Hintergrund

Das Fleisch ist für die Katz... Warum vegane Tiernahrung eine schlechte Idee ist

Patrick Vogt
07.07.2022

Vegetarische oder vegane Ernährung ist im Trend. Bei einigen Leuten geht das so weit, dass sie auch ihre Katze oder ihren Hund fleischlos ernähren möchten. Aber ist das auch eine gute Idee?

Ich bin Katzenhalter, und habe mich bisher nicht mit der Frage befasst, ob ich meine Vierbeiner fleischlos ernähren soll. Die kriegen ihr Trocken- und Nassfutter mit Fleisch. Und zwischendurch erjagen sie sich draussen eine Maus oder einen Vogel, von denen dann in der Regel nicht mehr allzu viel übrig bleibt, ausser der Sauerei, die ich putzen darf… Nun gibt es immer mehr Haustierbesitzerinnen und -besitzer, die sich selber vegetarisch oder vegan ernähren und Gewissensbisse haben, weil der Hund oder die Katze Fleisch bekommen. Stellvertretend für die Leute habe ich mir Rat bei der Veterinärin Dr. med. vet. Claudia Nett-Mettler geholt.

Galaxus: Frau Nett, man hört immer öfter von Leuten, die sich überlegen, ihre Vierbeiner vegetarisch oder gar vegan zu ernähren. So ganz grundsätzlich – wie stehen Sie dem gegenüber?
Claudia Nett: Wenn sich Frauchen oder Herrchen vegetarisch oder vegan ernähren wollen, dann ist das ihre persönliche Entscheidung. Wenn man sich jedoch ein Tier und insbesondere einen Karnivoren hält, dann sollte dieser auch artgerecht gefüttert werden. Karnivoren sind nun einmal Fleischfresser und sie entgegen ihrer Natur pflanzlich zu füttern ist ethisch fragwürdig, wenn nicht sogar tierschützerisch relevant.

Gehen wir etwas differenzierter auf den Hund ein: Wie sieht es bei ihm in Bezug auf die vegetarische und vegane Ernährung aus? Geht das überhaupt?
Eine vegetarische Ernährung ist zumindest bei erwachsenen, gesunden Hunden möglich, bei der veganen Ernährung wird es etwas schwieriger. Dort klappt auch die Beimengung von Zusatzstoffen wie Mineralstoffe und Vitaminen nur schwierig, denn diese kommen in pflanzlichen Futtermitteln gar nicht oder nicht in ausreichender Menge vor.

Nur weil etwas möglich ist, heisst ja noch lange nicht, dass man es auch soll. Ist es denn sinnvoll, seinen Hund fleischlos zu ernähren?
Der Hund ist biologisch gesehen nach wie vor ein Karnivore und kein Omnivore (Allesfresser) wie etwa wir Menschen. Im Laufe seiner Entwicklung vom Wolf zum Hund hat sich das Verdauungssystem zwar angepasst. Der Verdauungstrakt des Hundes kann mit pflanzlichem Eiweiss umgehen und auch Kohlenhydrate relativ gut aufspalten. Trotzdem ist das Hundegebiss nach wie vor das eines Karnivoren mit Reisszähnen. Zudem ist sein Verdauungstrakt sehr kurz – was für einen Fleischfresser typisch ist – denn tierisches Eiweiss ist leichter verdaulich als pflanzliches. Dennoch kann ich einen erwachsenen, gesunden Hund vegan ernähren, wenn ich auf das Futter achte. Die für den Hund am besten geeignete pflanzliche Eiweissquelle ist Soja, da es dem tierischen Eiweiss bezüglich seiner Aminosäuren am nächsten kommt. Auf keinen Fall vegan ernährt werden sollten Welpen, trächtige und stillende Hündinnen sowie kranke Hunde. Ihr Bedarf an Aminosäuren kann mit rein pflanzlicher Kost nicht korrekt abgedeckt werden.

Was sind die möglichen Risiken für den Hund bei der fleischlosen Ernährung?
Bei einer Ernährung mit nicht korrekt aufmineralisierten und aufvitaminisierten Rationen kann es zu Mangelerscheinungen kommen. Eiweissmangel zeigt sich als Muskelverlust und als schütteres, stumpfes Fell. Ein Mangel an Kalzium kann im Extremfall zu pathologischen Knochenbrüchen oder zu krummen Beinen führen. Ein Zinkmangel zeigt sich insbesondere über krustige Hautveränderungen und brüchige Nägel. Daher ist eine korrekt ausbalancierte Ration Futter sehr wichtig. Eine, die alle benötigten Substanzen in ausreichender Menge, aber auch Qualität entsprechend dem Alter des Hundes enthält.

Fleisch enthält in erster Linie Proteine, deren Bausteine Aminosäuren sind. Gewisse Aminosäuren sind essentiell für den Hund, sie müssen mit der Nahrung in adäquater Menge aufgenommen werden können. Bei der veganen Ernährung stammen diese Aminosäuren aus pflanzlichen Lebensmitteln wie beispielsweise Soja, Erbsen oder anderen Hülsenfrüchten. Die Zusammensetzung der pflanzlichen Proteine unterscheidet sich von tierischem Eiweiss, so dass es zu einer ungenügenden oder nicht ausbalancierten Aufnahme von gewissen Aminosäuren kommen kann. Der Proteinbedarf des Hundes ist relativ hoch, was über rein pflanzliche Eiweisse schwer abzudecken ist. Die Ration muss ja dann immer auch noch gemocht und gefressen werden. Auch an Kalzium hat der Hund einen hohen Bedarf. Ein wichtiger Lieferant des Mineralstoffes ist Knochen. Bei der veganen Ernährung muss das Kalzium über andere Quellen zugeführt werden, die meistens synthetisch hergestellt sind. Ähnliches gilt für gewisse Vitamine und Fettsäuren.

