Wann kommt endlich der offizielle Vatertag?!

Martin Rupf
Zürich, am 01.06.2022

Während sich der Muttertag hierzulande längst etabliert hat, fristet der Vatertag immer noch ein Schattendasein. Zehn Gründe, weshalb es höchste Zeit für mehr Wertschätzung uns Vätern gegenüber ist.

«Du Schatz, ich wünsche mir auf den Vatertag das coole Buch, das mein Redaktionskollege Oliver kürzlich vorgestellt hat», sagte ich neulich zu meiner Frau. Sie: «Vatertag, gibt’s den wirklich?» So wie meiner Frau geht es wohl nicht wenigen.

Was in den deutschsprachigen Nachbarländern, den USA und vielen weiteren Nationen seit 100 Jahren existiert, gibt es in der Schweiz noch nicht: einen offiziellen Vätertag. Während der Muttertag immer am 2. Sonntag im Mai begangen wird, gibt es in der Schweiz nur einen inoffiziellen Vätertag. Dieser wurde 2007 eingeführt und findet immer am 1. Sonntag im Juni statt; heuer also am 5. Juni. Die Reaktion meiner Frau zeigt aber: Es ist höchste Zeit, dass wir Väter für mehr Anerkennung und Dankbarkeit und die Einführung eines offiziellen Vatertags kämpfen. Es muss ja nicht gleich soweit gehen wie in unserem nördlichen Nachbarland. Dort laufen immer an Auffahrt Horden von Männern – längst nicht nur Väter – mit dem bis oben mit Bier gefüllten Bollerwagen durch die Gegend, um sich und ihr Mann-Sein zu feiern.

Väter sind zwar in der Regel toll, und doch sind es in vielen Fällen immer noch die Mütter, die den Karren zuhause schmeissen

Bevor ich hier eine Lanze für die Väter und damit den Vätertag breche, ein Wort zu den Müttern und dem dazu gehörenden Muttertag. Es gibt ja durchaus Stimmen, die diesen Tag als reine Marketing-Erfindung brandmarken, an dem es einzig darum geht, möglichst viele Blumen, Restaurant-Gutscheine oder Wellness-Arrangements an den Mann, respektive später die Frau zu bringen. Dem widerspreche ich vehement. Natürlich wäre es wünschens- und auch erstrebenswert, wenn Kinder der Mutter oder eben der Ehemann seiner Frau 365 Tage im Jahr Dankbarkeit und Wertschätzung entgegenbringen. Wäre: Denn wie das Leben im Hamsterrad so spielt, kommen solche Gesten leider nur allzu oft zu kurz. Wieso also nicht an einem Tag ganz bewusst Danke sagen und die Mutter verwöhnen? Denn eines ist klar: Selbst in unserer ach so fortgeschrittenen, emanzipierten Familienwelt sind es in den meisten Fällen wohl immer noch die Mütter, die «den Karren» am Laufen halten. Wer organisiert die Arzttermine? Wer sorgt für neue Kleider, gekauft oder im Tausch mit anderen Müttern (nicht Vätern!). Wer hat die Übersicht über die Schul- und Hobby Aktivitäten? Wer spürt sofort (und nicht erst zwei Tage später), wenn sein Kind etwas bedrückt? Wer sorgt in der Regel für eine Willkommenskultur, will heissen, dass alle Kinder immer zum Spielen dürfen. Richtig: In der Regel sind das die Mütter.

Weil ich, respektive meine Frau und ich uns dessen bewusst sind, versuchen wir da auch peu a peu Gegensteuer zu geben. Ja man kann sagen, wir sind quasi in einer Findungsphase. Denn die letzten Jahre haben wir uns für das eher konventionelle Modell entschieden, in dem ich rund 80 bis 90 Prozent, meine Frau rund 40 Prozent gearbeitet hat. Automatisch hat es sich deshalb ein bisschen eingeschlichen, dass meine Frau zuhause «nach dem Rechten geschaut» hat. Doch nun, wo ich weniger, meine Frau hingegen wieder mehr arbeitet, bedeutet das natürlich auch, dass die Familien- und Hausarbeit neu justiert werden muss. Ich anerkenne da auch bei mir noch sehr viel Luft nach oben. Und doch glaube ich, geben viele Männer ihr Bestes, die anfallenden Familienarbeiten fair auf beide Schultern zu verteilen.

