
Was die Analyse von 36 168 Profi-Dartwürfen ergeben hat
Dart ist längst kein Proleten-Sport mehr, sondern die perfekte Disziplin für die Wissenschaft. Eine standardisierte Aufgabe mit wunderbar messbarem Resultat. Immer wieder eins, zwei, drei Würfe – wobei der erste am wahrscheinlichsten daneben geht.
Seit die besten Pfeilewerfer der Welt aus den Kneipen geholt wurden und im Scheinwerferlicht von Mehrzweckhallen stehen, ist die Ausgangslage noch einfacher geworden. Die Hallen sind voll, das Publikum auch. Aber die Athleten sind inzwischen Vollprofis. Nüchterne Wurfmaschinen mit Nerven aus Draht, die ihre Pfeile aus 2.37 Metern Entfernung ungerührt immer und immer wieder im 2.54 Quadratzentimeter kleinen Triple-20-Feld platzieren. Das Spektakel wird von Anfang bis Ende übertragen, was der Wissenschaft auf bequeme Weise einen wahren Datenschatz zugänglich macht.

An der Deutschen Sporthochschule Köln wurde dieser Schatz fleissig ausgewertet. Ganze 36 168 Würfe an der PDC-Weltmeisterschaft 2017 wurden auf die Hypothese hin untersucht, dass der erste Versuch einer Serie am ehesten sein Ziel verfehlt. «Für den ersten Pfeil konnten wir eine Trefferquote von rund 30 Prozent ausmachen, während sie beim zweiten und dritten Pfeil bei rund 38 Prozent lag», sagt der Erstautor der Studie, Fabian Wunderlich vom Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik.
Auch wenn die besten Spieler nur ein paar Sekunden lang nicht an der Wurflinie stehen und die Bewegung schon sechs Tripstrilliarden mal ausgeführt haben, müssen sie ihre Hand-Auge-Koordination offensichtlich immer wieder neu justieren. Die Wissenschaftler folgern, dass der erste Pfeil den Spielern bei der sogenannten «visuomotorischen Kalibrierung» helfe, die eine bislang vernachlässigte Facette des Aufwärmens und in vielen Sportarten von Bedeutung sei.
Zu erforschen, welche Prozesse genau dieser Kalibrierung dienen, um diese gezielt trainieren zu können, wäre natürlich der ganz grosse Wurf. Schliesslich ist es ziemlich vorteilhaft, wenn gleich der erste Penalty, der erste Freiwurf oder der erste Pfeil sitzt. Bis dahin gehen beim Dart die ersten Versuche wahrscheinlich weiterhin vor allem in der Vertikalen daneben, landen also über oder unter den zumeist angepeilten Triple-Feldern mit den höchsten Punktzahlen.
Trainingsequipment 1
Wenn du jetzt das Gefühl hast, dass diese Ergebnisse für die Tonne sind und dir im Alltag nichts bringen, haben Yale-Forscher schon vor zwei Jahren die passende Studie für dich veröffentlicht. Während Dartwürfe bekanntermassen mit ungefähr 5.5 Metern pro Sekunde und einem Unterarmwinkel von 17 bis 37 Grad am erfolgversprechendsten sind und Penalty-Schützen im Fussball möglichst 32-jährige linksfüssige Asiaten (Sternzeichen Löwe) sein sollten, gelten im Bürosport andere Gesetze. Aber auch hier hilft die Wissenschaft. An der Elite-Uni wurde geklärt, mit welcher Wurftechnik du Papierkugeln am besten im Kübel versenkst.
Falls du nicht Michael Jordan bist und dein Ziel mehr als drei Armlängen entfernt steht, ist es der langsame Unterarmwurf. Je langsamer, desto höher der Bogen und desto genauer dein Wurf, da kleine Fehler im Abflugwinkel dann weniger ins Gewicht fallen. Diese Technik sieht vielleicht nicht ganz so lässig aus, erhöht aber deine Trefferquote. Ich hoffe, Kollegin Carolin Teufelberger und Kollege Raphael Knecht nehmen sich das künftig zu Herzen. Der Kübel steht neben mir.
Trainingsequipment 2
Titelbild: Wikimedia Commons/Sven Mandel CC BY-SA 4.0
Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
Alle anzeigen