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Wenn ich Sie richtig verstehe, dann macht es beim Hund einen grossen Unterschied, ob wir von vegetarischer oder veganer Ernährung sprechen?
Absolut, denn eine vegetarische Ernährung erlaubt die Fütterung tierischer Produkte wie Ei, Milch, Wollfett oder Käse. Diese Produkte enthalten dementsprechend tierisches Eiweiss, weshalb sie für die Ernährung des Hundes optimal zusammengesetzt sind. Bei der veganen Ernährung sind keine tierischen Eiweisse erlaubt.

Lassen Sie uns an dieser Stelle ein Zwischenfazit ziehen: Meinen Hund fleischlos zu ernähren ist…
…möglich. Die Frage ist, ob es auch artgerecht ist, zumal der Hund von Haus aus ein Karnivore ist.

Apropos Karnivoren, zu ihnen gehört biologisch ja auch die Katze. Wie sieht es denn bei ihr aus in Bezug auf die vegetarische/vegane Ernährung?
Die fleischlose Ernährung der Katze ist bedeutend schwieriger als beim Hund. Im Gegensatz zum Hund hat sich die Katze im Laufe der Evolution nie an pflanzliche Eiweisse oder Kohlenhydrate angepasst. Die Katze ist angewiesen auf gewisse Stoffe, die nur im Fleisch vorkommen. Das sind essenzielle Aminosäuren wie etwa Taurin, die Vitamine A und D, aber auch essenzielle Fettsäuren. Aus dem Grund ist von einer fleischlosen Fütterung der Katze abzuraten.

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Was passiert, wenn eine Katze kein Fleisch kriegt?
Bei der Fütterung einer unausgewogenen, veganen oder vegetarischen Ration kommt es zu Mangelerscheinungen. Bekannt ist beispielsweise der Taurinmangel, der zu einem Herzversagen führen kann. Die Katze ist Karnivore, das sieht man schon an ihrem Gebiss. Im Vergleich zum Menschen oder Wiederkäuer ist sie gar nicht in der Lage, pflanzliche Nahrung aufzubrechen und ausreichend zu verwerten. Aus diesem Grund muss eine artgerechte Fütterung der Katze Fleisch enthalten.

Aber nur Fleisch muss schon nicht sein, oder? Schliesslich enthält ja gerade Trockenfutter meistens auch Getreidezusätze.
Korrekt, es muss nicht nur Fleisch sein. Kleine Mengen an Kohlenhydraten sind kein Problem. Die Katze gewinnt ihre Energie aber hauptsächlich aus fleischlichem Protein und Fett, und nur aus einem geringen Anteil aus Kohlenhydraten.

In Deutschland verstösst man gegen das Tierschutzgesetz, wenn man seine Katze fleischlos ernährt. Wie sieht das in der Schweiz aus?
Das Schweizer Tierschutzgesetz schreibt in Artikel 1 vor, dass die Würde und das Wohlergehen des Tieres zu schützen sind. Unter Wohlergehen wird als erster Punkt genannt, dass Haltung und Ernährung so sind, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört und sie in ihrer Anpassungsfähigkeit nicht überfordert sind. Mit diesem Satz ist bereits klar, dass eine vegane Ernährung für die Katze von tierschützerischer Relevanz ist. Wer einen Karnivoren vegan ernährt, missachtet demnach auch das Schweizer Tierschutzgesetz.

Nun gibt es Menschen, die aus verschiedenen Gründen ein Problem damit haben, ihrem Haustier Fleisch zu verfüttern. Was empfehlen Sie diesen Leuten?
Am besten würden sich solche Leute keinen Fleischfresser halten, sondern konsequenterweise ein Kaninchen oder ein Meerschweinchen. Spass beiseite: Wer kein Fleisch von Säugetieren oder Fisch verfuttern will, kann die Fütterung von Insektenprotein ins Auge fassen. Es gibt heute mehrere Alleinfuttermittel sowohl für Hunde wie auch Katzen, die Insekteneiweiss wie beispielsweise Mehlwürmer oder Fliegenlarven enthalten. Insekteneiweiss ist biologisch hochwertig und eine einigermassen artgerechte Fütterung damit möglich.

Organisationen wie etwa PETA propagieren seit einigen Jahren, dass es durchaus artgerecht sei, seinen Vierbeiner vegan zu ernähren. Was entgegnen Sie darauf?
Eine vegane Ernährung ist zumindest für die Katze nicht artgerecht und hat aus dem Grund tierschützerische Relevanz. Ein gesunder Hund kann vegan ernährt werden, es stellt sich aber dennoch die Frage, ob das artgerecht ist.

Die praktizierende Tierärztin Claudia Nett-Mettler hat unter anderem eine Weiterbildung in Ernährung bei Hunden und Katzen. Sie ist Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin SVK. Die SVK hat im Dezember 2020 ein Positionspapier zur vegetarischen/veganen Ernährung bei Hunden und Katzen veröffentlicht.

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Patrick Vogt
freier Autor

Ich bin Vollblut-Papi und -Ehemann, Teilzeit-Nerd und -Hühnerbauer, Katzenbändiger und Tierliebhaber. Ich wüsste gerne alles und weiss doch nichts. Können tue ich noch viel weniger, dafür lerne ich täglich etwas Neues dazu. Was mir liegt, ist der Umgang mit Worten, gesprochen und geschrieben. Und das darf ich hier unter Beweis stellen. 


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