Zwei Grossformatdrucker im Vergleichstest

Zwei Grossformatdrucker im Vergleichstest

Anne Chapuis
Zürich, am 05.10.2020
Co-Autor: Kevin Hofer
Für meine Schneiderarbeiten suche ich einen Grossformatdrucker. Da ich mich mit den Geräten nicht gut auskenne, teste ich während einem Monat zwei Drucker auf Tinte und Einzug.

Ich bin passionierte Schneiderin. Neben meiner Vollzeitarbeit bei Digitec Galaxus nähe und entwerfe ich Kleider und Accessoires. Grundlage all dieser Arbeiten sind Schnittvorlagen. Bis jetzt bedeutete das immer: Bastelarbeit. Damit soll jetzt Schluss sein.

Mein bisheriger Workflow

Ohne Grossformatdrucker blieb mir nichts anderes übrig, als die Schnittvorlagen auf A4 auszudrucken. Sobald ich alle Einzelteile zusammen hatte, machte ich mich mit Schere und Klebeband daran, aus den Einzelstücken ein Ganzes zu machen. Das ist sehr mühsam und dauerte lange. Nach meiner letzten Bastelrunde, die über zwei Stunden dauerte, hatte ich genug.

Ich entschliesse mich dazu, einen Grossformatdrucker anzuschaffen. Aber welchen nur? Es gibt so viele verschiedene Modelle.

Die Qual der Wahl

Es gibt einige Grossformatdrucker im Angebot. So ein Drucker wird mein Budget stark strapazieren. Ich will zwei Geräte aus zwei Preisklassen vergleichen und schauen, wie gross der Unterschied ist. Ebenfalls interessant finde ich den Aspekt, ob ein Grossformatdrucker mit oder ohne Auffangwagen kommt. Das ist wichtig für mich, da der Platz bei mir zuhause limitiert ist. Welcher Mehrwert bringt so ein Auffangwagen? Selbstverständlich spielt das Design auch eine Rolle. Zudem müssen Tinten und Papier gut verfügbar sein, sollten sie mir mal ausgehen.

Ich entscheide mich für diese zwei Modelle:

CANON imagePROGRAF TA-20, 24" (Tintenpatrone, Farbe)
Drucker/>
826.–
Canon CANON imagePROGRAF TA-20, 24" (Tintenpatrone, Farbe)
T830, 24" MFP DesignJet (Tintenpatrone, Farbe)
Drucker/>
3540.–
HP T830, 24" MFP DesignJet (Tintenpatrone, Farbe)

Bevor ich dir von meinen Testerfahrungen berichte, muss ich klarstellen, dass ich nicht Profi in Sachen Grossformatdrucker bin. Ich will damit auch nicht Plakate oder Pläne ausdrucken, sondern meine Schnittvorlagen. Erwarte also nicht einen allzu detaillierten Test. Ich teste die Drucker allein für meine Schnittmuster.

Die beiden Drucker im Vergleich

Ich bin keine Profischneiderin, weshalb ich zuhause wenig Platz für meine Leidenschaft habe. Ursprünglich wollte ich den Drucker auf einen Rollwagen stellen und ihn dann unter den Tisch schieben. Der DesignJet T830 von HP kommt bereits auf einem Trolley und ist mit seinen 109,8 Zentimetern zu hoch für unter den Tisch. Glücklicherweise lässt sich der Drucker auch ohne Wagen verwenden. Da ich bereits einen Rollwagen habe, tendiere ich aufgrund des Lieferumfangs eher zum Canon imagePROGRAF TA-20.

In der Tabelle findest du die wichtigsten Spezifikationen der beiden Drucker im Überblick:

HP DesignJet T830, 24"Canon imagePROGRAF TA-20, 24"
Max. Druckauflösung (dpi) 2400 x 1200 2400 x 1200
Rand bei Rolle/ Blatt (mm) 5 x 5 x 5 x 5 mm /

5 x 5 x 5 x 5 mm
3 x 3 x 3 x 3 mm oder 0 x 0 x 0 x 0 mm randlos/

5 x 5 x 5 x 5 mm
Max. Rollenbreite (cm) 61  61 
Max. Druckpräzision± 0,1% ± 0,1%
Max. Papierdicke0,8 mm 0,8 mm
Dimensionen L × T × H (mm) 1 098 x 629 x 1 155 (mit Wagen) 982 x 748 x 438
Gewicht (kg) 51 (mit Wagen) 37
Weitere FunktionenScannerRandlos-Druck
Preis (Stand 1.10.20)2359 CHF 810 CHF

Herkömmliche Drucker für zuhause sind schon keine Leichtgewichte. Die Grossformatdrucker spielen aber in einer eigenen Liga: Der Canon wiegt 37 und der HP 51 Kilogramm. Willst du die Dinger regelmässig bewegen, bist du also definitiv auf einen Wagen angewiesen.

