Zwei Mütter testen die Elvie Muttermilchpumpe

Zwei Mütter testen die Elvie Muttermilchpumpe

Simon Balissat
Zürich, am 25.09.2020
Elvie ist die kabellose, appgesteuerte Lösung für Mütter, die Milch abpumpen. Sie soll sich sogar diskret im BH verstecken und so ungeahnte Freiheiten bieten. Zwei Mütter haben das versucht, mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Nicole und Laura sind beide zum ersten Mal Mami und brauchen eine Muttermilchpumpe. Laura hatte einen Kaiserschnitt. Ihr Baby war zunächst zu schwach, selbst Milch zu saugen. Ohne Brustmilchpumpe hätte der Kleine die wichtige, erste Muttermilch nicht trinken können. Nicole pumpt auf Vorrat, damit sie das Haus auch mal alleine verlassen kann und «der Papa nicht alleine ist mit einem hungrigen Kind» wie sie schreibt. Beide sind sie auf das Gerät von Elvie gestossen, das nicht weniger als eine Revolution verspricht. Auf ihrem Blog schreibt die Firma, dass sie eine kleine Pumpe entwickeln wollte. Die Konkurrenz würde nämlich «eher einem Gerät zum Melken von Kühen ähneln». Statt einer Ansaugglocke, welche die Milch über eine Schlauch in den Milchbehälter befördert, ist bei Elvie alles kompakt in einem anatomisch geformten Gerät verpackt.

Das ganze Set
Das ganze Set

Da die Pumpe akkubetrieben ist, lässt sich Elvie überall mitnehmen und während des Betriebs im BH verstauen. In der Vorstellung der Macher*innen tanzen Mütter milchabpumpend Ballett auf der grossen Bühne und geniessen ihre Freiheit. So ein Quatsch...

Die Milchbehälter lassen sich einfach von der Pumpe entkoppeln und verschliessen, damit keine Milch daneben geht. Dass die Pumpe solide verarbeitet ist, darfst du bei diesem Preis erwarten.

Nicole und Laura haben das Zweierset vier Wochen lang getestet. Die Namen der jungen Mütter habe ich erfunden, die Frauen dahinter sind echt.

Ihr habt Elvie jetzt ein paar Wochen getestet. Was gefällt euch an der Muttermilchpumpe?
Nicole: Das ganze Design gefällt mir sehr gut, es ist abgespeckt und hat keinen unnötigen Schnickschnack. Ich kann tatsächlich abpumpen und dabei noch etwas anderes erledigen. Natürlich keine wilden Bewegungen, aber kochen oder waschen geht schon. Sogar beim Autofahren kann ich sie gut benutzen. Die einzelnen Teile sind selbsterklärend und einfach zu reinigen und sie könnten sogar in den Geschirrspüler. Ich wasche und desinfiziere sie aber von Hand.

Laura: Ich bin ein Spezialfall, da ich einen Kaiserschnitt hatte. Für mich war die Elvie da eine gigantische Hilfe. Im Krankenhaus hatte ich die Elvie noch nicht. Auch mit 100 Kissen im Rücken konnte ich nicht aufrecht sitzen. Da ist die normale Milchpumpe oft ausgelaufen. Der Horror: die so wertvolle Anfangsmilch rinnt beim Abnehmen der Pumpe einfach raus, weil ich nicht aufrecht genug sitzen konnte. Mit der Elvie kann ich relativ chillig auf dem Sofa lümmeln – das hätte es mir nach dem Kaiserschnitt so viel angenehmer gemacht. Hätte ich die Elvie von Anfang an gehabt, ich hätte mir so viele Tränen erspart.

Was hat euch nicht so gepasst?
Laura: Laut Anleitung soll ich erst die Brustschalen aufsetzen, dann die Pumpe draufklicken. Damit kam ich nicht klar. Ich konnte die Pumpe einfach nie draufklicken, wenn die Brustschale schon im Still-BH war. Zusätzlich sind die Markierungen unten an der Brustschale, sodass ich sie beim Anlegen gar nicht gesehen habe.

Ich setze einfach alles komplett zusammen und stecke die Pumpe in den Still-BH. Das geht problemlos. Nur wenn ich mich zu fest bücke läuft ab und an mal ein bisschen was daneben. Aber ergibt irgendwie Sinn, beim Bücken sitzt Elvie halt nicht mehr ganz so fest.

Nicole: Da habe ich ähnliche Erfahrungen. Für mich müsste Elvie die Akku-Leistung zudem deutlich verbessern, dieser hält lediglich für drei mal Pumpen. Das ist mir für unterwegs zu wenig.

