DIY: Wie du Kerzen aus Wachsresten machst
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DIY: Wie du Kerzen aus Wachsresten machst

Pia Seidel
Zürich, am 24.03.2021
Kerzenreste zu recyceln, liegt gerade im Trend. Ob das so einfach geht? Ich teste es aus.

Wachsreste sind kein Fall für den Abfall. Auf Tiktok und Co. kursieren derzeit zahlreiche Anleitungen, wie du neue Kerzen daraus machen kannst. Jedoch sind darunter selten solche, die dich vor Fehlern bewahren. Das ändere ich.

Vor einiger Zeit habe ich herkömmlichen Kerzen lediglich einen Twist verliehen, um sie zu verschönern.

*Kerzen mit Twist** zum Selbermachen
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Kerzen mit Twist zum Selbermachen

Jetzt möchte ich meinen eigenen Twist finden und eine Kerze von Grund auf selber machen. Einerseits fasse ich zusammen, wie ich aus Wachsresten zwei verschiedene Muster gemacht habe. Andererseits gebe ich dir mit, was dabei alles schief gelaufen ist. So mache ich meinem Ärger Luft und erspare dir Zeit.

Dafür brauchst du:

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  • Wachsreste und Kerzenstumpen
  • Docht (gewachst) oder Garn (100% Baumwolle) in beliebigen Farben
  • Silikonformen für lose Kerzen
  • Topf (oder Mikrowelle)
  • Zahnstocher, Holzstäbe oder Wäscheklammern
  • Aludose
  • Nadel (optional)
  • Zeitungspapier oder Ähnliches als Unterlage

    Passende Formen wählen

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Um eine lose Kerze zu machen, die hinterher in keine Form gegossen wird, zweckentfremde ich Eiswürfelbehälter und eine Backform. Alle der Gussformen sind aus Silikon. Du kannst alternativ auch eine Joghurtverpackung, WC-Kartonrolle oder ein ausgeblasenes Ei nehmen. Hauptsache, die Kerze lässt sich später mühelos aus der Hülle herausnehmen.

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Ausserdem nehme ich bereits gewachste Dochte. Diese kannst du auch selber machen, indem du Wachs erhitzt und den Docht kurz darin eintauchst. Egal für welche Variante du dich entscheidest, achte auf die richtige Länge. Der Docht sollte deine Gussform um mindestens einen Zentimeter überragen. Dadurch kannst du die Kerze später gut anzünden.

Richtig fixieren

Bevor du anfängst, solltest du deine Unterlage zum Schutz vor Wachstropfen auslegen und testen, wie du den Docht in deiner Form fixieren kannst. Bei der Eiswürfelform greife ich zu Tape.

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Auf meiner halbkugelförmigen Backform hält weder Maler- noch Klebeband. Hier klemme ich mithilfe von Holzstäben und einem Zahnstocher den Docht ein. Ein DIY-Docht besitzt in der Regel keinen kreisrunden Metallboden. Er lässt sich stabilisieren, indem du den Dochtanfang an einem der Holzstäbe befestigst.

Mit solchen Silikonformen hast du zwei Möglichkeiten, den Docht zu arrangieren. Bei einigen Formen mache ich mit einer Nadel ein kleines Loch in die Mitte, damit ich den Dochtanfang durchziehen und die Kerze später umgekehrt nutzen kann. Das macht die Silikonform zwar kaputt, aber du kannst danach immer noch Eiswürfel damit machen. Es gibt sogar Eiswürfelformen wie diesen, die von Anfang an Löcher besitzen.

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Im Anschluss zerkleinere ich die Wachsstücke. Auf diese Weise schmelzen sie schneller im Wasserbad. Für dieses wird meistens eine Schale oder Aludose empfohlen.

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Beides war für mich suboptimal: Die Schale ist beim Giessen zu breit, um präzise arbeiten zu können. Und die Dose ist zu leicht, um im Wasser von alleine stehen zu können. Wenn du sie nicht fixierst, steigt sie nach oben, dreht sich und die Wachskrümel landen im Topf. Um das zu verhindern, stelle ich zum Beschweren ein Glas in die Aludose. Anschliessend erhitze ich das Wasser mittlerer Stufe.

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Warum ich nicht von Anfang an ein Glas nehme? Weil doch immer etwas Wachs in der Dose oder dem Glas zurückbleibt. Das Wegkratzen von den Wachsresten kann Spuren hinterlassen. Deshalb zerkratze ich lieber die Aludose, die ich danach einfach recyceln kann.

Sollte dir dennoch flüssiges Wachs ins Wasser geraten, weil dir wie mir im Ofenhandschuh die Dose beim Anheben entgleitet, nimm diese erst einmal heraus. Stell anschliessend den Topf weg von der Herdplatte. Das Wachs wird sich beim Abkühlen wie ein Pfannkuchen auf der Wasseroberfläche ansammeln, sodass du es später einfach wiederverwerten und erneut in die Aludose geben kannst.

«Cracks»

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Viele Wachsreste sind zu klein, um daraus eine komplett neue Kerze zu machen. Ich verwende sie deshalb als Ersatz für «Cracker», die später Risse und ein Muster bilden, und gebe diese in meine Form.

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Im Anschluss giesse ich flüssiges Wachs ein und schwenke die Silikonform ein wenig hin und her. So stelle ich sicher, dass sich die Lücken zwischen den Crackern mit Wachs füllen. Andernfalls kommt es zu Hohlräumen wie bei der rechten Kerze im Bild.

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Du kannst auch zuerst das flüssige Wachs einfüllen und dann die Cracker beigeben. Dabei musst du schnell sein und das Klebeband oder die Holzstäbe so arrangieren, dass eine ausreichend grosse Lücke bleibt.

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Ob vorher oder nachher – wähle für dieses Muster möglichst konträre Farben. Je transparenter der Grundton, desto schöner kommen die farbigen Risse später zur Geltung.

Color-Blocking

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Wachsreste sind wie gemacht für zweifarbige Kerzen, da du selten genug für eine ganze Kerze in einem Farbton übrig hast. Auch hier erhitze ich zuerst die eine Farbe und giesse diese in die Form. Dann warte ich, bis sie hart wird. Das geht länger, als ich am Anfang dachte. Bei den ersten Versuchen war ich zu früh dran. Mit dem Ergebnis, dass das «Blocking» ausblieb und die Farben weich ineinander verliefen, weil das Wachs bei der zweiten Schicht wieder schmilzt. Das ist auch hübsch, aber weniger steuerbar. Lass lieber eine gute Stunde vergehen, bis du die zweite Farbe ergänzt. Um dann sicherzugehen, kannst du mit einem Zahnstocher vorsichtig einstechen.

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Bei den darauffolgenden Versuchen gelingt mir das Muster besser. Wenn du eine hohe Form hast, kannst du wie bei einem Regenbogen auch weitere Farben ergänzen. Wie beim Rissmuster gilt auch hier: Gegensätze ziehen sich an. Setze vorwiegend auf unterschiedliche Farbtöne.

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Gleichmässig giessen

Unabhängig davon, für welche Form oder welches Muster du dich entscheidest, kann sich nach dem Trocknen eine Mulde im Wachs bilden. In einigen Tutorials steht, dass du diese durch erneutes Befüllen wieder ausbessern kannst. Also hab ich’s getestet. Mir gelingt auch nach mehreren Versuchen noch kein nahtloser Übergang. Die ergänzte Schicht ist jeweils sichtbar. Das ist nicht weiter schlimm, wenn es sich um den Boden handelt.

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Solltest du die Kerze aber umgekehrt nutzen wollen wie bei dieser Schwimmkerze, würde ich lieber die Mulde als eine «gebastelte» Schicht auf der Oberfläche hinnehmen. Sieht einfach schöner aus. Wenn du immer noch unzufrieden bist, kannst du das Wachs jederzeit erneut erhitzen und deinem Design eine neue Wendung geben. Etwas Besseres als Abfall entsteht dabei in jedem Fall. Vor allem heben die vielen Farben die Kerzen vom Einheitsbrei ab. Das gefällt mir besonders gut.

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Worauf achtest du noch beim Selbermachen von Kerzen? Hinterlass deinen Tipp in den Kommentaren.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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