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Gift in Babymilch: Jetzt ruft auch Danone Produkte zurück

Immer mehr Unternehmen melden, dass in ihren Produkten möglicherweise ein Bakteriengift steckt. Nestlé war mit Beba der Anfang, Hochdorf folgte, jetzt ruft Danone unter anderem Aptamil-Babymilch zurück. Auch bei Galaxus verkaufte Chargen sind betroffen.

Es ist der GAU für Lebensmittelkonzerne, wenn ausgerechnet in Produkten für Babys Schadstoffe und Gifte gefunden werden. Seit einigen Wochen werden reihenweise Babymilch-Erzeugnisse zurückgerufen. Der Grund: Sie können das Bakteriengift Cereulid enthalten. Es kann Durchfall und Erbrechen auslösen.

Der neueste Rückruf kommt von Danone. In den letzten Tagen gab es bereits in mehreren Ländern Europas Rückrufe. Die Schweiz, so hiess es, sei allerdings nicht betroffen, hier müssten keine Produkte zurückgerufen werden. Das galt nur bis Donnerstag. Danone informiert auf ihrer Website neu wie folgt:

In Abstimmung mit den Schweizer Behörden ruft Danone bestimmte Produktionschargen von Aptamil in der Schweiz zurück – vor dem Hintergrund der aktualisierten Empfehlungen zum Cereulid-Schwellenwert.

Danone bezieht sich also auf angepasste Empfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Diese wurden am 2. Februar (Montag) veröffentlicht. Die Behörde hat auf Bitten der Europäischen Kommission eine Risikobewertung durchgeführt und eine konkrete «akute Referenzdosis» bestimmt. Dabei handelt es sich nicht um die bereits länger geltenden Grenzwerte, sondern um angepasste Werte für sehr junge Säuglinge bis zu einem Alter von 16 Wochen. Die ESFA wählte hier nur noch etwa halb so hohe Werte, weil diese Gruppe «Stoffe anders verstoffwechselt als Erwachsene».

Was tut Galaxus?

Auch bei Galaxus wurden Produkte aus den betroffenen Chargen verkauft. Käuferinnen und Käufer werden in solchen Fällen direkt von uns per E-Mail informiert. Die Hersteller stellen uns die Chargennummer der vom Rückruf betroffenen Produkte zur Verfügung. Diese Daten werden dann abgeglichen mit den Verkäufen, und schliesslich werden die E-Mails verschickt.

Nestlé informierte zum Beispiel Anfang Januar über den Rückruf bei Beba, die Kundinnen und Kunden wurden informiert, sie erhielten auch das bezahlte Geld zurück. Gleiches galt für diejenigen, die betroffene Bimbosan-Produkte von Hochdorf gekauft hatten.

Beim aktuellen Fall Aptamil von Danone ist die Information gerade auf dem Weg oder bereits verschickt – je nachdem, wann du diesen Beitrag liest.

Grundsätzlich laufen Rückrufe grösseren Ausmasses auch immer über die Medien. So soll sichergestellt werden, dass die nötige Information so schnell wie möglich bei allen Käuferinnen und Käufern ankommt. Eine Liste mit allen betroffenen Produkten in der Schweiz gibt es hier.

Ein Problem globalen Ausmasses

Die gleichzeitigen Rückrufe von Konzernen wie Nestlé und Danone sowie auch von weiteren kleineren Herstellern lässt sich vermutlich auf Probleme bei gemeinsamen Zulieferern zurückführen.

So könnte sich das Bakteriengift Cereulid gebildet haben, weil Hersteller ihren Produkten ein bestimmtes Öl hinzufügen. Dieses enthält eine bestimmte Omega-6-Fettsäure, die auch in der Muttermilch natürlich vorkommt. Zur genauen Ursache gibt es bislang jedoch hauptsächlich Vermutungen und Spekulationen.

Widerstandsfähiges Bakterium

Klar ist lediglich, dass Bacillus cereus ein ziemlich zäher Bursche eines Bakteriums ist. Wie die Wissenschaftsredaktion des SRF recherchiert hat, bildet das Bakterium im Überlebensmodus «Sporen», die sogar kochendes Wasser überstehen. Entsprechend überlebt auch das vom Bacillus produzierte Toxin Cereulid.

Beliebter Lebensraum für Bacillus cereus ist gekochter Reis, besonders dann, wenn du ihn mehrere Tage lang ungekühlt stehen lässt. Sporen von Bacillus cereus können dann wieder zu lebendigen Bakterien werden. Sie futtern die Stärke des Reises und vermehren sich rasch. Und dabei bilden sie die typischen Cereulid-Toxine, die für Erbrechen und Durchfall sorgen.

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Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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