Elvie wirbt damit, dass die Pumpe unsichtbar ist im BH. Im Werbevideo gehen Mütter einkaufen oder Kaffee trinken, währenddessen pumpt Elvie Muttermilch ab. Funktioniert das tatsächlich?
Laura: Das funktioniert so halb. Die Pumpe an sich kann ich easy verstecken. Unsichtbar finde ich sie aber nicht. Sie trägt logischerweise sehr auf. Ich habe locker zwei Körbchengrössen mehr. Das fällt schon auf. Mit einer Jacke über dem Top habe ich mich getraut, den Müll rauszubringen. Irritierten Blicke gabe es keine, mein Freund hat aber gleich gesagt, dass ich riesige Brüste habe.

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Nicole: Unsichtbar ist die Pumpe definitiv nicht. Bei mir sieht das eher aus wie eine verpfuschte Brust-OP. Bei einer kleineren Oberweite ist das möglicherweise unauffälliger, aber welche stillende Frau hat schon kleine Brüste? Was ich zusätzlich problematisch finde, sind die Geräusche beim Pumpen. Das lässt sich wohl nie ganz verhindern. Und die Pumpe hat beim Einschaltknopf ein helles Licht, welches man durch die Kleidung sieht. Das ist eine Spitzfindigkeit, wenn ich zu Hause bin stört das ja niemanden und draussen kann ich das gut kaschieren, zum Beispiel mit einem Schal oder so.

Ein weiteres Merkmal ist die App. Heute muss alles App gesteuert sein, meistens sind mir die Apps dann aber doch zu mühsam. Wie seht ihr das bei der Elvie?
Nicole: Ich habe die App vor allem am Anfang viel gebraucht, weil es einfach Spass machte damit zu spielen. Es ist ganz spannend zu sehen, wie viel Milch da jetzt rauskommt. Mittlerweile benutze ich sie nicht mehr. Es ist halt viel praktischer die Pumpe mit dem normalen Startknopf zu bedienen. Ausserdem wird die Verbindung oft unterbrochen und die Volumenanzeige in der App ist ziemlich ungenau.

Laura: Ja die Menge stimmt selten. Das ist halt blöd, wenn ich eine bestimmte Menge pumpen möchte und dann doch auf die Zeit schauen muss. Trotzdem find ich die App gut. Sie zeigt mir die Zeit und eben eine ungefähre Menge. Ich kann auch verschiedene Pump-Sessions vergleichen – dann weiss ich, wie lange es ungefähr für eine bestimmte Menge dauert. Zusätzlich gibt’s noch eine Menge Videos und Tipps in der App. Ein kleiner Tipp von mir: Schaut beim ersten Verbinden dass ihr links und rechts nicht tauscht, sonst gibt es ein grosses Durcheinander mit den Pumpen.

Die App während des Betriebs (links) und nach dem Abpumpen (rechts)
Die App während des Betriebs (links) und nach dem Abpumpen (rechts)

Was müssen potentielle Kundinnen sonst beachten?
Nicole: Die Pumpen müssen wirklich gut im BH sitzen, damit sie nicht verrutschen. Verrutschen sie während des Betriebs, tut das saumässig weh…

Laura: Ich würde auf jeden Fall das Zweierset nehmen. Ich pumpe ja ab, um Milch zum Füttern zu haben und nur selten, um nur eine Brust zu entleeren wegen Milchstau oder sowas. Zusätzlich wäre ich anfangs nicht mit einer einzelnen Pumpe klargekommen. Ich wäre auf der anderen Seite «ausgelaufen»… Ist das jetzt zuviel des Guten?

Nein, das sind wertvolle Infos… Zum Schluss: würdet ihr die Elvie wieder kaufen?
Nicole: Ich ehrlich gesagt nicht. Ich habe zum Vergleich noch eine Pumpe von Medela getestet und musste feststellen, dass die eine deutlich bessere Pumpleistung hat. Zwar habe ich dabei die Hände nicht frei, aber das Abpumpen dauert 10 Minuten und ich habe deutlich mehr im Behälter als bei der Elvie Pumpe. Ausserdem finde ich den Preis schon sehr hoch für diese Leistung.

Laura: Da bin ich anderer Meinung. Trotz des hohen Preises würde ich die Elvie wieder kaufen. All die Tränen und das Scheissgefühl mit der anderen Milchpumpe nur sitzen zu können und das wegen des Kaiserschnitts nicht einmal richtig… Für mich ist das die Elvie mehr als Wert! Jetzt finde ich sie super um «einfach mal so abzupumpen», weil es mich nicht stresst, wenn ich den Kleinen parallel kurz trösten muss. So kann ich auch mal länger weg und mir einen kleinen Vorrat einfrieren..

Danke habt ihr mir geholfen und alles Gute euch und eurer Familie

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Simon Balissat
Simon Balissat

Teamleader Editorial, Zürich

Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

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