Wozu dient die kleine Vordertasche bei einer Jeans?
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Wozu dient die kleine Vordertasche bei einer Jeans?

Vanessa Kim
Zürich, am 27.01.2022

Hast du dich schon mal gefragt, was die Mini-Tasche bei einer Jeans oder die Löcher bei Chucks sollen? Die vermeintliche Deko hat eine Funktion.

Die Details machen den Unterschied. Seit Jahrzehnten motzen Designer langweilige schlichte Basics mit individuellen Akzenten auf. So wird beispielsweise aus einem simplen weissen T-Shirt mit Rüschen oder einem Kragen ein Hingucker. Doch nicht jedes Stilmittel hat nur einen dekorativen Zweck. Es gibt auch modische Elemente, die dir den Alltag erleichtern – oder erschweren.

Die beiden Seitenlöcher an Chucks

Ich habe lange gedacht, dass die beiden Löcher an der Innenseite der Chuck Taylor All Stars als Lüftung für Schweissfüsse dienen. Schliesslich handelt es sich bei den Sneakern ursprünglich um Basketballschuhe. Weit gefehlt. Ihre Funktion hat aber dennoch was mit der Ballsportart zu tun: Sie bieten beim Training besseren Halt. Hierfür ziehst du den Schnürsenkel aus den oberen Löchern raus und fädelst ihn stattdessen von innen nach aussen durch das erste und anschliessend von aussen durch das zweite Loch. Anschliessend schnürst du deinen Sneaker normal nach oben hin weiter. Die meisten Chuck-Träger:innen schnüren ihn standardmässig überkreuzt. Das herkömmliche Überkreuzen hat den Vorteil, dass sich die Schnürsenkel beim An- und Ausziehen leichter lösen.

Bild: Albo/Shutterstock
Bild: Albo/Shutterstock

Die Mini-Tasche an Jeanshosen

Wofür ist diese Mini-Pocket da, die über der rechten Vordertasche deiner Denim aufgenäht ist? Ich brauche sie für Krimskrams, wie einen losen Airpods-Hörer oder einen Fingerring, wenn ich mal in Eile bin und nicht weiss, wohin damit … Ihre ursprüngliche Funktion ist allerdings eine andere: Die Five-Pocket-Jeans war in den späten 1800ern eine robuste Arbeiterhose, die von Goldgräbern, Bergleuten und Cowboys getragen wurde. Da es damals weder Smartphones noch Armbanduhren gab, trugen sie Taschenuhren auf sich. Damit der Zeitmesser bei der Arbeit geschützt war, bewahrten ihn die Männer statt in der Weste, wie das üblicherweise der Fall war, in der sogenannten «Watch Pocket» auf. Dank des an der Gürtelschlaufe befestigten Anhängers hatten sie die Zeit mit einem Griff im Blick. Auch heute macht die Five-Pocket-Jeans ihrem Namen noch alle Ehre: Wahrscheinlich ist das der Grund dafür, warum die heute vermeintlich überflüssige Mini-Tasche immer noch hergestellt wird.

Bild: DenisProduction.com/Shutterstock
Bild: DenisProduction.com/Shutterstock

Die Schulterklappen an Mänteln

Ob Epauletten schön sind oder nicht, darüber lässt sich streiten. Fakt ist, dass sie praktisch sind. Die Lasche samt Knopf hält den Träger deiner Tasche an Ort und Stelle. Will heissen, dass der Taschenriemen beim Tragen nicht ständig von der Schulter rutscht, wenn du ihn daran befestigst. Die Schulterklappen dienten ursprünglich nicht nur zum Anbringen von militärischen Abzeichen, sondern auch zum Fixieren von Munitionstaschen, Gewehrschulterriemen oder Bajonetten. Zugegeben: Das Befestigen hat auch einen Haken. Es ist umständlich, die Lasche jedes Mal zu öffnen, sobald du deine Tasche ablegst. Bei längeren Spaziergängen ist dieser Trick allerdings Gold wert. Oder, wenn dir ein Taschendieb das gute Stück von der Schulter reissen will.

Bild: Dmytro Sheremeta/Shutterstock
Bild: Dmytro Sheremeta/Shutterstock

Das einsame Knopfloch an Sakkos

Beim Zuknöpfen eines Sakkos fällt mein Blick immer wieder auf ein vereinsamtes, zugenähtes Knopfloch am Revers – also dem umgeschlagenen Teil des Anzugs. Das partnerlose Knopfloch hat einen historischen Hintergrund. In den 1800ern löste das Revers den hochgeschlossenen Stehkragen ab, der an warmen Tagen stets heruntergeklappt wurde. Um auch das Revers hochgeklappt tragen zu können, war der oberste Gegenknopf inklusive Knopfloch nötig. Im Laufe der Zeit und mit dem Sinken des Kragens wurde der oberste Knopf immer häufiger vernachlässigt und von den meisten Schneider:innen weggelassen. Das Knopfloch hingegen blieb und wurde stets zweckentfremdet, zum Beispiel als Halterung für Blumen an Festen. Im Alltag wird es mit einer Reversnadel aufgehübscht oder stillschweigend akzeptiert.

Bild: Alex Yakimovski/Shutterstock
Bild: Alex Yakimovski/Shutterstock

Viele Dinge nehmen wir hin, ohne sie zu hinterfragen. Schade eigentlich, wenn sie doch eine praktische Funktion erfüllen könnten. Gibt es ein Detail an deinen Klamotten oder Schuhen, das dich rätseln lässt? Dann ab in die Kommentarspalte damit.

Auftaktbild: cottonbro/Pexels

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Vanessa Kim
Vanessa Kim

Editor, Zürich

Wenn ich mal nicht als Open-Water-Diver unter Wasser bin, dann tauche ich in die Welt der Fashion ein. Auf den Strassen von Paris, Mailand und New York halte ich nach den neuesten Trends Ausschau und zeige dir, wie du sie fernab vom Modezirkus alltagstauglich umsetzt.

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