Das brauchst du, um Analog-Audio zu digitalisieren

Das brauchst du, um Analog-Audio zu digitalisieren

David Lee
Zürich, am 03.11.2021

Wie kommt Musik vom Plattenspieler auf den Computer? Der meist sinnvollste Weg führt über ein Audio-Interface. Das gibt es heutzutage auch für wenig Geld.

Auch im Streaming-Zeitalter gibt es noch gute Gründe, Schallplatten, Kassetten oder Spulentonbänder zu digitalisieren. Von älteren Alben sind erstaunlich viele auf Spotify & Co. nicht vorhanden. Und die selbstgemachten Aufnahmen auf Kassette sind sowieso einzigartig – und oft auch mit schönen Erinnerungen verbunden.

In diesem Beitrag findest du eine Einstiegshilfe: Welche Möglichkeiten es gibt und welche Irrwege, sprich: Was nicht funktioniert.

Digitalisierung im Abspielgerät

Die bequemste Art der Digitalisierung: Ein Abspielgerät nutzen, das einen digitalen Ausgang in Form eines USB-Anschlusses hat. Der wird direkt mit dem PC verbunden. Teilweise wird sogar eine Aufnahme-Software mitgeliefert. Und falls nicht, gibt es das kostenlose Audacity. Wenn du ein solches Gerät hast, bist du also fein raus: Du hast eine pfannenfertige Lösung zur Digitalisierung.

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Doch extra ein solches Gerät fürs Digitalisieren zu kaufen, empfehle ich nur bei sehr intensiver Nutzung. Ein Gerät, das eine hochwertige Digitalisierung liefert, ist nicht günstig. Mit Billigprodukten wie diesem Kassetten-Digitalisierer tust du dir keinen Gefallen, wie schon dessen Bewertungen vermuten lassen.

Wenn du zuhause noch einen hochwertigen und gut erhaltenen Player aus alten Zeiten hast, kannst du auch den nutzen. In diesem Fall musst du allerdings ein paar Dinge beachten, damit das wirklich klappt.

Wenn dein Gerät jahrelang nicht benutzt wurde, prüfst du zuerst, ob es noch richtig tut. Bei Kassettengeräten ist wahrscheinlich eine Reinigung fällig. Darauf gehe ich hier aber nicht weiter ein.

Einfach ein Verbindungskabel kaufen? Leider nein.

Zurück zur Digitalisierung. Es gibt Kabel, die auf der einen Seite einen USB-Stecker haben und auf der anderen Seite einen analogen Cinch-Stecker. Oder eine 3,5-mm-Klinke. Da denkst du vielleicht: Prima, eine super simple Lösung, die erst noch günstig ist.

USB C – Cinch-Stecker (1.50 m)
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Doch so einfach ist es leider nicht. Denn Kabel mit einem analogen und einem digitalen Anschluss funktionieren anders als rein analoge Kabel. Die Übertragung klappt meistens nur in eine Richtung, und zwar von digital zu analog. Für die Digitalisierung brauchst du jedoch das Umgekehrte: von analog zu digital.

Beim oben gezeigten Kabel ist das mit Sicherheit so. Ich weiss es, weil ich es selbst getestet habe – und auch, weil schon die Verpackung klar signalisiert, in welche Richtung das Audio-Signal fliessen muss: Von USB zu Cinch – nicht umgekehrt. Leider ist die Verpackung vor der Bestellung nicht zu sehen.

Die Verpackung macht deutlich, dass die Übertragung nur in eine Richtung funktioniert – in die falsche.
Die Verpackung macht deutlich, dass die Übertragung nur in eine Richtung funktioniert – in die falsche.

Der technische Hintergrund, warum das so ist: Ein Kabel, das digitalisieren kann, müsste einen A/D-Wandler eingebaut haben. Also einen Digitalisierungs-Chip. Bei der umgekehrten Richtung, von digital zu analog, wird entweder das Audio-Signal bereits bei USB analog ausgegeben, oder dann braucht es einen D/A-Wandler, auch DAC genannt. Also eine andere Sorte von Chip.

Die Richtung von digital zu analog wird viel häufiger gebraucht. Zum Beispiel, wenn du einen Kopfhörer an ein Smartphone anschliessen willst, das keine Klinke mehr hat. Oder wenn du das Smartphone an eine ältere Stereoanlage anschliessen willst, um darauf Spotify abzuspielen. So verwundert es nicht, dass es dafür spezielle Kabel gibt.

Klinkenkabel und Mic-Eingang? Leider auch nein.

Die nächste Idee, auf die du vielleicht kommst: Falls dein Smartphone noch eine Klinkenbuchse hat, dient dieses nicht nur zur Audio-Ausgabe, sondern auch als Mikrofonanschluss. Dies, weil viele Kopfhörer zum Telefonieren ein Mikrofon haben. Und das funktioniert durchaus auch mit einem normalen Analog-Digital-Adapterkabel. Mit dem Apple Lightning auf 3,5‑mm-Kopfhöreranschluss Adapter beispielsweise kann ich die 3,5-mm-Klinke auch als Audio-Eingang verwenden. Also muss da auch ein A/D-Wandler drin sein.

So weit, so gut. Bloss nützt das nichts, wenn wir Platten oder Kassetten digitalisieren wollen. Denn der Mikro-Eingang ist mono, wir brauchen aber stereo.

