Foto-Kurztipp: Abstrakte Fotografie als Sehtraining

Foto-Kurztipp: Abstrakte Fotografie als Sehtraining

David Lee
Zürich, am 04.03.2019
Der Blick für einen guten Bildaufbau ist kein Mysterium, das nur Genies besitzen. Er stellt sich praktisch von selbst ein, wenn du dich zur Abwechslung mal nur auf die Form und nicht auf den Inhalt konzentrierst.

Es ist ein sehr simpler Trick, aber er funktioniert. Spazier durch die Gegend und betrachte die Welt, als ob sie abstrakte Kunst wäre. Das heisst, du interessierst dich kein bisschen dafür, was du da abbildest, sondern ausschliesslich dafür, welche Linien, Muster und geometrische Formen vor dir auftauchen.

Betrachte die Welt als abstrakte Sammlung von Farben und Formen.
Betrachte die Welt als abstrakte Sammlung von Farben und Formen.

Versuch, möglichst abstrakte Fotos zu erschaffen. Das ist auch dann hilfreich, wenn du gar nicht vor hast, abstrakte Fotografie zu betreiben. Denn es schult deinen Blick. Wenn du interessante Bilder machen willst, brauchst du ein Auge für Muster, Linien und Konturen. Unsere Fixierung auf Motive verstellt normalerweise den Blick auf das Formale. Durch diese Übung wird es dir am Ende gelingen, klar erkennbare Motive zu zeigen, aber in einer interessanten Form.

Diagonalen sind besonders reizvoll.
Diagonalen sind besonders reizvoll.

Manche Situationen brauchen zuerst ein wenig Überwindung: Du kommst dir vielleicht doof vor, inmitten aller Leute mit vollster Konzentration und Ernsthaftigkeit einen Fleck auf der Strasse zu fotografieren. Das geht aber schnell vorbei. Beim Ausprobieren ist wichtig, dass dir nichts zu blöd ist.

Dir sollte nichts zu blöd zum Fotografieren sein.
Dir sollte nichts zu blöd zum Fotografieren sein.

Nach kurzer Zeit werden dir viele Muster und geometrische Formen auffallen, an denen du normalerweise achtlos vorübergegangen wärst.

Klare Formen gibt es überall. Lern sie zu erkennen.
Klare Formen gibt es überall. Lern sie zu erkennen.

Equipment und Einstellungen

Abstrakte Fotografie erfordert kein spezielles Equipment. Auch ein Smartphone geht. Eine grosse Kamera hat den Vorteil, dass du besser mit der Tiefenschärfe spielen kannst. Benutze dazu den A-Modus und ein möglichst lichtstarkes Objektiv.

Am einfachsten erreichst du Abstraktion, indem du einen sehr kleinen Bildausschnitt wählst. Bei einem Phone oder einem Makro-Objektiv gehst du einfach sehr nahe heran. Ansonsten erfüllen auch Tele-Objektive den Zweck. Weder die Makrofähigkeit noch der Tele-Effekt müssen besonders ausgeprägt sein. Ein Standard-50mm-Objektiv mit einigermassen kurzer Naheinstellgrenze geht auch.

Stell die Kamera immer mal wieder auf den Boden und betrachte das Bild durch das grosse Display statt durch den Sucher. Da hilft natürlich ein beweglicher LCD.

Kamera ganz auf den Boden gestellt ergibt einen ungewohnten Blickwinkel.
Kamera ganz auf den Boden gestellt ergibt einen ungewohnten Blickwinkel.

26 Personen gefällt dieser Artikel


David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren