Dieses Audio-Interface ist gut – und muss weg
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Dieses Audio-Interface ist gut – und muss weg

David Lee
Zürich, am 21.01.2022

Das ist kein Witz. Es handelt sich tatsächlich um ein gutes Gerät. Und es hat ausgedient. Ein Beispiel, warum wir so oft Geräte wegwerfen müssen, die eigentlich noch gut genug wären.

Das Alesis iO14 ist ein gutes Gerät. Es ist ein Audio-Interface. Ein digitales sogar. Und es funktioniert.

So was Ähnliches habe ich beim sehr guten Monitor Asus VH228 auch schon geschrieben. Dieses Mal meine ich es aber ernst. Der Asus-Monitor ist ehrlich gesagt ziemlich fürchterlich, wenn du dich mal an heutige Standards gewöhnt hast. Ich habe ihn im nächsten Elektronikgeschäft zur Entsorgung abgegeben – Friede seiner Asche und seinen Seltenen Erden.

Zurück zum Alesis iO14. Mit einem Audio-Interface wie dem Alesis iO14 kannst du Mikrofone, E-Gitarren oder andere Tonquellen einstecken und am Computer den Sound aufzeichnen – in wesentlich besserer Qualität und vor allem ohne hörbare Verzögerung.

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Ich besitze dieses Gerät schon sehr lange. Es kam 2007 auf den Markt. Wahrscheinlich nimmst du an, dass es heutigen Ansprüchen schon lange nicht mehr genügt. Doch das Teil kann mit einer Abtastrate von bis zu 192 kHz aufnehmen und hat so ziemlich alles, was heutige Hobby-Interfaces auch haben. Ich sehe von der Aufnahmequalität und den Funktionen her keinen Grund, es zu ersetzen.

Ich habe es aber soeben durch ein Gerät ersetzt, das nur zwei Input-Kanäle hat statt vier wie das Alesis iO14.

Nicht mehr zu gebrauchen

Das Alesis iO14 ist mit einem heutigen Rechner kaum noch brauchbar, und zwar aus zwei Gründen. Das erste Hindernis: Die Treiber sind veraltet. Die neuste Version für Windows stammt aus dem Jahr 2010, der für Mac von 2012. Die Treiber sind für Windows 7, respektive Mac OS 10.8 geschrieben. Zwar habe ich es irgendwie hingekriegt, auch unsignierte Treiber unter Windows 8 und Windows 10 laufen zu lassen. Du musst aber mit Problemen rechnen, wenn du dermassen alte Treiber einsetzt. Auf einem aktuellen Mac-System mit M1-Chip: Keine Chance.

Das zweite Hindernis: Dieses Interface wird nicht über USB angeschlossen wie heute üblich, sondern über FireWire. Schon lange hat kein Computer mehr einen FireWire-Anschluss. Der war nur bei Macs überhaupt serienmässig drin, und auch das ist viele Jahre her.

Oben: Motu M2 mit USB-C. Unten: Alesis iO14 mit FireWire
Oben: Motu M2 mit USB-C. Unten: Alesis iO14 mit FireWire

FireWire lässt sich nicht mit einem Adapter in USB überführen. Die beiden Schnittstellen sind inkompatibel. An meinem letzten Desktop-PC habe ich extra für dieses Gerät noch eine FireWire-Karte eingebaut. Jetzt habe ich keinen Tower-PC mehr, und sowieso wird mir das langsam zu blöd.

Apropos zu blöd: Für Thunderbolt gäbe es einen Adapter. Ich kauf mir aber keinen teuren Adapter, wenn die Gerätetreiber nur auf einem alten System funktionieren, das ich nicht habe. Mal abgesehen davon, dass Adapter sowieso des Teufels sind.

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    1 von 346277 Adaptern, die ich später vielleicht mal noch brauche

Das Motu M2 hat eine höhere Lebenserwartung

Den Entscheid erleichtert hat mir der Umstand, dass brauchbare Interfaces für Hobby-Musiker heute deutlich günstiger sind. Erfreulich: Mit meinem neuen Audio-Interface wird es solche Probleme nicht mehr geben. USB gibt es nun über 20 Jahre und es ist kein Ende in Sicht. Das ist ein Standard, der nicht einfach wieder verschwinden wird. Und was die Treiber betrifft: Das Motu M2 läuft wie die meisten heutigen Interfaces auch mit den Standard-Treibern des Betriebssystems. Damit ist es nicht ganz so schnell wie mit den herstellereigenen Spezialtreibern, aber schnell genug für eine Aufnahme mit korrektem Timing.

Ruhe in Frieden, Alesis iO14. Auch wenn 15 Jahre ein stolzes Alter ist, tut es mir doch ein bisschen weh. Schade um ein Gerät, das nicht kaputt ist und das ein so cooles Design hat.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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