Anders sieht es aus, wenn du einen PC mit einer Buchse für Line-In hast. Das ist, anders als der Mic-Eingang, ein Stereo-Eingang. In diesem Fall kannst du ein normales Analogkabel verwenden – die Digitalisierung findet dann im PC statt. Das Kabel muss eine 3,5-mm-Stereo-Klinke haben und am anderen Ende den richtigen Anschluss deines Abspielgeräts: In der Regel Cinch, manchmal auch Klinke.

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Langer Rede kurzer Sinn: Digital-Analog-Verbindungskabel funktionieren zum Digitalisieren in der Regel nicht. Was funktioniert, ist ein reines Analogkabel, sofern dein PC eine entsprechende Line-In-Buchse hat.

Das richtige Audio-Interface

Die Soundqualität über die Line-In-Buchse des PC ist vielfach unbefriedigend. Wer regelmässig Sound in den Computer einspeist, verwendet dafür ein Audio-Interface. Damit verlagerst du die Digitalisierung vom PC in eine externe Box. Das Interface nimmt die analogen Signale entgegen, wandelt sie in digitale Signale um und gibt sie per USB an den Computer weiter. Es verfügt also sowohl über analoge als auch über digitale Anschlüsse.

Es gibt viele unterschiedliche Audio-Interfaces. Die meisten sind dafür gemacht, Instrumente aufzunehmen und verfügen über Dinge, die du zum Digitalisieren eines Tonträgers nicht brauchst – etwa eine verzögerungsfreie Wiedergabe.

Mit diesen funktioniert die Digitalisierung ab Stereoanlage zwar in der Regel auch; aber das geht einfacher und günstiger.

Von den Features her scheint mir ein Gerät wie das Nowsonic Phonix ideal. Es verfügt über einen analogen Cinch-Eingang. Somit kannst du das Cinch-Kabel des Plattenspielers oder Kassettendecks direkt einstecken und auf ein Adaptergebastel verzichten. Wichtig ist auch der Input-Regler, damit das Signal weder übersteuert noch zu leise ist. Nicht mitgeliefert wird ein USB-Kabel. Der Anschluss am Gerät ist USB Typ B, also die annähernd quadratische Form.

Das Audio-Interface Nowsonic Phonix ist zugleich ein Phono-Vorverstärker. Dadurch kann der Tonausgang eines Plattenspielers direkt angeschlossen werden. Normalerweise geht das nicht, weil der Line-In auf ein viel stärkeres und auch vom Frequenzgang her anderes Signal ausgelegt ist, als es der Plattenspieler liefert.

Vorverstärker kannst du auch separat kaufen, falls dein Interface keinen enthält. Oder du schliesst den Plattenspieler an einen klassischen Hifi-Verstärker mit Phono-Eingang an und verbindest den Verstärker mit dem Interface. Heutzutage haben aber viele Verstärker keinen Phono-Eingang mehr.

Dieses Interface ist noch kleiner und günstiger. Theoretisch kann es direkt in den Computer eingesteckt werden; praktisch ist es aber wohl zu dick und kommt anderen Anschlüssen in den Weg. Daher brauchst du zusätzlich ein USB-Verlängerungskabel.

Taugt denn ein so günstiges Interface etwas? Ich finde schon. Im Vergleich zum Nowsonic Phonix klingt der Sound weniger kräftig, aber ansonsten nicht schlecht. Nowsonic ist mit seinem bassbetonten Sound aber näher am Original und damit besser.

Zum Vergleich habe ich das folgende Stück ausgewählt, weil es lizenzfrei ist – ich darf also Kopien davon auf Youtube hochladen.

Vom analogen iPad-Ausgang eingespeist, in GarageBand auf dem Mac aufgezeichnet und Youtube hochgeladen klingt das dann leicht anders. Zuerst das PowerDynamics PDX20:

Und hier das Nowsonic Phonix:

Beide Interfaces können über das USB-Kabel mit Strom gespiesen werden, auch wenn das Nowsonic Phonix zusätzlich ein Netzteil hat. Eigentlich müsste es durch diese separate Stromversorgung auch an einem iPad oder iPhone funktionieren. Tut es aber nicht. Warum, habe ich nicht herausgefunden. Übrigens wird auch das PDX nicht vom iPad akzeptiert, wenn es dank diesem Adapter am Stromnetz hängt. Es scheint ein generelles iPad-Problem vorzuliegen. Ich empfehle die beiden Interfaces also ausdrücklich nur im Zusammenspiel mit einem Notebook oder Desktop-PC. Auf dem Mac habe ich es getestet, auf Windows sollte es ebenfalls funktionieren, da keine speziellen Treiber installiert werden müssen.

Fazit: Ein simples Audio-Interface reicht

Zur Digitalisierung von Kassetten empfehle ich dir, ein bestehendes, aber noch gut erhaltenes Kassettengerät zu verwenden und über ein einfaches Audio-Interface mit dem Computer zu verbinden. Dort kann das Signal mit einer Software wie Audacity oder GarageBand aufgezeichnet werden.

Eine Lösung nur mit Kabeln, also ohne Audio-Interface, funktioniert in der Regel nicht. Von Digitalisierungs-Playern, die weniger kosten als eine CD, würde ich ebenfalls die Finger lassen.

Bei Plattenspielern gilt im Prinzip dasselbe. Auch hier ist es nicht nötig, extra einen Plattenspieler mit USB-Anschluss zu kaufen. Als Audio-Interface empfehle ich hier das Nowsonic Phonix, da der Phono-Verstärker bereits darin integriert ist. Ansonsten musst du diesen separat kaufen oder das Signal via Verstärker mit Phono-Eingang schleusen.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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