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Welches Badminton-Racket brauche ich? Der Experte weiss Rat

Kopf- oder grifflastig, Aluminium oder Graphit, leicht oder schwer – die Wahl des passenden Badmintonschlägers ist nicht einfach. Wir möchten dir die Entscheidung etwas erleichtern und haben dazu Thomas Münzner interviewt. Er ist Co-Geschäftsführer von Yonex in der Schweiz. Yonex ist ein schweizweit und weltweit marktführender, japanischer Badminton-Brand. Thomas' Antworten findest du hier.

Wie finde ich den für mich passenden Badmintonschläger?

Badmintonschläger sind, wie viele Produkte der Industrie – ganz allgemein formuliert – je teurer, desto besser. Ähnlich wie Autos. Nur kosten sie glücklicherweise viel weniger als Autos, nämlich maximal etwa 300 Franken. Zuallererst sollte man sich also fragen, wie viel Geld man überhaupt für das neue Badmintonracket ausgeben will. Man kann die Schläger auf dem Markt grob in drei Preisklassen einteilen:

  • 20 bis 100 Franken: Hier bezahlt man in erster Linie dafür, das Gewicht zu reduzieren. Denn die günstigsten Rackets sind aus Stahl, dann folgt Alu. Ab 50 Franken kommt Graphit dazu. Für etwa 90 Franken kann man heute ein gutes Vollgraphitracket kaufen, das aus einem Stück gebaut ist (sogenannte One-Piece-Konstruktion). So ein Racket ist ungefähr 80 bis 90g schwer und damit genauso leicht wie die allermeisten teureren Rackets.
  • 100 bis 200 Franken: Hier ist durch die Verwendung von Graphit das gute Gewicht für ein Badmintonracket schon gegeben. Das ist also kaum ein Kriterium mehr. Was jetzt ins Spiel kommt, sind Technologien und verschiedene Ausprägungen von Rackets, die auf die individuellen Wünsche der Spieler(innen) eingehen.
  • 200 bis 300 Franken: Die Schläger dieser Preiskategorie sind Spitzenrackets, die genauso auch von Profis verwendet werden. Das Tolle an diesen Rackets: Man kann sie auch als Anfänger gut verwenden. Denn sie machen das Badmintonspielen leichter, und das auf jedem Niveau. Was in dieser Preislage reinkommt: Kluge Ideen aus der Hochtechnologie, z.B. aus der Nanotechnologie, verbessertes Material, verbesserte Aerodynamik und vieles mehr.

Bei der Wahl des Badmintonrackets spielt dein Niveau keine Rolle. Auch als Anfänger kannst du «Profi-Rackets» wie das des Ausnahmeathleten Lin Dan problemlos spielen.

Und abgesehen vom Preis – worauf muss ich beim Kauf achten?

Der Preis ist sicher schon mal ein ziemlich guter Anhaltspunkt zur Orientierung. Ein weiteres Kriterium ist die Qualität. Diese lässt sich leider kaum einschätzen, wenn man vor dem Computer ein Bild des Rackets sieht oder wenn man im Laden eines in der Hand hält. Das merkt man dann erst beim Spielen. Grundsätzlich ist ein hoher Preis aber schon ein Indikator für gute Qualität. Yonex-Rackets werden übrigens häufig gefälscht und zu Spottpreisen angeboten. Superbillige Toprackets sind immer Fälschungen. Ich empfehle darum natürlich, das Racket in der Schweiz zu kaufen.

Gibt es spezielle Schläger für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis?

Nein, das gibt es nicht. Wie gesagt: Ein besseres Racket macht immer ein besseres Spiel. Es ist wie beim Velofahren: Ein Profi mit 60kg Gewicht fährt mit einem 7kg schweren Velo für 10'000 Franken deutlich schneller den Berg rauf als mit einem 12-kg-Göppel für 500 Franken. Aber auch ein Anfänger mit 90kg Eigengewicht fährt mit dem leichten Velo schneller hoch, nicht wahr? Darum: Je besser das Racket, desto mehr Freude am Spiel! Völlig egal auf welchem Spielniveau.

Was bedeutet kopf-/grifflastig?

Nun, im Badminton ist es ziemlich zentral, den Shuttle hart schlagen zu können. Jede(r), die/der schon mal Badminton gespielt hat, weiss das. Nur schon ein Schlag von Grundlinie zu Grundlinie erfordert viel Kraft und Technik. Zu deiner Frage: «Kopflastig» bedeutet, dass der Kopf (im Vergleich zum Griff) des Rackets schwerer ist, zum Beispiel indem etwas Metall eingebaut wurde. Wenn man nun mit einem kopflastigen Racket eine lange Schlagbewegung macht, etwa einen Smash, bei dem man viel Zeit hat zum Ausholen, kann man das Gewicht im Schlägerkopf (für Physiker: Hebelgesetz) gut auf den Shuttle bringen und so hart schlagen. Problem aber: Bei einer kurzen Schlagbewegung lässt sich der schwere Racketkopf etwas Zeit, bis er reagiert (Trägheitsgesetz).

Und beim grifflastigen Racket ist es genau umgekehrt?

Ganz genau! Ein grifflastiges Racket ist schwächer beim Smash, aber schneller bei kurzen Bewegungen aus der Hand raus. Und als Kompromiss gibt es ausgeglichene Rackets. Man kann also nicht sagen, dass sich mit dem einen oder anderen Racket härter schlagen lässt. Nein, es kommt auf die Ausholbewegung an. Und die Technik. Und wiederum spielt das Spielniveau keine Rolle.

