Das Cannabis-Zucht-Setup – Tinus Grow Report, Folge 1

Das Cannabis-Zucht-Setup – Tinus Grow Report, Folge 1

Martin Jud
Zürich, am 29.10.2020
Gute Idee: legale Cannabis-Produkte. Schlechte Idee fürs Portemonnaie: deren Kauf. Daher stelle ich selbst her. Und du darfst dabei sein. In dieser Folge: mein Grower Setup.

Herzlich willkommen in meiner Abstellkammer. Vor neugierigen Blicken verborgen steht hier mein ganzer Hobby-Gärtner-Stolz: Ein 220 Zentimeter hohes Zelt mit einer Grundfläche von 90 mal 90 Zentimetern.

Darin können Pflanzen zu jeder Jahreszeit gezogen werden. Durch die Gesellschaft und das Gesetz geduldete Pflanzen wie eine hochgiftige Engelstrompete oder solche, die erst seit kurzem geduldet werden, wie Cannabis mit niedrigem THC-Wert. Aber auch weniger aufregende Pflanzen wie Tomaten oder Orchideen würden darin bestens gedeihen.

Mein Zelt der Marke Dark Room.
Mein Zelt der Marke Dark Room.

Da Cannabis-Blüten, legale wie illegale, entweder im Vergleich zum Aufwand des Anbaus viel Geld kosten oder aus einer Quelle stammen, der ich nicht vertrauen will, habe ich mir ein eigenes Zelt besorgt. Auf keinen Fall werde ich irgendwo Blüten oder ein Öl kaufen – auch nicht in unserem Shop. Mit meiner eigenen kleinen Gärtnerei werde ich selbst dafür sorgen, dass meine Pflanzen gut wachsen und ich früh genug allfällige Düngemittel absetze. Mein Endprodukt soll keine für die Gesundheit schädlichen Rückstände in sich tragen. Genauso sorge ich dafür, dass meine Blüten von Haarspray oder anderen Dingen, die deren Gewicht durch Verunreinigung erhöhen, fernbleiben.

Den Inhalt meines Zeltes, also Natriumdampflampe und weiteres, stelle ich gerne in diesem ersten Artikel vor. Wenn alles klappt hole ich die Anschaffungskosten meines Equipments mit nur fünf Cannabis-Pflanzen wieder herein. Dazu werde ich, falls es welche geben wird, die getrockneten Blüten wiegen und dann ausrechnen, wie viel Marktwert mein eigenes Gras hat. Basis für die Berechnung sind die Preise in unserem Shop.

Bevor es losgeht: Auch wenn es sich bei meinem Report um in der Schweiz legale CBD-Pflanzen handelt, die Blüten mit weniger als einem Prozent THC produzieren, möchte ich bereits hier festhalten, dass ich nichts verkaufen werde. 😉

Ein grünes Vorwort: Legal, illegal, scheissegal?

Mit meinem Grow will ich Freude vermitteln und aufzeigen, dass Hanf mit etwas Hintergrundwissen genauso einfach gezogen werden kann wie Tomaten oder Pfefferminze. Und auch, dass der hohe Preis für CBD-Produkte meiner Meinung nach kaum zu rechtfertigen ist.

Als der Alkohol in den USA verboten war, also zu Zeiten der Prohibition 1920 bis 1933, gab es im Geheimen unzählige illegale Brennereien. Sowie es in der heutigen Zeit einige Cannabis-Zelte, wie auch das meinige, im Verborgenen gibt. Damals wurde Schnaps angeboten, der nicht immer sauber gebrannt wurde und daher manchem Trinker das Leben kostete. Doch auch abseits von unsauber gebranntem Schnaps hat unsere legalisierte Droge Nummer eins, das Nervengift Alkohol, das Potenzial, uns nicht nur etliche Hirnzellen, sondern auch Lebensjahre zu stehlen. Ganz im Sinne von: Wo früher eine Leber war, ist heute eine Minibar.

Bei reinem Cannabis ist die Wirkung auf den Körper bei korrekter Verabreichung, also durch Erhitzen (mittels Vaporizer) oder durch orale Einnahme von in Fettigkeit gelöstem CBD/THC im Gegensatz zum Rauchen des Krauts bisher nicht nachweisbar schädlich. Auch macht es körperlich nicht abhängig – die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit besteht allerdings. Was es mit der Psyche im Detail anstellen kann, sollen Fachpersonen beurteilen. Es sei kurz angemerkt, dass THC und CBD im Vergleich zum Alkohol zumindest nicht aggressiv machen. Doch soll es für die Entwicklung eines jungen Gehirns hinderlich sein und auch bei Menschen mit labiler Psyche Schaden anrichten können. Das Potential dazu hat Alkohol übrigens auch. Weshalb ich nicht gänzlich verstehe, auf wessen Grundlage in unserem Land Substanzen erlaubt oder verboten werden.

