
Ratgeber
Welches Radar fürs Fahrrad? Ein kleiner Ratgeber mit einigen Antworten
von Patrick Bardelli

Smarte Rücklichter mit Radar fürs Velo sind seit einigen Jahren im Trend. Sie liefern visuelle und akustische Alarme, um vor Fahrzeugen zu warnen, die sich von hinten nähern. Vor gut zehn Jahren erfunden, kommt von Garmin mit dem neuen «Varia RearVue 820» die nächste Generation Radare fürs Velo.
Unterdessen gibt es eine Vielzahl von Herstellern am Markt, die dem Sicherheitsaspekt auf dem Velo die nötige Beachtung schenken. In den letzten Jahren haben Brands wie Bryton, Wahoo, Magicshine, Lezyne oder BBB Cycling ihre Version des Veloradars mit Rücklicht herausgebracht.
Die Idee hinter dieser Technologie besteht darin, dich auf ein Fahrzeug aufmerksam zu machen, das sich nähert. Dabei wird das Licht/Radar mit einem kompatiblen Fahrradcomputer, einer Smartwatch oder dem Smartphone gekoppelt. Natürlich lässt sich dies auch mit einem am Helm oder Lenker montierten Spiegel erreichen. Das macht unter gewissen Umständen Sinn, unter anderen jedoch nicht.
Wer es genauer wissen will, findet hier weiterführende Informationen zum Thema:
Erfunden hatte das weltweit erste Radarsystem für Fahrräder allerdings vor gut zehn Jahren die Marke Garmin. Unterdessen haben die Amerikaner ihr System kontinuierlich weiterentwickelt und vor Kurzem das neue «Varia RearVue 820» lanciert.

Einfach gesagt packt Garmin in das neue «Varia RearVue 820» im Vergleich zur bisherigen «Varia RTL515/516»-Serie von allem ein bisschen mehr: Das betrifft sowohl die Akkulaufzeit, die Radar-Reichweite und das Sichtfeld als auch die Lichtleistung und die Sichtbarkeit.
| Merkmal | Varia RTL515 / RTL516 | Varia RearVue 820 |
|---|---|---|
| Ladeanschluss | veraltetes Micro-USB | moderner USB-C |
| Akkulaufzeit | bis zu 16 Std. (Tag-Blinkmodus) | bis zu 24 Std. (Tag-Blinkmodus) |
| Radar-Reichweite | max. 140 Meter | max. 175 Meter |
| Radar-Sichtfeld | 40 Grad | 60 Grad (breiterer Erfassungswinkel) |
| Lichtleistung | max. 65 Lumen (Tag-Blinkmodus) | max. 100 Lumen (Tag-Blinkmodus) |
| Sichtbarkeit | max. 1,6 km | max. 2 km |
Ausserdem erkennt das neue «Varia RearVue 820» nun auch die Fahrzeuggrösse und zeigt diese in drei unterschiedlichen Kategorien an. So sollst du erkennen können, ob sich von hinten ein LKW, ein Auto oder ein anderes Velo nähert. Das funktioniert grossmehrheitlich gut. Ab und zu hat das Gerät allerdings Mühe, zum Beispiel einen LKW von einem SUV zu unterscheiden. Zudem zeigt das Radar an, wenn Fahrzeuge hinter dir die Spur wechseln und neu ist auch die Bremslichtfunktion. Diese erkennt, wenn du langsamer wirst oder anhältst, und blinkt dann mit einem auffallenden Blinkmuster. Da habe ich nichts zu bemängeln.
Wie bereits erwähnt, kannst du das Radar entweder über einen kompatiblen Velocomputer, mit der Varia-App im Smartphone oder mit einer kompatiblen Smartwatch verwenden. Ich nutze den «Edge 1040 Solar»-Computer – der wirkt bei der Anzeige im Vergleich zu neueren Modellen wie dem Edge 1050 allerdings schon etwas veraltet.
Dennoch ist es ein Schritt vorwärts, dass nicht mehr einfach nur – wie bisher – eine kleine Kugel anzeigt, dass sich von hinten «etwas» nähert. Es macht schon einen Unterschied, ob es sich dabei um einen Sattelschlepper oder ein S-Pedelec handelt.
Zur Nutzung mit einer kompatiblen Garmin Smartwatch am Handgelenk kann ich nichts sagen, da ich diese Funktion nicht getestet habe. Gemäss Hersteller ist dies derzeit im öffentlichen Beta-Programm von Garmin nur für ausgewählte Smartwatches verfügbar.




