462 Gramm Marihuana – Tinus Grow Report, Folge 10

462 Gramm Marihuana – Tinus Grow Report, Folge 10

Martin Jud
Zürich, am 19.02.2021
Mein Marihuana wiegt 462 Gramm. Es findet in neun grossen und zwei kleinen Einmachgläsern sowie einem Konfitürenglas Platz. Nun folgt die Fermentierung. Zuerst ist aber Bilanztag: Was für einen Wert mein Cannabis wohl hat?

Ungläubig befülle ich Glas für Glas. Wow, so viel Gras.

Zehn Tage ist es nun her, dass ich die geernteten Hanf-Blüten zum Trocknen ins Dunkle gestellt habe. Und sie sind mächtig zusammengeschrumpelt. Bereits am dritten Trocknungstag war gefühlt nur noch die Hälfte von dem da, was ich ursprünglich hineingelegt habe. Von geschätzt 1500 Gramm frisch geerntetem Cannabis bleiben heute 462 Gramm. Was ich als super Ausbeute empfinde, habe ich doch nur eine Fläche von 90 mal 90 Zentimetern indoor-beackert.

Die Blüten haben die vergangenen zehn Tage bis zu 70 Prozent an Gewicht verloren.
Die Blüten haben die vergangenen zehn Tage bis zu 70 Prozent an Gewicht verloren.

Probleme beim Trocknen gab es nur insofern, dass zu wenig Luftfeuchtigkeit im dunklen Zelt herrschte. Daher habe ich, um kein Bröselgras zu erhalten, ab Tag drei feuchte Küchentücher auf ein freigelassenes Trocknungstablar im Zelt gelegt. Heute ist endlich alles fertig: Mein Weed riecht nun nur noch nach Leckerei, den ausgeprägten zusätzlichen Chlorophyll-Geruch von direkt nach der Ernte hat es verloren.

Für alle, die es genau wissen wollen, hier der Ertrag pro Pflanze:

Pflanze 1
(Die mit den grössten Buds.)
109 Gramm
Pflanze 2
(Die grösste mit Mini-Buds.)
96 Gramm
Pflanze 3
(Die vorne rechts im Zelt stand.)
133 Gramm
Pflanze 4
(Die leider nicht alt wurde.)
0 Gramm
Pflanze 5
(Die zum Schluss kränkelte.)
124 Gramm

Die Gras-Bilanz

113 Tage hat mein Hanfbauer-Experiment gedauert. Dass neben echtem Geld für Strom, Wasser, Samen, Erde und dem Grow-Setup auch etliche Stunden Schweiss sowie viel Energie drinstecken, klammere ich in der folgenden Bilanz mal aus. Kann ich mit gutem Gewissen, zumal ich das gerne tat und mir mein Hobby viel Freude bringt.

Blüten im Wert von...

Mein Gras der Sorte Mota CBD Rich Auto hat einen CBD-Gehalt von ca. 15 Prozent. Der THC-Gehalt macht weniger als 0,6 Prozent aus. Vergleiche ich diese Angabe mit Sorten in unserem Shop, finde ich folgende fünf Blüten mit ebenfalls 15 prozentigem CBD-Anteil:

Hanfblüten Indoor Ernst (4g CBD) (4g)
22.80
Heimat Hanfblüten Indoor Ernst (4g CBD) (4g)
Remedy Kush Greenhouse (50g)
134.–
Herba di Berna Remedy Kush Greenhouse (50g)

Die Sorten sind teilweise auch in kleineren Tüten erhältlich, wodurch allerdings der Preis pro Gramm steigt. Berechne ich den Durchschnitts-Tages-Preis der zu sehenden Artikel, sind dies heute 6,3 Schweizer Franken pro Gramm. Auch wenn mein Zürcher-Hanf bestimmt mehr Liebe enthält und einen süsseren Duft bietet als etwa das Berna-Shop-Gras, rechne ich bei meiner Ernte mit diesem Wert: 6,3 × 462 = 2919.60 Franken.