Aber nun erstmal genug Vorwort. Vielleicht komme ich in den kommenden Wochen auf den einen oder anderen Punkt zurück. Doch da ich keine verbotenen Pflanzen ziehe und auch keineswegs etwas verherrlichen oder verteufeln möchte, spielt THC-Kraut von nun an eine untergeordnete Rolle. Eigentlich schade, denn wäre es legal, hätte ich selbstverständlich zu THC-potenteren Samen gegriffen. Doch auch so wird es spannend. Ich kann die harzigen Buds bereits vor mir sehen und rieche in Gedanken den süsslich-betörenden Duft von frischem Gras.

Mein Setup: Dark Room, Aktivkohlefilter und Gedöns

Wer Indoor-Hanf ziehen will, benötigt etwas Hintergrundwissen und die richtige Ausrüstung. Als Grundlage kann ein umgebauter Schrank oder wie in meinem Fall ein Zelt dienen. Mein Zelt der Marke Dark Room ist mit seinen 220 Zentimetern gross genug, um sowohl die eher niedrigen, buschartig wachsenden Indica- wie auch die meisten der höher wachsenden Sativa-Cannabis-Sorten zu ziehen.

Aktivkohlefilter und Diagonalventilator verhindern, dass es ausserhalb des Zeltes betörend-gut riecht.
Aktivkohlefilter und Diagonalventilator verhindern, dass es ausserhalb des Zeltes betörend-gut riecht.

Um zu verhindern, dass meine Nachbarn irgendwann in den kommenden Wochen wegen Geruchsbelästigung bei mir auf der Matte stehen, habe ich einen Aktivkohlefilter installiert. Er hängt oben links im Zelt und ist mit einem 120-mm-Lüftungsschlauch an einen Diagonalventilator angeschlossen. Von da geht der Schlauch zu einer Cooltube, einem durchsichtigen Rohr mit Lampenfassung, Reflektoren und Anschlüssen für den Lüftungsschlauch.

Mama sagte immer, ich soll nicht in die Sonne sehen.
Mama sagte immer, ich soll nicht in die Sonne sehen.

Die Verwendung der Cooltube hat den Vorteil, dass die sehr heiss werdende Natriumdampflampe, welche die Sonne simulieren wird, näher zu den Pflanzen darf. Ohne die Cooltube verbrennt die anfallende Hitze bereits ab rund 25 Zentimeter Distanz alles Grüne. Mit der Tube spielt der Abstand keine grosse Rolle mehr – dennoch würde ich auch so nicht zu nahe an das Glasrohr rangehen. Von diesem geht übrigens ein letzter Schlauch aus dem Zelt hinaus. Somit ist nicht nur für Weed-neutralen Geruch in der Wohnung gesorgt, sondern auch für stetige Luftzufuhr im Zelt. Das auf dem obigen Bild zu sehende Stromkabel hängt ausserhalb des Zeltes an einem Vorschaltgerät und dieses wiederum an einer Zeitschaltuhr.

Betrachte ich mein gesamtes bisher erworbenes Equipment, kommt folgendes zusammen – mein Setup, und was ich dafür bezahlt habe:

  • Zelt (Dark Room) 90 x 90 x 220 cm für 195 Franken
  • Aktivkohlefilter für 32 Franken
  • Diagonalventilator 125 mm für 45 Franken
  • Cooltube 125 mm (Lampenfassung zum Aktivkühlen und Reflektor) für 49 Franken
  • Lüftungsschlauch Combiblack 127 mm, 5 m für 22 Franken
  • 2 x Lampenjojo (Easy Rolls) für 8 Franken
  • Vorschaltgerät Lumatek 400 Watt für 169 Franken
  • Leuchtmittel Philips HPI-T Plus 400 Watt für 25 Franken
  • Leuchtmittel PHILIPS SON-T PIA Green Power NDL 400 Watt für 35 Franken
  • Zeitschaltuhr Omni Rex T analog 16A für 18 Franken
  • Drei kleine Ventilatoren für 34 Franken
  • 5 x Plastikpflanzentopf 25 x 25 x 26 cm, 13 l für 12 Franken
  • Blütendüngemittel Canna Terra Flores 1 l für 15 Franken
  • Enzympräparat Canna Cannazym 1 l für 17 Franken
  • Culturelux PH-Pen und Eichflüssigkeit für 49 Franken
  • Taschenmikroskop mit LED für 24 Franken
  • 6 x Trocknungstablar 69 x 69 cm für 54 Franken

Die Ausgaben fürs Growen – Kosten für Strom, Erde, Wasser und Samen noch ausgenommen – belaufen sich auf bisher 803 Franken. Das bedeutet, dass ich für die Amortisierung der gekauften Dinge geschätzte 134 Gramm getrocknete Blüten herstellen muss.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Die Cannabis-Sorte zum kommenden Grow habe ich bereits ausgesucht und gestern eingepflanzt. Was da auf dem Bild genau für Pflänzchen gedeihen sollen, verrate ich allerdings erst in der nächsten Folge. Genauso werde ich auch erklären, welche Erde ich nutze und inwiefern die Farbtemperatur und Belichtung einen Einfluss auf das Wachstum in der Vegetations- wie auch in der Blütephase haben.

So. Wenn ich nun auf die Uhr schaue, ist es genau 16:20. Das bedeutet, ich muss mal...

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Martin Jud
Martin Jud

Editor, Zürich

Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

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