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Der Kuhstall schützt vor Asthma

Myrtha Brunner
23.07.2019

Bakterien stärken das Immunsystem. Entsprechend leiden Kinder, die im Kuhstall spielen, seltener unter Asthma oder anderen Allergien als Stadtkinder.

Was sich der Sprössling im Verlauf seiner Kindheit alles in den Mund steckt, hört sich für Erwachsene eklig an. Dennoch helfen Sand, Steinchen, Erde, Schnecken oder Gras gegen Allergien. Dreck enthält Bakterien und je mehr davon Kinder zu sich nehmen, desto geschützter sind sie gegen Krankheiten. SRF berichtet über den sogenannten «Bauernhof-Effekt».

Forscher wissen bereits seit den 80ern, dass Stadtkinder öfter an Allergien leiden, als Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen. Grund dafür sind die hygienischen Verhältnisse. Aufgrund der Sauberkeit in der Wohnung werden Stadtkinder nur wenigen Bakterien ausgesetzt. Demgegenüber enthält ein Kuhstall eine Vielfalt von Bakterien, Viren und Pilzen. Asthma und Heuschnupfen können durch die stetige Konfrontation mit diesen dreckigen Bedingungen vermindert, wenn nicht sogar verhindert werden. «Eine solche nicht hochhygienische Umgebung schult das Immunsystem. Es lernt, auf an sich harmlose Stoffe nicht zu reagieren», sagt Bettina Ravazzolo, Expertin bei aha! Allergiezentrum Schweiz.

Nach Aussage von Ravazzolo wird generell eine Zunahme aller Allergien beobachtet. So ist beispielsweise die Häufigkeit der Pollenallergie in der Schweiz seit Anfang des 20. Jahrhunderts von unter 1 auf 20 Prozent gestiegen. Die Anzahl Asthmabetroffener hat sich weltweit in den letzten fünfzig Jahren von 6 Prozent auf 19 Prozent mehr als verdreifacht.

Kuhstall-Bakterien als Schutz für Stadtkinder

Schweizer Wissenschaftler haben nun gemeinsam mit internationalen Kollegen nachgewiesen, dass Kuhstall-Bakterien auch Stadtkinder vor Asthma schützen können, wie SRF schreibt. Eine neue Studie im Magazin «Nature» zeige, dass sich der Bauernhof-Effekt auch auf Stadtwohnungen übertragen lasse. Wenn dort viele typische Bauernhofmikroben vorkommen, entwickeln Kinder seltener Asthma. Um den Stadtbewohnern nun die Möglichkeit zu geben, von diesem Effekt zu profitieren, führen die Forscher weitere Studien durch.

In Finnland beispielsweise platzieren sie Walderde im Eingangsbereich von Wohnungen. In der Hoffnung, dass die Bakterien in den Räumen verteilt werden und so das Immunsystem der Bewohner gestärkt wird. Sie versuchen zudem, ein Nasenspray zu entwickeln, der Bestandteile von Bauernhof-Bakterien aufweist. Bis diese Studien abgeschlossen sind und neue Produkte zur Stärkung des Immunsystems auf den Markt gebracht werden, dauert es aber sicherlich noch eine Weile.

Stärkung des Immunsystems

Bis dahin kannst du dein Kind möglichst oft mit Dreck konfrontieren. Beispielsweise durch stetige Besuche eines Bauernhofes beziehungsweise eines Stalls oder durch das Spielen mit Sand, Steinen und Erde. Daneben kann sich das Tragen von schmutzigen Strassenschuhen in der Wohnung oder das Herumtollen im Dreck positiv auf das Immunsystem auswirken, wie Co-Autor der Studie Pirkka Kirjavainen vom Nationalen Institut für Gesundheit und Soziales in Finnland im SRF-Beitrag zitiert wird.

«Die Prävention für ein gesundes Immunsystem des Kindes beginnt schon im Mutterleib.»
Bettina Ravazzolo, Expertin bei aha! Allergiezentrum Schweiz

Ravazzolo ergänzt: «Die Prävention beginnt schon vor der Geburt – bei der Mutter. Es ist wichtig, sich in der Schwangerschaft abwechslungsreich und ausgewogen zu ernähren. Rauchen, auch Passivrauchen, kann Asthma und Allergien fördern.» Der beste Schutz gegen Allergien bietet das Stillen. Die WHO empfiehlt deshalb, das Neugeborene die ersten sechs Monate ausschliesslich zu stillen. Sobald die Breiphase beginnt, heisst es gemäss Ravazzolo: «Je mehr verschiedene Nahrungsmittel ein Kind in den ersten 365 Tagen kennenlernt, desto geringer ist das Risiko, dass Allergien entstehen. Das Meiden von bestimmten Lebensmitteln (z.B. Fisch) hat keinen vorbeugenden Effekt auf die Allergieentwicklung – im Gegenteil. Und: Ein gesundes Körpergewicht des Kindes verringert das Asthmarisiko. »

Nicht nur die Konfrontation mit Bakterien, sondern auch andere Faktoren sind demzufolge entscheidend, wie sich das Immunsystem eines Kindes entwickelt. Weitere Informationen rund ums Thema Vorbeugen von Allergien findest du in der Broschüre Allergieprävention von aha! Allergiezentrum Schweiz.

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Köchin. Putzfrau. Polizistin. Krankenschwester. Entertainer. Motivator. Autorin. Erzählerin. Beraterin. Organisatorin. Chauffeur. Anwältin. Richterin. .… also einfach gesagt Mami von zwei Töchtern und somit nicht nur (Content) Manager im Beruf, sondern auch im Privatleben. 


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