Zehn Gründe, wieso Väter – trotz immer noch viel Luft nach oben – Anerkennung, Dankbarkeit und Wertschätzung verdienen

Und doch es sind eben auch die Väter, die ihren wertvollen Beitrag zum Familienleben beitragen, weshalb sich ein Vätertag analog dem Muttertag aufdrängt. Ich denke hierbei nicht in erster Linie an Geschenke oder Einladungen. Auch muss mir das Frühstück nicht ans Bett serviert werden (es muss nicht, es darf aber sehr wohl). Es geht mir einzig und alleine darum, dass auch unser Beitrag – und der kann, nein muss in vielen Familien noch gesteigert werden – estimiert wird.

1. Viele Väter arbeiten weniger, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben

Ich arbeite seit einigen Jahren bewusst nicht 100 Prozent, um mehr Zeit für meine Kinder (ok, auch ein wenig für mich) zu haben. Das bedeutet zwar weniger Geld, dafür mehr Lebensqualität. Und vor allem mehr «normale» Familienzeit, in der viel mehr an Beziehung aufgebaut wird, als an überladenen Weekends oder Ferien.

2. Auch viele Väter übernehmen Verantwortung und Aufgaben im Haushalt

«Hoffentlich auch», höre ich dich grad sagen. Und auch für mich ist das natürlich eine Selbstverständlichkeit. Und doch beneide ich manchmal meine Vorfahren ein wenig, die sich nach getaner Arbeit an den gedeckten Tisch setzen konnten, um eben diesen nach der Mahlzeit auf direktem Weg zur Couch zu verlassen. Ich selber bin mir eigentlich für keine Haushaltsarbeit zu schade. Ausser mit dem Bügeln von Hemden konnte ich mich bis heute nicht anfreunden.

Natürlich legen wir Väter auch im Haushalt Hand an.
Natürlich legen wir Väter auch im Haushalt Hand an.

3. Väter sind – nicht mehr und nicht weniger als Mütter – unterhaltsam und lustig

Nun, das gilt leider nur noch sehr bedingt. Meine Kinder sind jetzt sieben und neun Jahre alt. Sie sind also genug alt, um meine Sprüche als das zu erkennen, was sie leider nicht selten sind: Platt und nicht wirklich lustig. Erwarten meine Kinder Besuch, heisst es deshalb nicht selten. «Papi, eine Bitte. Sei einfach, wenn irgendwie möglich, nicht peinlich.» Auch das Ablassen von Körpergasen entlockt ihnen in der Regel nur noch ein müdes Lächeln. Es wird Zeit, dass ich mir Neues einfallen lasse.

4. Väter sind manchnmal ganz passable Heimwerker

Ein bisschen stolz bin ich schon auf das Hochbett meiner Tochter mit integriertem Büchergestell. Und auch das Himmelbett meines Sohnes lässt sich meiner Meinung nach sehen. Und was habe ich meinen Kindern mit allerlei Schaukelvorrichtungen schon eine Freude bereitet.

Ein bisschen stolz bin ich schon auf das Hochbett, das ich meiner Tochter vor etwa einem Jahr gebaut habe.
Ein bisschen stolz bin ich schon auf das Hochbett, das ich meiner Tochter vor etwa einem Jahr gebaut habe.

5. Viele Väter sind auch gute Lehrer – dachte ich

Ich dachte immer, ich könne meinen Kindern gut Dinge beibringen. Bis der Lockdown und mit ihm das Homeschooling kam. Mit meiner Geduld war es nicht allzu weit her und in Sachen Einfühlungsvermögen habe ich gewiss noch viel Luft nach oben. Auf alle Fälle wurde mir bewusst, was für einen Knochenjob Lehrer:innen verrichten (auch wenn das Unterrichten eigener Kinder wohl selbst für Pädagogen kein Schleck ist).

