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Zuckerbergs Vision des Metaverse ist gescheitert

Debora Pape
14.1.2026

Nach jahrelangem Festhalten an dem Versuch, Virtual Reality massentauglich zu machen, gibt Zuckerberg auf. Zukünftig konzentriert sich Meta auf KI und smarte Wearables.

Der Versuch, Virtual Reality (VR) dem Mainstream-Publikum schmackhaft zu machen, ist gescheitert: Meta fährt seine VR‑Ambitionen deutlich zurück und schließt drei Studios, die VR-Games für Mark Zuckerbergs Konzern entwickelten. Stattdessen will sich das Unternehmen auf KI und die Weiterentwicklung von Augmented-Reality-Brillen konzentrieren.

Mit dem milliardenschweren Kauf von Oculus im Jahr 2014, einem Unternehmen, das VR-Brillen massentauglich machte, legte Zuckerberg den Kurs für die kommenden Jahre fest: ein breites Publikum für VR zu begeistern. Nach dem Launch mehrerer VR-Headsets kündigte er 2021 das Metaverse an. Bis zu den 2030er Jahren sollte sich diese Online-Plattform zum virtuellen, immersiven Sammelpunkt für Milliarden Menschen etablieren, um dort zu arbeiten, mit anderen zu interagieren und die Freizeit zu verbringen.

Die Konzernsparte Reality Labs gab enorme Summen dafür aus: Allein zwischen 2021 und 2025 beliefen sich die Verluste auf mehr als 70 Milliarden US-Dollar.

Nischenprodukte trotz hoher Investitionen

Wie kein anderes Unternehmen schien Meta unter Zuckerbergs Führung einem einfachen Grundsatz zu folgen: Die hohen Investitionen in die Bereitstellung solider Produkte werden sich auszahlen und wenn es soweit ist, wird Meta den selbst aufgebauten Markt dominieren. Die Meta-Quest-Headsets sind gut und für die Verbraucherschaft bezahlbar, die Spiele unterhalten – und doch blieb das Interesse der Zielgruppe verhalten.

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Trotzdem hielt Meta jahrelang an seiner Strategie fest und schien entgegen aller Kritiken die verhaltene Resonanz aussitzen zu wollen. Nun schreibt das Unternehmen die investierten Milliarden ab und justiert seinen Kurs.

Das bekommt besonders die Reality-Labs-Sparte zu spüren. Etwa zehn Prozent der Mitarbeitenden verlieren ihre Arbeit, das sind mehr als 1000 Menschen. Das geht aus einem internen Rundschreiben hervor, auf das sich Bloomberg beruft. Drei VR-Spielestudios werden geschlossen: Twisted Pixel Games («Marvel's Deadpool VR»), Sanzaru Games («Asgard's Wrath») und Armature Studio («Resident Evil 4 VR»).

Auch die Weiterentwicklung der VR-Fitness-App Supernatural fällt dem Rotstift zum Opfer. Insgesamt will Meta das Reality-Labs-Budget um 30 Prozent kürzen – und setzt stattdessen auf alltagsrelevante KI-Gadgets.

Meta konzentriert sich auf KI und smarte Interfaces

Gänzlich überraschend ist Metas Schritt nicht, sich auf die Entwicklung von KI-Wearables, insbesondere smarte Brillen, zu konzentrieren. Mit Llama verfügt das Unternehmen bereits über ein etabliertes Large Language Model (LLM). Im Gegensatz zu schweren und im Alltag unbrauchbaren VR-Headsets bieten smarte Brillen mehr Use Cases: Damit lässt sich etwa unterwegs freihändig mit dem KI-Assistenten sprechen und Aufzeichnungen anfertigen.

In Kooperation mit der Marke Ray Ban brachte Meta Ende 2023 solche Smart Glasses auf den Markt. Sie sind mittlerweile auch in Europa erhältlich und wurden zum Überraschungserfolg. Zukünftig sollen smarte Brillen auch AR-Inhalte anzeigen. Augmented Reality blendet nur für die Augen der individuellen Nutzer virtuelle Inhalte über der realen Umgebung ein. 2024 stellte Meta mit der Meta Orion eine solche AR-Brille vor, die jedoch noch nicht serienreif ist.

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Für Zuckerberg ist das eine Flucht nach vorn, aber sie birgt auch Risiken. Meta genießt nicht den besten Ruf und ist immer wieder in Datenskandale verwickelt. Ob die breite Masse bereit ist, ihre Privatsphäre für smarte Brillen und KI-Assistenten im Alltag weiter zu öffnen, bleibt für den Konzern die entscheidende Frage.

Titelbild: Shutterstock/Gorodenkoff

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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