Ratgeber

Ich habe fünf Hacks gegen statisch aufgeladene Kleidung getestet – fast alle sind Mist

Statische Elektrizität loszuwerden ist tricky. Das weiss ich spätestens seit meinem Selbstversuch. Welche Hacks du dir sparen kannst und welche wirklich helfen.

Spürst du das Knistern? Die elektrische Anziehung? Einen Funken, der überspringt? Dann begegnest du entweder deinem Crush – oder schlägst dich mit statisch aufgeladener Kleidung rum. Die ist genauso nervenaufreibend, löst aber bestimmt keine Glückshormone aus.

Der Stoff klebt unangenehm an der Haut, lässt Haare zu Berge stehen und sorgt schlimmstenfalls für Mini-Stromschläge. Ein textilgewordener Albtraum, der dich in kalten Monaten vermehrt heimsucht. Doch was beschwört ihn herauf? Um das zu beantworten, müssen wir einen kurzen Exkurs in die Physik machen und uns die kleinsten Bausteine einer jeden Materie anschauen: Atome.

Reibung, trockene Luft und Kunstfasern

In neutralem Zustand hat ein Atom gleich viel positiv geladene Protonen wie negativ geladene Elektronen. Wenn jedoch unterschiedliche Oberflächen einander berühren und wieder getrennt werden, können Elektronen von einem Atom zum anderen übergehen. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht, das wiederum elektrostatische Spannung erzeugt. Wie stark diese ist, hängt insbesondere von den physikalischen Eigenschaften der Materialien, der Reibungsstärke und Luftfeuchtigkeit ab.

Ein kühles, trockenes Klima begünstigt die statische Aufladung, weshalb unsere Kleidung im Herbst und Winter mehr klebt und knistert. Bei Kunstfasern wie Polyester oder Polyacryl ist das besonders spürbar, da sie eine niedrige Leitfähigkeit aufweisen. Nun gibt es zahlreiche Hacks, um das unangenehme Phänomen zu bekämpfen. Zumindest, wenn du dem Internet glaubst. Doch was funktioniert wirklich? Ich hab’s getestet.

Vermeintliche Tricks gegen das ungewollte Knistern

1. Der Kleiderbügel aus Metall

Kennst du diese dünnen Drahtbügel, die du häufig bei der chemischen Reinigung bekommst? Sie sollen angeblich dabei helfen, dein Kleidungsstück zu entladen. Alles, was du tun musst, ist den Bügel über das betroffene Kleidungsstück zu streifen, damit sich der Stoff über das Metall entladen kann. Hab ich gemacht. Mehrmals. Von aussen und auf links gedreht. Dabei hat es jeweils wild geknistert – und sich kaum was am geladenen Zustand meiner Plissehose aus Polyester verbessert. Fail.

2. Die Sicherheitsnadel

Eine Sicherheitsnadel aus Metall, die versteckt an deinem Kleidungsstück angebracht wird, soll als eine Art Mini-Blitzableiter taugen. Ob der Hack kleine elektrische Schläge verhindert, kann ich noch nicht beurteilen. Was ich nach meinem Versuch aber mit Sicherheit sagen kann: Wenn dein Teil bereits statisch aufgeladen ist, kommt eine Sicherheitsnadel nicht dagegen an. Sie dient also höchstens zur Vorbeugung. Allerdings ist mir der Effekt zu gering, um deswegen Löcher in meine Kleidung zu stechen.

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3. Das Trocknertuch

Weichspüler und Trocknertücher legen in der Waschmaschine oder im Tumbler einen Schutzfilm um Textilfasern. Dadurch erscheinen Stoffe nicht nur weicher, sondern laden sich auch weniger statisch auf. Ich persönlich benutze solche Produkte nicht, da sie die Saugfähigkeit von Stoffen reduzieren, ihnen auf lange Sicht schaden können und mich der intensive Duft stört. Als Trick gegen statische Elektrizität empfehlen einige Seiten, Trocknertücher von Hand über betroffene Textilien zu streichen. Das kommt für mich schon eher infrage, da ich sie so gezielt einsetzen kann statt für eine gesamte Waschladung. Für den Test habe ich ein knisterndes Strickkleid aus Polyacryl, Nylon und Wolle beidseitig mit den Tumblertüchern von Comfort eingerieben – was übrigens erstaunlich aufwändig war. Das Kleid duftete danach intensiv frisch, war aber noch immer geladen.

4. Der Antistatikspray

Spezielle Sprays gegen Antistatik sollen Spannungen neutralisieren sowie vorbeugen. Galaxus hat einen im Sortiment, der für Textilien aus Kunstfasern geeignet ist und angeblich weder Flecken noch einen Duft hinterlässt. Wie angewiesen, habe ich damit die Aussen- und Innenseite meiner Plisseehose besprüht – ging super easy – und sie nach fünf Minuten Einwirkzeit anprobiert. Die statische Elektrizität war zwar noch immer spürbar, jedoch merklich reduziert. Auch bei meinem Strickkleid hat's geholfen. Ein ganz passables Ergebnis.

Was mich jedoch misstrauisch macht: Nirgends sind die Inhaltsstoffe angegeben – was zur Hölle ist also in diesem Spray drin? Die Ungewissheit beunruhigt mich sowohl hinsichtlich meiner Haut als auch meiner Kleidung. Ich vermute aber, dass er wie vergleichbare Produkte anhand ​​kationischer Tenside funktioniert, die auch den meisten Weichspülern ihre antistatische Wirkung verleihen. Hautreizungen oder Flecken habe ich nach zwei Versuchen jedenfalls noch nicht bemerkt.

5. Die Bodylotion

Am liebsten greife ich noch immer zu meiner altbewährten Methode: Die Haut ordentlich befeuchten. Wenn ich beim Ankleiden merke, dass meine statisch aufgeladene Hose an den Beinen klebt, ziehe ich sie nochmal kurz ab. Dann creme ich mich grosszügig mit Bodylotion ein und lasse sie einziehen, bevor ich die Hose nochmal überstreife. Klingt simpel, ist für mich jedoch der effektivste Trick gegen statische Elektrizität. In Fällen, wo der Stoff nicht direkt auf meiner Haut liegt, sondern beispielsweise auf einer Strumpfhose, werde ich künftig aber auch mal zum Antistatikspray greifen.

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Auftaktbild: Karolina Grabowska via Pexels

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Hat grenzenlose Begeisterung für Schulterpolster, Stratocasters und Sashimi, aber nur begrenzt Nerven für schlechte Impressionen ihres Ostschweizer Dialekts.


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