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Guter Cop, böser Cop: Was hilft deinem Kind wirklich?

Die wenigsten von uns möchten autoritäre Eltern sein. Trotzdem verstricken sich Mütter und Väter in Machtkämpfe mit ihren Kindern und drohen mit dem Zeigefinger. Wie aber kannst du stark und konsequent sein, ohne in Erziehungsmethoden aus den Fünfzigerjahren zurückzufallen?

Gehorsam und Drill wünscht sich kaum mehr jemand als Erziehungsgrundsätze. Die Beziehung zwischen Eltern und Kind hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einer streng hierarchischen Angelegenheit zu einem Verhältnis gewandelt, in dem vieles verhandelbar ist. Kinder werden in ihren Wünschen und Bedürfnissen gehört, und das ist gut so.

Die meisten von uns wollen also keine autoritären Mütter und Väter sein. Trotzdem ertappen wir uns vermutlich irgendwann dabei, wie wir drohend den Zeigefinger heben, fluchend im Kinderzimmer herumbrüllen oder den Sohn zu grob am Arm packen. Dies tun Eltern weder aus der Überzeugung heraus, dass sich Kindern auf diese Weise besonders gut etwas beibringen liesse, wie der Paar- und Familientherapeut Achim Schad in seinem Buch «Kinder brauchen mehr als Liebe» schreibt. Noch stecke dahinter die Absicht, Kindern bewusst zu schaden. Vielmehr würden sich Eltern oft hilflos und ohnmächtig fühlen, wenn sie der Weg des freundlichen Erklärens und Verhandelns nicht mehr weiterbringe – und fielen dann in diejenigen Muster zurück, die sie eigentlich vermeiden wollten.

Kindern ihren Frust lassen

Warum aber kommt es trotz aller Diskussionsbereitschaft, Nachgiebigkeit und Zuwendung zu solchen Situationen und Machtkämpfen zwischen Eltern und Kindern? Wie kannst du Kinder gewaltfrei erziehen und doch von ihnen als stark, entschlossen und entscheidungsfähig wahrgenommen werden?

Hinter der Bereitschaft, zu fragen und zu verhandeln statt zu fordern, verortet Schad oftmals den Wunsch der Eltern, das Kind möge ihre Entscheidungen verstehen und sich damit einverstanden zeigen. «Viele Machtkämpfe entstehen, weil Eltern versuchen, die Gefühle und Sichtweisen der Kinder zu verändern.» Das bedeutet keineswegs, dass du mit deinem Kind nicht diskutieren darfst; allerdings sollte dann auch tatsächlich Spielraum für seine Mitbestimmung vorhanden sein.

«Eltern sollten ihre Entscheidungen nicht prinzipiell von der Zustimmung der Kinder abhängig machen», schreibt der deutsche Sozialpädagoge. «Sie müssen aber akzeptieren, dass Kinder ihre Sicht vielleicht nicht nachvollziehen und über die elterliche Entscheidung frustriert und verärgert sein können.» Kinder hätten ein Recht darauf, nicht einverstanden zu sein. Wer sich davon nicht aus der Ruhe bringen lässt und freundlich, aber bestimmt bei seinem Entschluss bleibt, löst bei seinen Kindern vielleicht nicht gerade Freudensprünge aus – aber er vermittelt ihnen Orientierung, Halt und Stärke.

Zumuten heisst auch zutrauen

Wenn es um Konsequenzen in der Erziehung geht, sind Fachleute geteilter Meinung: Sind sie letztendlich nichts Anderes als Strafen oder Drohungen? Für Schad handelt es sich eindeutig um unterschiedliche Erziehungsmassnahmen. Führten Strafen und Drohungen zu Gehorsam aus Angst oder zu Trotz und Rebellion, würden Kinder aus Konsequenzen etwas fürs Leben lernen. Wer strafe, gehe hingegen davon aus, dass kein innerer Antrieb das Kind dazu veranlassen könne, sein Verhalten zu ändern; dasselbe gilt für Belohnungen.