Beide Modelle sind Farbtintenstrahldrucker (Schwarz, Cyan, Magenta und Gelb). Der Canon ist ausserdem mit einer mattschwarzen Tintenpatrone ausgestattet. Mattschwarz wird für Hochqualitätsdrucke verwendet.

Beide Modelle haben eine Auflösung von bis zu 2400×1200 dpi. Für meine Schnittmuster benötige ich nicht die höchste Druckqualität, aber sie zu haben schadet definitiv nicht. Vor allem nicht, wenn ich doch noch etwas anderes drucken möchte.

Bei der Druckgenauigkeit geben HP und Canon eine maximale Abweichung von ± 0,1 Prozent an. Das ist ein grosser Vorteil gegenüber meinem Bastelsystem. Dort hatte ich pro Zentimeter jeweils 0,6 Millimeter Abweichung. Das hört sich nach wenig an, entspricht auf einem Meter aber 6 Centimeter. Das ist genug, um ein Stück zu ruinieren.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Für meinen Test verwende ich ein Schnittmuster, das ich mit der Software CAD Grafis erstellt habe. Da ich den Drucker bei uns im Büro nicht ins Netzwerk einbinden kann, verbinde ich mein Notebook direkt drahtlos mit den Druckern. Bei HP steht nebst diesen Verbindungsmöglichkeiten noch ein USB-C-Steckplatz und bei Canon ein USB-B-Steckplatz für die kabelgebundene Kommunikation zur Verfügung.

HP DesignJet T830

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Der DesignJet T830 ist der erste Grossformatdrucker, den ich teste. Ich bin von der Grösse des Druckers etwas eingeschüchtert. Nach einem Moment des Zweifelns reisse ich mich zusammen und fange an, mit dem Drucker herumzuspielen.

Der Wagen ist praktisch. Mit ihm ist es leicht, den Drucker im Büro herumzuschieben. Bei uns kann es ganz schön chaotisch sein und ich kann den Drucker nicht immer am selben Ort stehen lassen. Alles in allem gefällt mir das Design des HP-Grossformatdruckers. Der Touchscreen ist nicht zu klein und reagiert gut.

Abgesehen von der Ästhetik des Druckers gibt es eine praktische Funktion, die ich zu wenig verwenden würde: Der DesignJet ist ebenfalls ein Grossformatscanner. Die Idee, bestehende Schnittmuster zu scannen, ist reizvoll. Nicht alle Näherinnen arbeiten mit Computersoftware.

Um den Drucker zu testen, wähle ich das Schnittmuster eines Rocks. Dabei fällt mir auf: Die 24-Zoll-Breite des Druckers ist nicht ausreichend. Damit ich Vorder- und Rückseite des Rocks auf das Papier kriege, muss ich sie vertikal untereinander anordnen. Horizontal nebeneinander funktioniert das nicht. Damit ich nicht zu viel Papier verschwende, fülle ich den leeren Raum mit anderen Elementen wie Taschen oder dem Bund zum Rock. Ich könnte die Rockteile auch zusammenkleben, aber davon habe ich nach Jahren mit meinem A4-Drucker genug.

Der Druck des Musters ist sehr gut. Die Linien sind fein und ich kann die verschiedenen Grössen perfekt erkennen. Für den Test habe ich Standardpapier mit 90 g/m2 Grammatur verwendet. Gemäss Hersteller kann der Drucker jedoch mit Papier von 60 bis 280 g/m2 auf der Rolle (oder manuellem Einzug) verwendet werden, was einer Blattdicke von etwa 0,8 mm entspricht.

Ich bevorzuge dickeres Papier. Wenn ich ein Muster erstelle, möchte ich es lange Zeit verwenden. Je dicker das Papier, desto stabiler das Muster. Das erleichtert es mir auch auf dem Stoff nachzuzeichnen und ihn auszuschneiden.

Der HP-Drucker ist mit vier Tintenpatronen (Cyan, Magenta, Yellow, Mattschwarz) ausgestattet. Sie sind in den Grössen 40 ml (C, M, Y), 69 ml (MBK), 130 ml (C, M, Y) und 300 ml (C, M, Y und MBK) erhältlich. Die Preise liegen mehr oder weniger zwischen 60 und 295 Franken, je nach Grösse der Kassetten. Das hört sich nach viel an, da meine Muster jedoch sehr dünn sind, muss ich die Patronen wohl nur selten ersetzen. Der Preis für eine Standardpapierrolle mit 90 g/m² und einer Länge von 45,7 Metern beträgt 39 Franken.

Hier findest du alle Toner und Papierrollen zum HP-Drucker.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Abgesehen davon, dass mein Schnittmuster nicht wirklich optimal für die Grösse des Druckers ist, ist der DesignJet ein guter Drucker.

Weiter geht’s mit der zweiten Bestie: dem Canon imagePROGRAF TA-20, 24".

Canon imagePROGRAF TA-20, 24"

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Vom Design her gefällt mir das HP-Modell besser. Das runde Gehäuse des Canon-Druckers ist nicht wirklich mein Ding. Jedoch ist die Grösse des Canon-Modells besser für mich geeignet.

Ein Merkmal sticht mir beim Lesen der Anleitung ins Auge: Das Gerät kann randlose Drucke erstellen. Kann ich mein Röckchen gar im Querformat drucken?

Ich verbinde den Drucker direkt per Wifi mit meinem Notebook und probiere es gleich aus. Wieder kein Glück. Selbst mit der randlosen Druckfunktion ist der Rock immer noch zu lang, um ihn horizontal zu drucken. Ich mache es also wie vorher. Nach ein paar Sekunden Drucken stelle ich fest, dass das Papier wegen des Tisches nicht optimal fällt. Der Wagen mitsamt Auffangnetz beim HP hat definitiv seine Vorteile.

Links der Canon-Drucker in Aktion, rechts der HP-Drucker.
Links der Canon-Drucker in Aktion, rechts der HP-Drucker.

Die Linien des Drucks sind fein, die Farben satt. Alles in Allem gefällt mir das Endergebnis sehr gut. Ich kann keinen Unterschied bei der Druckqualität der beiden Drucker erkennen.

Der Canon-Drucker hat fünf Tintentanks: Cyan, Magenta, Yellow, Schwarz und Mattschwarz. Im Lieferumfang ist ein Kartuschensatz mit je 55 ml plus einer zusätzlichen mattschwarzen Kartusche enthalten. Die Preise liegen hier bei etwa 60 Franken für eine 55 ml-Kartusche. Die 50 Meter lange 90 g/m2 Papierrolle kostet rund 40 Franken. Hinsichtlich der Grammatur hat der Canon einen Vorteil gegenüber dem HP: Der imagePROGRAF erricht bis zu 300 g/m2.

Hier findest du alle Toner und Papierrollen zum Canon-Drucker.

Fazit: Schade, habe ich nicht mehr Geld und Platz

In Bezug auf die Funktionalität ähneln sich die Geräte. Beide bieten die gleiche Druckqualität und können auf Papier mit bis zu 0,8 Millimeter Dicke drucken. Preislich spielen die beiden aber in unterschiedlichen Ligen. Das liegt daran, dass der HP-Drucker ein Multifunktionsgerät mit Scanner ist. Hinzu kommt, dass bei HP der Wagen inbegriffen ist.

Wenn ich mehr Platz für meine Leidenschaft, ein grösseres Budget und Muster zum Scannen hätte, würde ich mich eindeutig für den HP Grossformatdrucker entscheiden. Leider ist das nicht der Fall. Für mich ist das Canon-Modell die bessere Option. Jetzt muss ich nur noch einen netten Brief an den Weihnachtsmann schreiben oder im Lotto gewinnen.

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Anne Chapuis
Anne Chapuis

Senior Translator, Zürich

Meine Savoyer Heimat verliess ich für die schöne Schweiz, wo mein Leben von zwei Leidenschaften bestimmt wird: schneidern und schiessen. Natürlich alles in fehlerfreiem Schwiizerdüütsch – merci, Mama!

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