NASA, ESA, CSA, STScI, Amy Simon (NASA-GSFC), Michael Wong (UC Berkeley); Image Processing: Joseph DePasquale (STScI)
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Zwei Gesichter des Saturn

Im Infrarot und im Visuellen offenbart der Anblick des Ringplaneten deutliche Unterschiede, wie neu veröffentlichte Bilder der NASA zeigen.

Immer wieder werden die beiden Weltraumteleskope James Webb (JWST) und Hubble (HST) auf die Planeten des Sonnensystems gerichtet, wenn sie gerade günstig für eine Beobachtung am Himmel stehen. Diese beiden Bilder des Ringplaneten entstanden bereits im Jahr 2024, wurden aber erst im März 2026 von der NASA präsentiert. Das linke Bild wurde mit dem JWST am 29. November 2024 im Infrarot aufgenommen; das rechte mit Hubble im Visuellen am 22. August. Die Beobachtungen finden im Rahmen des Programms OPAL (Outer Planet Atmospheres Legacy) statt, das seit mehr als 30 Jahren das Weltraumteleskop Hubble nutzt, um Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun mindestens einmal im Jahr zu fotografieren. Seit einigen Jahren wird zusätzlich das JWST dafür eingesetzt.

Im Infrarotbild von Saturn, bei einem Wellenlängenbereich zwischen 1,64 und 4,7 Mikrometern, zeigen sich deutlich die Dunstschichten in der Atmosphäre, auch die überwiegend aus Wassereis bestehenden Ringe leuchten strahlend hell. Sie reflektieren die Wärmestrahlung der Sonne sehr gut, sodass sie heller als der Planet selbst erscheinen. Im Jahr 2024 befand sich Saturn nahe seiner Tagundnachtgleiche, dem Äquinoktium, das er alle 15 Jahre durchläuft. Daher erscheinen die Ringe in beiden Bildern nur wenig geöffnet. Auf dem JWST-Bild sind auch einige Saturnmonde zu sehen, besonders auffällig ist der etwa 1100 Kilometer grosse Mond Dione links unterhalb der Ringe. Saturn wird von mindestens 285 Monden umrundet und hält damit den Rekord im Sonnensystem. Erst im März 2026 wurden elf weitere neue Saturnsatelliten gemeldet, sie sind allerdings viel kleiner als Dione.

Das Hubble-Bild rechts entstand im visuellen Bereich durch vier schmalbandige Filter, die Saturn im Bereich zwischen 395 und 631 Nanometern vom blauen bis ins rote Licht abdecken. Dabei gilt: 1 Nanometer = 10-3 Mikrometer = 10-9 Meter. Durch die Filterung treten Strukturen in der Atmosphäre deutlich hervor, darunter Stürme und die kontrastreiche Bänderung, die durch die rasche Rotation des Ringplaneten von etwas mehr als zehn Stunden entsteht. Mit dem blossen Auge betrachtet, erscheint Saturn wesentlich kontrastärmer. Die markanten Bänder zeigen sich nur bei genauem Hinsehen und sehr guten Beobachtungsbedingungen; der Planet erscheint sonst fast gleichförmig in einem gelblich-braunen Farbton.

Auch in der Hubble-Aufnahme finden sich einige der kleinen Saturnmonde, am besten ist Mimas links unterhalb der Ringe und links der Mitte der Planetenscheibe als weisser Punkt zu sehen. Er wirft sogar einen winzigen dunklen Schatten auf die Wolkendecke. Da er nur einen Durchmesser von etwa 400 Kilometern hat, ist er im Vergleich zu Saturn mit dem zehnfachen Erddurchmesser (rund 120 000 Kilometer) ein Winzling.

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Titelbild: NASA, ESA, CSA, STScI, Amy Simon (NASA-GSFC), Michael Wong (UC Berkeley); Image Processing: Joseph DePasquale (STScI)

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