Ein Beispiel: Es ist Zeit für den Kindergarten, aber das Kind will partout seine Schuhe nicht anziehen. Sinnvoll sei hier weder ein Klaps auf den Hintern (Strafe), noch die Aussicht auf ein Schoggistängeli (Belohnung). Auch die Ankündigung, dass es am Nachmittag dann keinen Trickfilm gebe, wenn das Kind nun nicht ruckzuck in seine Ballerinas schlüpfe (Drohung), nützt nichts. Das Wesentliche, so ist Schad überzeugt, lerne das Kind, wenn du ihm die Wahl zwischen verschiedenen Verhaltensweisen überlässt – und ihm auch die Folgen seiner Entscheidung zumutest.

Das heisst: Wenn ich es meinem Kind freistelle, das Haus mit oder ohne Schuhe zu verlassen, muss ich es auch tatsächlich ein paar Schritte barfuss auf dem kalten Asphalt gehen lassen. Es ist verständlich, dass du als Mutter oder Vater vielleicht Mitleid verspürst oder sogar ein schlechtes Gewissen hast. Doch bedeutet seinem Kind Konsequenzen zuzumuten nicht auch, ihm diese zuzutrauen? Wachsen Kindern nicht an Herausforderungen und der Überwindung von Hindernissen?

Konsequente Erziehung heisst auch: Eltern lassen ihr Kind nur aus Verhaltensweisen auswählen, die sie auch tatsächlich zuzulassen bereit sind – und akzeptieren dessen Entscheidung, selbst wenn sie nicht so ausfällt wie erhofft. Sätze wie «Entweder machst du deine Hausaufgaben, oder ich verschenke deine Legoburg ans Nachbarmädchen» sind als Wahlmöglichkeit getarnte Drohungen. Sie bringen wenig, vor allem aber keine Erfahrung, an der das Kind wachsen könnte. Lenkt es vielleicht beim ersten Mal noch aus Angst um seine Ritterburg ein, entlarvt es den Satz vermutlich bald als leere Ankündigung, will doch auch die Mutter nicht teure Weihnachtsgeschenke einfach weitergeben.

Böser Papi, liebes Mami?

In einer Zeit, in denen sich manches Bücherregal vor lauter Erziehungsratgebern schon bedrohlich beugt, ist es für Eltern schwer genug, den richtigen Weg für die eigene Familie zu finden. Wenn Mütter und Väter einander zu Hause zudem die Autorität untergraben, wird’s erst recht kompliziert. Der Konflikt ist typischerweise, aber nicht zwingend: Frauen empfinden ihre Partner als zu strenge, aggressive und harte Väter – und Männer ihre Partnerinnen als zu nachgiebige, geduldige und inkonsequente Mütter. Solche Situationen sorgen nicht nur für mehr Konflikte in der Familie. Sie sind auch ein Nährboden für problematische Bündnisse zwischen jeweils einem Elternteil und Kind.

Der Grund ist nicht, dass Kinder nicht mit verschiedenen Erziehungsstilen umgehen könnten – das können sie sehr wohl. Die Bedingung ist allerdings, dass sich die Eltern gegenseitig in ihren Unterschieden akzeptieren oder diese zumindest tolerieren, wie Schad in seinem Ratgeber festhält. Wie Kooperation im Elternalltag aussehen kann, fasst er mit folgenden Regeln zusammen:

  • Wer zuerst auf das Kind reagiert, hat Recht. Natürlich trifft man in den hektischeren Momenten des Familienlebens nicht immer die beste aller Entscheidungen. Doch besser als ein erneuter Schwall gegenseitiger Kritik oder eine weitere Diskussion darüber, wer bei Erziehungsfragen im Recht ist, ist sie in der Regel allemal.

  • Wer für das Kind gerade zuständig ist, hat Recht. Also, keine laminierte To-Do-Liste fürs Zubettbringen des Kindes für den anderen Elternteil.

  • Der andere Elternteil wird in seiner Entscheidung gestützt. Sagt Papa, dass es kein Glace mehr gibt, dann lässt auch Mama die Kleinen nicht an den Eisschrank – auch wenn sie selbst nichts dagegen hätte, dass diese nochmals etwas Süsses kriegen.

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Journalistin und Mutter von zwei Söhnen, beides furchtbar gerne. Mit Mann und Kindern 2014 von Zürich nach Lissabon gezogen. Schreibt ihre Texte im Café und findet auch sonst, dass es das Leben ziemlich gut mit ihr meint.
uemityoker.wordpress.com

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