Je nach Technik und Ausholbewegung empfiehlt sich ein ausgeglichenes, kopf- oder grifflastiges Racket.

Yonex beispielsweise hat ja verschiedene Schlägerlinien wie Voltric, Arc Saber, Duora oder Nanoray. Was unterscheidet diese?

Yonex hat sich schon vor langer Zeit entschieden, die oben angesprochene Lastigkeit von Badmintonrackets als Kriterium zu nehmen, um die Racketserien zu definieren und voneinander zu unterscheiden. So sind alle Voltric kopflastig, alle Arc Saber und alle Duora ausgeglichen, und alle Nanoray grifflastig.
Übrigens: Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal (innerhalb jeder Serie) ist die Rahmenhärte eines Rackets. Harte Rackets sind gut für ein präzises Spiel, die Power aber muss vom Spieler kommen. Weiche Rackets haben mehr Power, allerdings muss man da immer Abstriche bei der Präzision machen. Es besteht also immer ein Zielkonflikt zwischen Power und Präzision.

Ok, aber welches Racket soll ich dann konkret kaufen, wenn ich jetzt vor dem Bildschirm sitze, das riesige Angebot sehe und keinen Schimmer habe?

Grundsätzlich solltest du dich nicht fragen, welcher Spieler-Typ du bist. Sondern was du von deinem Racket erwartest. Es stellen sich dir fürs Erste 3 Fragen:

  • Frage 1: Willst du Power, wenn du Zeit hast zum Schlagen, oder Power, wenn du keine Zeit hast? Oder einen Kompromiss? Antwort Power mit Zeit: Kopflastige Rackets, z.B. die Yonex Voltric-Serie. Antwort Power ohne Zeit: Grifflastige Rackets, z.B. die Yonex Nanoray-Serie. Antwort Kompromiss: Ausgeglichene Rackets, z.B. die Yonex Arc Saber- oder Duora-Serie.
  • Frage 2: Willst du grundsätzlich Power oder Präzision? Oder einen Kompromiss? Antwort Power: Weiche Rackets aus der Serie, die du in Frage 1 gewählt hast. Antwort Präzision: Harte Rackets aus der Serie, die du in Frage 1 gewählt hast. Antwort Kompromiss: Mittelharte Rackets aus der Serie, die du in Frage 1 gewählt hast.
  • Frage 3: Wie viel willst du bezahlen? Hier gilt es nun, ein Racket zu finden, das zu deinen ersten 2 Antworten und in dein Budget passt. Für Unschlüssige empfehle ich, mindestens ein Vollcarbonracket wie das Isometric Lite 3 zu nehmen. Es ist für den Preis sehr leicht und in Sachen Balance ausgeglichen: Es ist ein gutes Racket zu einem vernünftigen Preis.

Natürlich kann auch das Design eine Rolle spielen bei der Auswahl eines Rackets. Oder andere Kriterien. Die entscheidenden drei Fragen, die du dir stellen solltest, sind aber die drei erwähnten. Wenn du da gut wählst, wirst du jede Menge Spass haben beim Badmintonspielen.

Bei der Wahl des Badmintonrackets gilt es, zwischen Power und Präzision abzuwägen.

Wie ist es denn mit der Bespannung?

Viele meinen, eine harte Bespannung mache einen harten Smash. Tatsächlich ist es genau umgekehrt! Zum Vergleich: Ein weiches Trampolin lässt dich hoch springen, nicht ein hartes, nicht wahr? Bei Yonex kommen übrigens alle Badmintonrackets bespannt. Die Werksbespannung bei uns hat immer ca. 9 kg. Wenn man ein Racket neu bespannt, kann man hier Einfluss nehmen. Wiederum gilt: Härter gibt mehr Präzision, weicher gibt mehr Power. Profis bespannen mit bis zu 15 kg, das empfehle ich aber ganz und gar nicht für Normalsterbliche. Denn trifft man den Shuttle mit einem solchen Racket nicht gut in der Mitte der Bespannung, passiert wenig bis gar nichts.

Ok, die Bespannungshärte ist klar, aber was ist mit der Saite selber?

Badmintonsaiten sind alle multifil, also aus vielen einzelnen Fäden aufgebaut, und tendenziell auf Power ausgegelegt. Monofile Saiten aus Polyester, wie im Tennis, gibt es nicht. Es gibt eine grosse Auswahl an Saiten, generell aber kann man sagen: Dickere Saiten halten länger, dünnere Saiten haben mehr Zug, halten aber weniger lange. Bei Yonex ist die Werksbespannung bei den hochpreisigeren Rackets die BG68ti, eine mit Titanium verstärkte, eher dünne Saite in Weiss.

Du spielst natürlich auch, mit welchem Racket?

Natürlich, fast jeden Tag! Und ich hab immer noch Freude daran wie am ersten Tag. Mein Racket ist das Yonex Nanoray 800. Es ist hart und grifflastig, damit präzise und schnell, wenn es schnell gehen muss - grossartig! Übrigens: Am 21. August startet die Badminton-WM in Glasgow, schaut mal rein auf Youtube!

Zu allen Badmintonrackets

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Theresa Schieder

Weil ich nicht kochen kann, Mühe bei der Wohnungseinrichtung habe und kein IKEA-Gestell richtig aufmontieren kann, bin ich bei Galaxus begeisterte Sport-Marketing Managerin. Auch privat bin ich beim Sport voll in meinem Element – auf dem Velo, dem Tennisplatz, der Skipiste, im Schwimmbecken oder im Fitnessstudio. Auch der Fussball – und ganz besonders der FC Bayern München – ist meine grosse Leidenschaft.

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