Von wem du auf dem SUP über einen Kilometer Abstand halten solltest
News & TrendsSport

Von wem du auf dem SUP über einen Kilometer Abstand halten solltest

Michael Restin
Zürich, am 17.05.2020
Bilder: Thomas Kunz
Stand-up-Paddeln ist der perfekte Sport, um Abstand zu halten. Doch wenn du dich von Menschen entfernst, dringst du in den Lebensraum der Tiere ein. Ein neues Merkblatt schärft das Bewusstsein dafür.

Wenn der Sommer kommt, werden die Seen zum Sehnsuchtsort. Nach Tagen und Wochen in den eigenen vier Wänden umso mehr. Auf dem Wasser gibt es genug Freiraum, einander aus dem Weg zu gehen. So gesehen ist Stand-up-Paddeln ein perfekter Corona-Sport. Da in den kommenden Monaten viele Menschen an die Ufer strömen werden, ist die Versuchung gross, sich abseits der offiziellen Stellen mit dem Board durch die Büsche zu schlagen und entlegene Seewinkel aufzusuchen. Schön für die Sportler, schlecht für die Tierwelt. Um darauf hinzuweisen, haben die Vogelwarte Sempach, Pro Natura, Swiss Canoe und weitere Partner ein gemeinsames Merkblatt herausgegeben.

Die wichtigsten Punkte:

  • Nutze offizielle Ein- und Auswasserungsstellen oder Zugänge an Rastplätzen.
  • Vermeide Schilfgürtel, Kiesinseln und Mündungsbereiche von Flüssen. Sie sind Rückzugsorte, Brut- und Rastgebiete.
  • Naturschutzgebiete sind meist mit gelben Bojen oder Schildern markiert und dürfen nicht befahren werden. Geschützte Lebensräume sind im Geoportal des Bundes verzeichnet.
  • Informiere dich über lokale Regelungen bei der kantonalen Jagdverwaltung, Naturschutzfachstelle oder Seepolizei.

So weit, so gut, so selbstverständlich. Doch beim fast geräuschlosen Dahingleiten auf dem Board fühlst du dich im Einklang mit der Natur und unterschätzt schnell, wie störend das eigene Verhalten sein kann. Was mich überrascht hat sind die Distanzen, aus der Wasservögel Stand-up-Paddler als bedrohlich wahrnehmen. Selbst über einen Kilometer entfernt können sie die Flucht ergreifen. Schon 2018 kam eine empirische Masterarbeit zu dem Ergebnis, dass sich die Tiere von Stehpaddlern stärker gestört fühlen als beispielsweise von Ruderern oder Seglern.

“ Häufiger als gegenüber den anderen untersuchten Wassersportarten zeigten Wasservögel bei Störungen durch SUP Fluchtdistanzen von über 500 m. Zudem waren die maximal festgestellten Effekt- und Fluchtdistanzen bei keiner der anderen untersuchten Wassersportarten höher als beim SUP. Im Einzelfall flüchteten Vögel gegenüber einem einzelnen Stand Up Paddler bereits in einer Entfernung von 1,5 km. Durch SUP gestörte Vögel flogen überdurchschnittlich oft weite Strecken, ehe sie wieder landeten. Z. T. wurden kilometerlange Fluchtstrecken dokumentiert. ”
Matthias Bull, Masterarbeit im Studiengang Naturschutz und Landschaftsplanung

Auch das aktuelle Merkblatt verweist darauf, dass die Silhouette von Paddlern besonders bedrohlich auf Wasservögel wirkt. Deshalb solltest du einen grossen Bogen um die Tiere und ihre Rückzugsgebiete machen. Einerseits ist es das Schöne am Stand-up-Paddeln, dass du nicht viel Equipment brauchst, flaches Wasser befahren und praktisch überall aktiv sein kannst. Andererseits sind Natursportler auch in der Pflicht, Rücksicht zu nehmen. Und das fängt schon früher an, als es der Laie ahnen kann.

23 Personen gefällt dieser Artikel


Michael Restin
Michael Restin
Editor, Zürich
Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren