Der «Guppyfriend» filtert Mikroplastik aus der Wäsche
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Der «Guppyfriend» filtert Mikroplastik aus der Wäsche

Michael Restin
Zürich, am 07.01.2022

Mit jeder Wäsche synthetischer Textilien gelangt Mikroplastik in die Umwelt. Der Waschbeutel «Guppyfriend» hat etwas dagegen und fischt die tückischen Fasern aus dem Abwasser.

In der Kleidung, im Wasser und auf dem Teller – Mikroplastik ist längst überall zu finden. Wir futtern monatlich so viel Kunststoff, dass die Menge etwa einem Legostein entspricht. Einem grossen mit acht Noppen, wie die Thompson Reuters Foundation veranschaulicht. Den grösseren Schaden richten wir mit der Plastikschwemme aber in der Natur an, speziell in den Gewässern. Beim Waschen von Lycra, Elastan und Co. lösen sich Synthetikfasern, die Mikroplastik enthalten.

Selbst Naturfreunde haben in diesem Punkt kein reines Gewissen, wenn der Kleiderschrank mit Funktionskleidung aus Kunstfasern vollgestopft ist. Obwohl langsam Alternativen aufkommen – solange wir diese Textilien nutzen, sind pragmatische Lösungen gefragt. Eine davon hat mir neulich meine Frau unter die Nase gehalten: Einen Waschbeutel, der Mikroplastik zurückhalten soll, das ich anschliessend im Restmüll entsorgen kann.

Ein kleiner Beitrag bei jeder Wäsche

Der Beutel aus Polyester ist 50 x 74 cm gross und verliert durch ein spezielles Gewebe aus Monofilamenten selbst keine Fasern. Ein «Monofilament» besteht aus einem endlosen Faden und ähnelt laut Hersteller in seiner Struktur eher stabilen Stäben. Der Guppyfriend schont die Kleidung beim Waschen, die dadurch wiederum weniger Kunststoffpartikel verliert. Laut dem Fraunhofer Institut Umsicht reduziert sich der Faserbruch um 86 Prozent. Trotz der zusätzlichen Schutzschicht kommt die Wäsche sauber aus dem Sack, ich habe zumindest keinen Unterschied festgestellt.

Die Fasern am Saum gingen diesmal nicht durch den Abfluss: die Ausbeute einer Wäscheladung.
Die Fasern am Saum gingen diesmal nicht durch den Abfluss: die Ausbeute einer Wäscheladung.

Es ist ein kleiner Beitrag bei jeder Wäsche, der mich kaum Mühe kostet. Und der auf Dauer etwas bewirkt, wenn ich mich an den gut sichtbaren Hinweis an der Öffnung halte und die eingefangenen Fasern im Restmüll entsorge. Die kleine Prozedur hilft dabei, das Thema nicht gleich wieder zu verdrängen. Denn wir sind alle gefordert, genau hinzuschauen.

Und das muss ich auch, wenn ich nach der Wäsche die abgelagerten Fasern aus dem Saum entfernen will. Eine legosteingrosse Plastikansammlung erwartet mich nicht, nur eine Fingerspitze voll Flusen. Aber es geht ja darum, möglichst wenig Mikroplastik freizusetzen und das Wenige möglichst gut zu filtern. Und unter dem Mikroskop meiner Tochter sieht der Fang gleich viel beeindruckender aus.

Schön bunt und diesmal kein Fischfutter: Die eingefangenen Fasern sechzigfach vergrössert.
Schön bunt und diesmal kein Fischfutter: Die eingefangenen Fasern sechzigfach vergrössert.

«Greenwashing» mal anders

Ich nutze den Guppyfriend zusammen mit den Waschstreifen von «Bluu» und für mich ist diese Art des «Greenwashing» eine gute Sache. Ein Anfang, der die Zeit überbrückt, bis irgendwann die Wende im Kleiderschrank vollzogen ist. Der Guppyfriend kann bis 40 Grad Celsius verwendet werden und wird in Europa hergestellt: Filtergewebe und Garn stammen aus Frankreich und Italien. Die Nähereien sind in Polen, Portugal und die Verpackung stammt aus Deutschland, wo der Beutel entwickelt wurde. Was ich sonst noch beim Waschen beachten kann, hat meine Kollegin Vanessa Kim in folgendem Beitrag zusammengefasst.

  • KnowhowHaushalt

    Mikroplastik: So reduzierst du den «unsichtbaren» Feind

Ich habe mich schnell mit dem Guppyfriend angefreundet. Wobei es schon ein bisschen ironisch ist, dass das Mikroplastik durch einen grossen Kunstfaserbeutel zurückgehalten wird. Der ist allerdings vollständig rezyklierbar und verschwindet nicht klammheimlich über die Kanalisation. Dass es dort alles andere als grün ist und vieles gedankenlos weggespült wird, kann ich nicht vergessen, seit ich dort war. Unser Abwasser ist eine Welt für sich.

  • Reportage

    Die unsichtbaren Unverzichtbaren

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Editor, Zürich

Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

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