Siri Schubert
Produkttest

Dryll: Dieses Sportgetränk verwirrt mich

Der Ex-Fussballprofi und Ultra-Läufer André Schürrle hat ein Sportgetränk namens Dryll gelauncht. Mit hohem Salzgehalt und interessantem Geschmack.Trotzdem führt der Drink bei mir zu Stirnrunzeln.

Ein Sportgetränk, das nicht übermässig süss ist? Die Geschmacksrichtungen «Salty Cherry», «Salty Peach» und «Salty Watermelon» klingen verheissungsvoll. Denn von den üblichen sirup-ähnlichen Sportgetränken habe ich längst genug.

Elektrolyte in Dosen

Zum Testen habe ich vier Dosen Dryll in den oben genannten Geschmacksrichtungen vom Importeur bekommen. Salty Peach ist gleich zweimal dabei. «Performance Hydration» steht auf der Dose, was sich lose mit «leistungsorientierter Flüssigkeitszufuhr» übersetzen lässt. Auf Englisch klingt’s natürlich cooler, auch wenn Dryll ein deutsches Unternehmen ist.

Produktbild Dryll Salty Peach Electrolyte Drink (Pfirsich, 12x)
Sportgetränk
CHF35.90 CHF9.07/1l

Dryll Salty Peach Electrolyte Drink

Pfirsich, 12x

Produktbild Dryll Salty Cherry Electrolyte Drink (Kirsche, 12x)
Sportgetränk
CHF35.90 CHF9.07/1l

Dryll Salty Cherry Electrolyte Drink

Kirsche, 12x

Produktbild Dryll Salty Watermelon Electrolyte Drink (Wassermelone, 12x)
Sportgetränk
CHF35.90 CHF9.07/1l

Dryll Salty Watermelon Electrolyte Drink

Wassermelone, 12x

Dryll Salty Peach Electrolyte Drink (Pfirsich, 12x)
CHF35.90 CHF9.07/1l

Dryll Salty Peach Electrolyte Drink

Pfirsich, 12x

Dryll Salty Cherry Electrolyte Drink (Kirsche, 12x)
CHF35.90 CHF9.07/1l

Dryll Salty Cherry Electrolyte Drink

Kirsche, 12x

Dryll Salty Watermelon Electrolyte Drink (Wassermelone, 12x)
CHF35.90 CHF9.07/1l

Dryll Salty Watermelon Electrolyte Drink

Wassermelone, 12x

Eine 330-Milliliter-Dose enthält laut Herstellerangaben 500 Milligramm Natrium, 300 Milligramm Kalium und 60 Gramm Magnesium. Vor allem der Natriumgehalt sticht hervor und soll genau das sein, was Dryll von anderen Getränken unterscheidet. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf den Inhaltsstoff.

Sportgetränke sollen gemäss gängigen Empfehlungen 400 bis 800 Milligramm Natrium pro Liter Flüssigkeit beinhalten. Dryll hat 1500 und damit doppelt bis dreimal so viel.

Natrium kommt in Getränken und Nahrungsmitteln meist als Natriumchlorid vor, sprich: als Salz. Mit vier Dosen Dryll hättest du deinen gesamten täglichen Salzbedarf gedeckt – vorausgesetzt, du nimmst nichts anderes zu dir. Kein Brot, keinen Käse, keine Wurst, keine Oliven und auch sonst nichts, was nur eine Prise Salz enthält.

Viel Salz – ist das gut?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, maximal fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag zu sich zu nehmen. In der Schweiz und in Deutschland liegen die Werte deutlich darüber: Erwachsene in der Schweiz nehmen gemäss der Schweizer Salzstudie 2022/23 durchschnittlich täglich 8,7 Gramm Salz zu sich. Damit liegen sie rund 75 Prozent über den empfohlenen Höchstwerten. Auch in Deutschland liegt der Salzkonsum nach Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei 70 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer über dem Maximum der WHO.

Anders sieht es bei Sportlerinnen und Sportlern aus: Beim Schwitzen verlieren sie Natrium und andere Elektrolyte. Sinkt der Natriumspiegel zu stark, kann es zu Leistungsabfall bis hin zu schweren Beeinträchtigungen kommen. Der Wasserhaushalt wird durch den Natriummangel gestört und das Blutvolumen sinkt. Wer bei langen Belastungen Wasser ohne Elektrolyte trinkt, riskiert eine Hyponatriämie, auch als Wasservergiftung bekannt. Sie kann zur Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod führen.

Allerdings kommt das sehr selten vor und ist meist eher die Konsequenz von zu viel Wasser als von zu wenig Salz. Nur bei Belastungen von mehr als zwei Stunden und bei starkem Schwitzen (1,2 Liter pro Stunde) werden salzhaltige Sportgetränke empfohlen.

Salz hat ausserdem in der Bodybuilder- und Fitness-Szene in letzter Zeit den Ruf eines leistungssteigernden Mittels erworben, weil es das Muskelwachstum fördern und die Insulinreaktion positiv beeinflussen soll. Die Forschung unterstützt diesen Ansatz allerdings derzeit nicht.

Elektrolytgetränke können im Darm besonders gut aufgenommen werden, wenn die Natriumkonzentration zwischen 500 und 700 Gramm pro Liter beträgt, also etwa ein Drittel dessen, was Dryll bietet. Die Flüssigkeitsaufnahme soll durch einen Kohlenhydratanteil von vier bis acht Prozent verbessert werden. Dryll enthält keine Kohlenhydrate. Die Süsse wird durch das Süssungsmittel Stevia erzeugt.