Ich habe Gras im Wert von fasch drütuuusig Stutz gegrowed! o.O

Des Growers Ausgaben

Mein initiales, im ersten Grow Report beschriebenes Cannabis-Zucht-Setup kostete mich 803 Franken. Dazu kommen Ausgaben für 60 Liter Zitruserde für 31,8 Franken und die Samen für 25 Franken. Weiter habe ich, wie in Folge 9 beschrieben, während dem Trocknen einen zweiten Diagonalventilator für 45 Franken und einen zweiten Aktivkohlefilter für 32 Franken im Einsatz gehabt. Macht insgesamt 936,8 Franken, Wasser- und Stromkosten noch ausgeschlossen.

Bevor ich weiterrechne, zünde ich mir erstmal den ersten reinen CBD-Gras-Joint aus eigener Zucht an. Mein Marihuana schmeckt süsslich-fruchtig – es ist mild und kratzt kaum im Hals.

Ich huste nur einmal.

Dann bediene ich mich der Rechnung von User Anonymous. Ich mag anonyme Tippgeber:

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Dank dem niedrigen THC-Anteil merke ich, dass mein Strompreis pro Kilowattstunde bei mehr als drei Rappen liegt. Genaugenommen sind es bei meinem Energietarif ein monatlicher Grundpreis von 3,23 Franken plus 8,13 Rappen pro Kilowattstunde bei Hochtarif oder 6,68 Rappen bei Niedertarif. Meine Natriumdampflampe zieht 400 Watt und läuft pro 7 Tage für 126 Stunden. Davon entfallen 71 Stunden auf Hochtarif-Strom. Das bedeutet: 55 × 0,4 × 0,0668 + 71 × 0,4 × 0,0813 = 1,4696 + 2,30892 = 3,78 Franken pro Woche.

Mit anderen Worten: Mein Grow-Experiment-Licht kostet durchschnittlich 54 Rappen pro Tag. Mal 103 Tage macht 55,62 Franken. Plus vier mal den monatlichen Grundpreis macht total 68,54 Franken.

Der Diagonalventilator zieht 23 Watt. Wenn er täglich 24 Stunden läuft, entfallen bei ihm wöchentlich 97 Stunden auf den Niedertarif und 71 Stunden auf den Hochtarif: 97 × 0,023 × 0,0668 + 71 × 0,023 × 0,0813 = 0,1490308 + 0,1327629 = 0,28 Franken pro Woche.

Einer der Ventilatoren lief für 103 Tage während 24 Stunden im Zelt. Plus zwölf Stunden während dem Trocknen. Der zweite war die letzten zehn Tage ausserhalb des Zeltes im Raum daueraktiv. Daher rechne ich mit 114 Tagen mal 0,04 Franken. Macht total 4,56 Franken.

So, was habe ich noch nicht beachtet? Den Strom für die USB-Frischluftventilatoren im Zelt während der Blütephase plus das Wasser. Beides schenke ich mir, womit sich die Totalausgaben auf insgesamt 1009,90 Franken belaufen. Plusminus. Wie gesagt, da Growen für mich ein Hobby ist, zähle ich meine «Arbeitsstunden» nicht dazu.

Fazit: Mit nur einem Grow habe ich nicht nur die gesamten Ausgaben gedeckt, sondern stünde dank grosser Ernte mit 1909,70 Franken im Plus, würde ich sie in Bares umwandeln. Doch das kam und kommt nie in Frage. Daher habe ich genau genommen kein Plus gemacht, sondern Geld gespart.

Was nun? Alles auf einmal inhalieren?

Mir gehen verschiedene Dinge durch den Kopf, die ich mit meiner Ernte anstellen kann. Mein Vaporizer freut sich bestimmt schon aufs Weed. Vielleicht werde ich eine Tonne Space-Cookies für die gesamte Belegschaft der Digitec Galaxus AG backen und auf der nächsten Firmen-Party im Club verteilen. Oder ich esse auch im Frühling, Sommer und Herbst wöchentlich Fondue und verwende es als Gewürzzugabe. Auch eignet es sich, um einen guten Schnaps noch besser zu machen. Einfach einige Blüten beigeben, den Schnaps ins Dunkle stellen und der Zeit ihren Lauf lassen, bis sich die Cannabinoide im Alkohol gelöst haben.

Mein Grinder hat endlich wieder zu tun.
Mein Grinder hat endlich wieder zu tun.