Ich würde mich zwar nicht als didaktischen Voll Horst bezeichnen, beim Homeschooling bin ich aber an meine pädagogischen Grenzen gestossen.
Ich würde mich zwar nicht als didaktischen Voll Horst bezeichnen, beim Homeschooling bin ich aber an meine pädagogischen Grenzen gestossen.

6. Viele Väter verbringen gerne Freizeit mit den Kindern und verziehen sich nicht ins Büro

Vorbei die Zeiten, als Väter sich nach Feierabend zum Kegeln in den «Ochsen» verabschiedeten. Der heutige Vater bringt die Kinder – nachdem er den Abwasch gemacht hat und die Wäsche aus dem Tumbler genommen hat – ins Bett und erzählt ihnen natürlich auch noch Gutnachtgeschichten – nicht aus dem Buch, sondern selbsterfundene.

7. Die meisten Väter sind stark und mutig

Natürlich zeige ich vor meinen Kindern auch Gefühle und sie dürfen sehen, dass auch ich schwach, traurig und verletzlich bin. Doch in der Regel versuche ich, meinem klischierten Bild des Vaters als Fels in der Brandung gerecht zu werden. Was gibt es Schöneres, als wenn meine Kinder bei mir eine starke Schulter zum Anlehnen finden (nachdem sie bei der Mutter die tröstenden Worte gefunden haben).

Wir Väter sind mutig und stark – und eignen uns auch als Turngerät.
Wir Väter sind mutig und stark – und eignen uns auch als Turngerät.

8. Die meisten Väter sind gute Vorbilder

Ja, ich habe an dieser Stelle offenbart, dass ich manchmal auf Kindervelotouren keinen Velohelm trage. Und doch behaupte ich, meinen Kindern unter dem Strich ein gutes Vorbild zu sein. Nämlich, indem ich ihnen vorlebe, an sich zu glauben, sich selber zu bleiben, Gutes für andere zu tun, über sich selbst lachen zu können, für ihre Meinung einzustehen und vieles mehr.

9. Viele Väter freuen sich bereits, dereinst Grossvater zu werden

Zugegeben, jetzt schon daran zu denken, wie ich vielleicht eines Tages meine Enkelkinder auf dem Arm halte und ganz viele (hoffentlich verrückte) Dinge mit ihnen unternehmen werde, ist etwas gar verfrüht. Und doch ist die Vorstellung, eines Tages den Kindern meiner Kinder – sollte es denn welche geben – ein liebender Grossvater zu sein, halt schon etwas Schönes.

10. Alle (hoffentlich!) Väter lieben ihre Kinder und würden für diese alles tun

Der letzte Grund ist so naheliegend wie lapidar. Weil wir unsere Kinder lieben, tun wir alles für sie. Vor allem aber sind wir immer für sie da, ganz egal was sie gerade angestellt haben. Ich hoffe, dass sind nicht nur leere Worte. Und sonst erinnert mich bitte daran, wenn mein Sohn mir in ein paar Jahren gerade gestanden hat, dass er unser neues Familienauto auf einer Strolchenfahrt letzte Nacht zu Schrott gefahren hat.

Also ich weiss nicht: Wenn das nicht genügend und vor allem gute Gründe für die offizielle Einführung eines Vatertags in der Schweiz sind, was dann? Ich freue mich auf alle Fälle auf kommenden Sonntag und werde mir das Buch aber vorsorglich selber besorgen, sollte meine Frau doch wieder vergessen haben, dass bald Vatertag ist oder ganz einfach der Meinung sein, mein Einsatz zuhause rechtfertige ein Geschenk (noch) nicht.

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Zweifachpapi, nein drittes Kind in der Familie, Pilzsammler und Fischer, Hardcore-Public-Viewer und Halb-Däne. Was mich interessiert: Das Leben - und zwar das reale, nicht das "Heile-Welt"-Hochglanz-Leben.


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