Dieses Getränk verwirrt mich

Eine Dose Dryll habe ich bereits gesüffelt. Salty Peach. Und ich muss zugeben: Die Kombi aus süss, sauer und ein bisschen salzig schmeckt mir. Das Getränk hat etwas Frisches, Aufregendes und stimuliert meine Geschmacksnerven auf unerwartete Weise.

Da es in einer Dose daherkommt und Kohlensäure enthält, fällt es für mich in die Kategorie «Alltagsgetränk». Dafür ist mir der Salzgehalt aber definitiv zu hoch. Das ist nicht nur mein persönlicher Geschmack: Studien haben gezeigt, dass eine zusätzliche Salzaufnahme ausserhalb des Trainings für Athletinnen und Athleten keinen Vorteil bringt.

Also fülle ich das Getränk in eine Flask um und nehme es auf einen 10-Kilometer-Lauf mit. Kohlensäure vertrage ich beim Laufen schlecht. Also schüttele ich die Gummiflasche und lasse die Bläschen entweichen. Auf der Dose steht, dass Dryll eiskalt am besten schmeckt. In der Laufweste wird das Getränk unweigerlich warm. Der Geschmack leidet, ist aber immer noch besser als der vieler anderer Sportgetränke.

Statt in der Dose nehme ich das Getränk in einer Flask mit.
Statt in der Dose nehme ich das Getränk in einer Flask mit.

Tatsächlich leere ich die 330 Milliliter während der zehn Kilometer. Das ist mehr, als ich sonst trinke. Ich vermute, dass der Geschmack zum Weitertrinken motiviert und das Salz meinen Durst anregt. Ansonsten kann ich keinen Effekt feststellen. Das im Drink ebenfalls enthaltene Magnesium und Kalium verändern meine Leistung nicht.

Ob ich für eine so kurze Strecke tatsächlich so viele Elektrolyte brauche, weiss ich nicht. Dafür wäre ein Schweisstest nötig, wie du ihn bei einer Leistungsanalyse machen kannst. Oder mit einem Gerät, das den Salzgehalt deines Schweisses fortlaufend misst. Diese Geräte enthalten Sensoren, die den Mineralgehalt und die empfohlene Elektrolytmenge direkt und in Echtzeit an dein Smartphone oder deine Sportuhr senden. Davon wird es künftig mehr geben. Ein paar Prototypen konnte ich auf den jüngsten Sportmessen bereits in Augenschein nehmen.

Der nächste Versuch

Aus Erfahrung weiss ich, dass ich keinen besonders salzhaltigen Schweiss habe. Selbst bei langen, heissen Rennen finden sich fast keine Salzränder auf meiner Sportkleidung. Und als ich auf einem Trail im Sommer eine Salztablette geschluckt habe, beschwerte sich prompt mein Magen.

Als Sportgetränk ist Dryll deshalb für mich nicht besonders gut geeignet. Zumal es keine Kohlenhydrate enthält, die einen Energieschub liefern und die Aufnahme von Flüssigkeit begünstigen. Stattdessen ist Dryll mit Stevia gesüsst. Allerdings gibt es Dryll auch als Pulver und dann ohne Kohlensäure. Sobald wir es im Sortiment haben, ist es sicher einen Test wert.

Am Wochenende war mal wieder ein längerer Lauf angesagt: 27 Kilometer mit 550 Höhenmetern. Dryll hatte ich nicht dabei. Doch kaum zu Hause angekommen, schnappte ich mir eine Dose aus dem Kühlschrank, um Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Hier kam mir der Salzgehalt und der frische Geschmack gelegen. Allerdings esse ich nach langen Anstrengungen gerne eine normale Mahlzeit, die meinen Elektrolythaushalt ohnehin ausgleicht.

Fazit

Interessanter Geschmack, unklare Anwendung

Dryll verursacht bei mir Stirnrunzeln. Mir ist einfach nicht klar, wofür dieses Getränk gemacht ist. In einem Interview mit Sports Illustrated hat Dryll-Gründer André Schürrle bekräftigt, dass das Getränk gleichermassen für Sportlerinnen und Sportler sowie für Menschen geeignet sei, die lange im Büro sässen. Und genau hier steige ich aus. Der Salzbedarf ist ohnehin individuell verschieden. Und variiert zwischen sportlich Aktiven und Menschen mit sitzender Tätigkeit in klimatisierten Räumen erheblich. Dass ein Getränk für alle geeignet sein soll, ist für mich wenig überzeugend. Bei langen Anstrengungen und stark salzhaltigem Schwitzen kann es theoretisch Salztabletten ersetzen, doch mit Kohlensäure und ohne Kohlenhydrate ist es als Sportgetränk nicht ideal.

Pro

  • interessanter Geschmack
  • hoher Anteil an Elektrolyten

Contra

  • eher Lifestyle- als Sportgetränk
  • Kohlensäure ungeeignet für viele Ausdauersportarten
  • zu hoher Salzgehalt für den täglichen Gebrauch
  • keine Kohlenhydrate zur besseren Flüssigkeitsaufnahme
Produktbild Dryll Salty Peach Electrolyte Drink (Pfirsich, 12x)
Sportgetränk
CHF35.90 CHF9.07/1l

Dryll Salty Peach Electrolyte Drink

Pfirsich, 12x

Titelbild: Siri Schubert

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Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.


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