Der Lieferumfang des «Varia RearVue 820» umfasst neben dem Radar ein USB-C Kabel (endlich kein veraltetes Micro-USB mehr) und einen Montagesatz für die Sattelstütze. Mit den unterschiedlichen Adaptern sollte das Gerät an alle gängigen Sattelstützen von Renn- und Gravelbikes passen.
Garmin bietet auch ein Halterungskit für die Montage an der Sattelstrebe an, das jedoch für 40 Franken separat dazugekauft werden muss. Das finde ich für den Verkaufspreis des Radars von fast 300 Franken fast ein wenig unanständig. Der Hersteller könnte das Teil auch gerne einfach beilegen.
Womit wir bei den Kosten wären. Das neue Radar schlägt ein rund doppelt so grosses Loch ins Portemonnaie wie sein Vorgänger. Und überflügelt auch die Konkurrenzprodukte diesbezüglich deutlich. Würde ich das mit dem «Varia Vue» Frontlicht mit Dashcam für knapp 550 Franken und dem aktuellen «Edge 1050» GPS-Velocomputer für 630 Franken kombinieren, käme ich auf beinahe 1500 Franken. Das muss man erstmal setzen lassen.
Nun gut, die Preispolitik ist ein Thema für sich und jede oder jeder hat da seine oder ihre eigene Meinung dazu. Für diesen Betrag kann ich mir jedoch ein durchaus vernünftiges Gravelbike kaufen. Aber eben, lassen wir das.

Fangen wir beim Positiven an: Garmin ersetzt beim neuen Radar den veralteten Micro-USB Anschluss durch den zeitgemässen USB-C Anschluss. Endlich, ist man geneigt zu sagen. Und spendiert dem «Varia RearVue 820» im Vergleich zum Vorgänger mehr von allem – mehr Akku, mehr Lumen, mehr Sichtbarkeit und mehr Reichweite. Ausserdem ist die Unterscheidbarkeit der Fahrzeuggrösse ein grosses Plus, hinzu kommt die Bremslicht- und Spurwechselfunktion. Da kommt schon einiges an Mehrwert zusammen.
Leider auch, was den Preis betrifft. Auch hier «spendiert» Garmin ein Mehr. Womit wir beim Negativen sind. Respektive der Frage, für wen das «Varia RearVue 820» gemacht ist. Du hast bereits das Vorgängermodell oder das Radar eines anderen Anbieters? Dann kannst du dir den Aufpreis schenken und das Geld anderweitig investieren. Natürlich sind die zusätzlichen Funktionen cool und haben einen konkreten Nutzen. Es geht aber ehrlich gesagt auch ohne.
Du möchtest dir zum ersten Mal ein Rücklicht mit Radarfunktion kaufen und dieses in Kombination mit einem möglichst neuen Modell eines (Garmin)GPS-Velocomputers oder einem aktuellen Smartphone nutzen? Und du verfügst über das nötige Kleingeld? Dann schlag zu. Mit dem Produkt als solchem machst du aus meiner Sicht nichts falsch.
Pro
Contra
Vom Radiojournalisten zum Produkttester und Geschichtenerzähler. Vom Jogger zum Gravelbike-Novizen und Fitness-Enthusiasten mit Lang- und Kurzhantel. Bin gespannt, wohin die Reise noch führt.
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