Das süsse Nichtstun: Langeweile verleitet Kinder, viel mehr zu essen
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Das süsse Nichtstun: Langeweile verleitet Kinder, viel mehr zu essen

Katja Fischer
17.11.2023

Eine britische Studie hat untersucht, wie sich das Essverhalten von Kindern ändert, wenn sie sich gelangweilt fühlen. Das Ergebnis: Sie nehmen 80 Prozent mehr Kalorien zu sich als beschäftigte Kinder, und das schon innert kürzester Zeit.

«Mir ist laaangweilig!» und «Ich habe Huuuunger» – als Elternteil kommen dir diese beiden Aussagen sicher bekannt vor. Ich wage sogar zu behaupten: Sie gehören zu den am meisten geäusserten Sätzen von Kindern. Erstaunlich häufig fallen sie auch dicht aufeinander. Denn oft ist nicht unbedingt ein leerer Magen für ein vermeintliches Hungergefühl verantwortlich, sondern Langeweile.

Mit dem Zusammenhang zwischen Essverhalten und Langeweile bei Kindern hat sich nun auch ein britisches Forscherteam der Aston University in Birmingham befasst. Die Erkenntnis der neuen Studie: Bei einem Gefühl von Langeweile essen Kinder mehr – sogar deutlich mehr innerhalb kürzester Zeit.

So funktionierte das Experiment

120 Kinder im Alter von vier und fünf Jahren nahmen am Experiment teil. Sie wurden in Gruppen unterteilt und aufgefordert, ein Puzzle zu machen mit Aussicht auf eine Belohnung in Form eines kleinen Geschenkes.

Die Kinder der «Gruppe Langeweile» mussten zunächst einige Minuten am Tisch sitzen und auf ihren Einsatz warten. Dann mussten sie weitere vier Minuten warten, wobei ihnen zur Überbrückung Snacks wie Chips, Kekse, Karotten-Sticks und Mini-Grissini hingestellt wurden. Anschliessend kamen die Snacks weg und die Puzzle-Aufgabe startete.

Die Kontrollgruppe hatte keine Wartezeiten, die Kinder durften das Puzzle sofort lösen. Dann hatten sie die Wahl, sich entweder vier Minuten lang an den Snacks zu bedienen oder sich die Zeit mit Spielen zu vertreiben.

In den vier Minuten mit Snack-Schüsseln nahm die «Gruppe Langeweile» im Schnitt 42 Kilokalorien mehr zu sich als die Kontrollgruppe – das sind rund 80 Prozent mehr. Besonders ausgeprägt war der Unterschied bei Kindern, deren Eltern im Alltag oft süsse Nahrungsmittel zur Beruhigung oder Beschäftigung einsetzten.

Achtung vor Essen als Lückenfüller

Das Wissenschaftsteam um Studienleiterin Claire Farrow warnt im Studienbericht: Wenn Kinder schon während eines vierminütigen Langeweile-Anfalls so viele Kalorien zu sich nehmen würden, sei das Potenzial für eine übermässige Kalorienzufuhr über einen ganzen Tag, eine Woche oder ein ganzes Jahr gross.

Natürlich sei es für Eltern verlockend, Essen zur Beruhigung einzusetzen, zitiert die Nachrichtenagentur DPA die Studienleiterin. Aber dieses Emotional Feeding genannte Verhalten könne dazu führen, dass Kinder auch als Erwachsene später negativen Emotionen mit Essen begegneten. «Es ist wichtig, dass Eltern und Bezugspersonen klar ist, dass diese kurzfristige Lösung in der Zukunft zu Problemen führen kann.»

Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) fügt an: In bestimmten Situationen wie bei langen Zug- oder Autofahrten sei es aber durchaus okay, wenn Kinder mal etwas mehr essen. «Kinder essen dann, was da ist», betont sie.

Gesunde Snacks zum Beispiel. Schreit es bei der nächsten Autofahrt also «Laaangweilig» und «Huuunger» hinter dir auf der Rückbank, streck einfach mal eine Box voll mit Früchten und Gemüse hin: «Guuurkenzeit!».

Titelfoto: Shutterstock

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Anna- und Elsa-Mami, Apéro-Expertin, Gruppenfitness-Enthusiastin, Möchtegern-Ballerina und Gossip-Liebhaberin. Oft Hochleistungs-Multitaskerin und Alleshaben-Wollerin, manchmal Schoggi-Chefin und Sofa-Heldin.


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