Ob das wirklich eine gute Idee ist? Was würdest du damit tun?

Wie guter Wein: Cannabis Fermentieren

Um was wirklich Gescheites mit dem vielen Grün anzustellen, verwerfe ich erstmal meine Pläne und mache mich an die Fermentierung. Das ist ein Prozess, bei dem eine enzymatische Umwandlung organischer Stoffe stattfindet. Bei der Herstellung von Salami, Joghurt oder auch alkoholischen Getränken (Gärung) geschieht im Herstellungsprozess eine Fermentation.

Beim Hanf dient das Fermentieren unter anderem dazu, noch mehr Grünstoffe abzubauen und dessen Geschmacksnoten zu intensivieren. Auch werden die Buds dadurch kompakter. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Cannabis wie guter Wein mit den Monaten und Jahren besser wird – dass das Genusserlebnis durch eine Reifung erheblich gesteigert wird. Die Veredelung soll zu einem absolut milden und (geschmacks-) intensiveren Erlebnis führen. Damit werden, wenn ich den Prozess und die Lagerung korrekt durchführe, meine Blüten zu einer Wertanlage mit Zinsen.

Wichtig ist, dass Cannabis-Blüten immer im Dunkeln aufbewahrt werden. Wird das nicht getan, können sich Cannabinoide wandeln oder abbauen. Daher gilt es, beim Fermentieren wie bereits beim Trocknungsprozess ein dunkler Ort in einem nicht zu warmen Zimmer auszuwählen. Am einfachsten lässt sich der Prozess mit Einmachgläsern bewerkstelligen. Um die enzymatische Umwandlung in Gang zu halten, benötigt es Mikroorganismen, eine passende Umgebung und regelmässiger Luftaustausch.

Die Mikroorganismen sind bei Hanf, wurde er korrekt getrocknet, bereits vorhanden. Daher muss ich die kommenden Wochen, Monate und Jahre lediglich für eine nicht zu hohe oder tiefe Luftfeuchtigkeit sorgen und die Deckel der Einmachgläser heben und wieder verschliessen. Die Luftfeuchtigkeit korrigiere ich bei Bedarf, indem ich die Gläser länger geöffnet lasse oder mir Wattepads und Wassertropfen zur Hilfe nehme, um mehr Feuchtigkeit zu geben.

Beim Luftaustausch werde ich sicherheitshalber stets auch nach Schimmel Ausschau halten und nach folgendem Plan vorgehen:

  • In den ersten 14 Tagen: Gläser zweimal täglich für rund 30 Minuten lüften.
  • Ab der dritten Woche: Gläser zweimal täglich für rund 20 Minuten lüften.
  • Ab der siebten Woche: Gläser täglich für rund 10 Minuten lüften.
  • Ab der elften Woche: Gläser alle zwei Tage für rund 10 Minuten lüften.
  • Ab der 14. Woche: Gläser alle drei Tage für rund 10 Minuten lüften.
  • Nach 20 Wochen: Gläser alle sieben Tage einmal für rund 15 Minuten lüften.

Ich hoffe, dass ich damit gut fahre. Falls du es besser weisst und Erfahrung mit dem auch Curen genannten Prozess hast, bin ich für Anregungen oder Verbesserungsvorschläge dankbar.

Process Successfully Completed

Es ist vollbracht. Auch wenn ich noch viel zu lernen habe, hat sich der Aufwand in den vergangenen 16 Wochen gelohnt. Mein Grower-Experiment war eine Achterbahnfahrt inklusive Krankheit, Tod, einem schwer zu bändigenden Dschungel sowie einem Happyend mit viel Marihuana.

Das muss ich unbedingt wiederholen. Dann aber mit einer LED anstelle der NDL.

Bis dahin bleiben nur noch zwei Dinge zu sagen:

  1. Bleib sauber und hüte deine Tüte.
  2. Please end prohibition, end illegalization, legalize weed!
Für den Inhalt dieses Artikels ist alleine der Autor verantwortlich. Er muss nicht die Sichtweise der Redaktion oder des Unternehmens widerspiegeln.

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Martin Jud
Martin Jud
Editor, Zürich
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

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