburger in New York probiert. Der Burger war ziemlich gut, allerdings verstehe ich nicht wie Leute sagen können man merke keinen Unterschied. Man kann den Burger nicht mit einem Beef Burger vergleichen, er sieht zwar zum verwechseln ähnlich aus, aber geschmacklich unterscheidet er sich doch sehr von einem Beef Burger. Trotzdem eine super Alternative zu einem herkömmlichen Burger und ein guter Weg um den Fleischkonsum in unserer Gesellschaft zu verringern.

17.01.2019
User Anonymous

Die Umfrage bietet keine Möglichkeit für Leute die Fleisch mögen aber keine künstlichen Ersatz-Produkte?

16.01.2019
User xazax

Ich will jetzt nicht den Moralapostel spielen, aber Soja ist nicht nachhaltig in der Produktion. Vor allem wenn der Import aus Brasilien kommt, werden tonnenweise Regenwald abgeholzt, für den Soja-Anbau: mobil.stern.de/genuss/trink...

16.01.2019
User leiness

"Meist wird Soja aber nicht für Sojamilch verwendet, sondern als Tierfutter. Vor allem Amerikaner und auch Europäer trinken Sojamilch am liebsten. Positiv dabei: Der Soja in den Pflanzendrinks kommt meist nicht aus Brasilien. Marktführer Alpro verwendet Soja aus Kanada und Europa und versucht nach eigenen Angaben darauf zu achten, dass der Anbau so nachhaltig wie möglich ist und so wenig Pflanzenschutzmittel wie möglich verwendet wird. Deren Bio-Ableger Provamel bezieht Soja vollständig aus Europa. Die Sojamilch des französischen Bio-Unternehmens Sojade (So Soya!) verwendet Soja, das ausschließlich aus Frankreich stammt."
Im Artikel steht ja, dass der Grossteil des Sojas für Tierfutter verwendet wird und nicht aus Brasilien stammt.
Hier noch ein guter Artikel der NZZ zum Thema Soja nzz.ch/panorama/montagsklis...

16.01.2019
User timo

Wenn man halt mit einberechnet, dass die Soja genauso für die Rinderzucht oft verwendet wird und da einfach Unmengen mehr verbraucht werden auf eine Mahlzeit mit Rind für den normalen Menschen hochgerechnet, ist es noch immer wohl allemal besser als der Fleischverzehr. Aber klar darauf aufmerksam machen sollte man um auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen bei den Menschen nicht nur darauf zu achten, was sie konsumieren sondern auch was auf dem Web bis ins Glas oder den Teller alles vernichtet wird.

16.01.2019
Antworten
User mueller_dominik

Interessanter Beitrag.
Was mich noch interessiert:
- Warum wollen Veganer/Vegetarier Produkte Esse, die dem Fleisch ähneln? Das verstehe ich nicht bis heute nicht..wollen sie ihr
Essverhalten verbergen oder ist es ihnen peinlich Veganer/Vegetarier zu sein?
- 1:1 Fleischersatz? Denke die Nährwerte entsprechen nicht die von Fleisch?!
Ich respektiere jeden Veganer/Vegetarier...aber ich persönlich möchte künftig auch in einen saftigen Beef-Burger beissen und die
Nährwerte vom Fleisch aufnehmen und nicht nur ein optischer Ersatz essen der nicht dieselben Nährwerten hat.
Ich bin der Meinung, dass der Mensch Fleisch braucht..kenne eni Paar Leute die auf Vegan umgestellt haben und die sehen
mittlerweile Körperlich leider etwas Krank aus (dünn und blass). Ihnen fehlen wohl die Nährwerte von gewissen tierischen Produkten?

17.01.2019
User SevenEddy

Veganer verzichten meistens nicht auf Fleisch weil es ihnen nicht schmeckt... sondern wegen moralischen Gründen. Wenn du Fleisch im Labor züchtest, werde die meisten Veganer das wohl auch essen.

Menschen brauchen kein Fleisch. Wie die gesunden Veganer wohl beweisen. Auch die top Athleten die Veganer sind zeigen wohl das es Vegan funktioniert...
Es gibt kein Nährwert der nur in gewissen tierischen Produkten enthalten ist. B12 ist das einzige das man als Veganer zusätzlich nehmen sollte. Was auch einige Fleischesser - besonders wenn man älter wird - nehmen sollte.

Kenne ein Paar Leute die Fleisch essen und die sehen Körperlich leider etwas Krank aus (Dick und gerötet). Sagt wohl alles über dein dummes Argument.

19.01.2019
Antworten