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Vom kleinen «Tschuttibildli» zum wahrscheinlich weltgrössten Fussballerportrait

Dies ist die Geschichte des Mannes aus Sursee. Nein Moment, das stimmt so nicht. Es ist die seines Portraits auf dem Rasen des Stadions «Schlottermilch» in Sursee. Und wie sein Gesicht dorthin kommt. Dank des Mannes aus Basel nämlich. Auch der Mann aus Grenchen spielt hier eine Rolle. Aber der Reihe nach.

Irgendwann prägt SRF-Kommentator Sascha Ruefer aus Grenchen den Begriff vom «Mann aus Sursee». Gemeint ist Haris Seferovic. Der hat mit seinen Toren entscheidenden Anteil an der Qualifikation der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft für die WM 2018 in Russland. Zur selben Zeit denkt in Basel ein Mann über Fussballer-Bildli nach und hat eine Idee.

Ein paar Monate später schweben 500 Meter über dem Stadion «Schlottermilch» in Sursee zwei Drohnen. Unten sprüht Stevie Fiedler punktgenau weisse Linien auf den Rasen. Stevie Fiedler ist der Mann aus Basel. Er ist Grafiker und zeichnet für das «tschutti heftli» die Schweizer Nationalmannschaft. tschutti heftli? Hä? Kreative Köpfe aus Luzern, und selbst Fussball-Fans, haben diese Alternative zu den Panini-Sammelbildli im Rahmen der Euro 2008 lanciert. Dieses Jahr erscheint bereits die sechste Ausgabe. Die 32 Teams werden jeweils von internationalen Künstlerinnen und Künstlern gestaltet. So entstehen statt den immer gleichen Fussballer-Fotos kleine Kunstwerke, die nebenbei auch gleich noch einen Überblick über die zeitgenössischen Portrait- und Gestaltungsstile geben.

Sammeln und zeichnen

Als kleiner Junge sammelt Stevie Fiedler Baseballkarten. Seine Mutter kommt aus Bern, sein Vater aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Hier hat das Sammeln von Baseballkarten Tradition. Die Grosseltern in den USA sorgen für Nachschub. Inzwischen besitzt Stevie tausende dieser Sammelbilder. Seine zweite Leidenschaft ist das Zeichnen. «Seit ich fünf Jahre alt bin, zeichne ich», sagt er zu Beginn unseres Gesprächs. Heute arbeitet Stevie als Art Director in seiner eigenen Agentur für visuelle Kommunikation in Basel.

Das Zeichnen wird zum Beruf, das Sammeln bleibt Leidenschaft. Also bewirbt sich Stevie letzten Sommer bei tschutti heftli um eines der 32 Teams. Die Aufgabe: Maradona zeichnen. Die Jury: hochkarätig besetzt, unter anderem mit dem ehemaligen US-Nationalspieler Alexi Lalas. Genau, der mit dem roten Wuschelkopf und dem Mega-Goatee. Wie er auf die Idee mit den weissen Linien auf dem Spielfeld gekommen sei, will ich von Stevie wissen.

«Ich wollte etwas machen, das möglichst nahe an den Spielern und dem Trainer dran ist, aber auch am Platzwart und generell an allen, die etwas mit Fussball zu tun haben. Und vor allem wollte ich etwas machen, das nahe an den Fans ist. Ich hatte zuerst das Bild der Taktikbesprechungen im Kopf. Diese vielen Pfeile und Kreuze auf einer Wandtafel. Von da war es dann nur noch ein kleiner gedanklicher Schritt zum grünen Spielfeld und den weissen Kreidelinien. Das ist ja etwas, was jeder Fan Woche für Woche im Stadion oder am TV sieht».

Diese Idee kommt bei der Jury an. Stevie setzt sich unter rund 500 Mitbewerberinnen und Mitbewerbern durch und erhält den Zuschlag, eines der 32 Teams zu gestalten. Aber nicht irgendein Team, er darf die Schweizer Mannschaft zeichnen.

«Wie Weihnachten und Geburtstag zusammen.»

Bescheiden wie er ist, muss ich zuerst nachfragen, bevor er mit einem seeligen Lächeln im Gesicht meint: «Als Schweizer die Nati gestalten zu dürfen, das macht mich schon stolz. Für mich ist das eine grosse Ehre und fühlt sich an wie Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig.»

Im «Adobe Illustrator» zeichnet er die Mannschaft (auch alle Ergänzungsspieler), den Trainer, ein Wappen sowie ein Selbstportrait. Und er hat von Anfang an die Idee, das Ganze nicht nur auf 50×70 Millimetern umzusetzen, sondern auch auf einem richtigen Fussballfeld. Nur wo und welcher Spieler soll es sein? Die Idee, Haris Seferovic zu zeichnen, kommt schliesslich von Silvan Glanzmann, dem Gründer des tschutti heftli.

«Haris hat’s mehr als verdient.»

Haris Seferovic schiesst seine Tore mittlerweile in den grossen Ligen Europas. Als F-Junior tut er dies für den FC Sursee. Seine Familie lebt noch heute in «Soorsi». Und er gibt auch sofort sein ok, als er vom Plan hört, sein Bild auf den Rasen im Stadion Schlottermilch zu zeichnen.

«Ich finde, Haris hat sich dieses Extra-Feature mit seinen Toren mehr als verdient», sagt Stevie Fiedler. «Ausserdem verkörpert er meiner Meinung nach die beiden Seiten des Fussballs sehr gut. Hier das bodenständige Sursee, da das glamouröse Benfica Lissabon». Und wie wird aus dem kleinen Tschutti-Bildli schlussendlich das vermutlich weltgrösste Fussballer-Portrait?

Teamplayer

Auch bei dieser Frage zeigt sie sich wieder: Stevie Fiedlers Bescheidenheit. «Also zuerst muss ich meinem Team von ‘eyeloveyou’, Martin, Marleen und Zoe, danke sagen. Ohne ihre Unterstützung hätte ich das niemals hingekriegt. Und natürlich gebührt ein grosses Dankeschön auch dem FC Sursee und dem tschutti heftli Team».

Um es in der Sprache der Fussballer zu sagen: Stevie versenkt den Ball aus 20 Metern herrlich volley im Lattenkreuz und hebt im anschliessenden Platzinterview zuerst die Rolle seiner Mitspieler hervor. Aber wie läuft denn nun ein solches Shooting ab?

«Ein Fehler und das war’s.»

«Ein so grosses Bild wird natürlich erst aus einer gewissen Distanz als solches erkennbar», erläutert Stevie. «Daher war schnell klar, dass wir das Ganze mit einer Drohne dokumentieren würden. Drohnen-Akkus haben jedoch eine relativ kurze Laufzeit von lediglich 15 bis 20 Minuten. Für die Drehzeit von einem halben Tag waren daher ziemlich viele Reserveakkus nötig.

Da wir den ganzen Zeichnungsprozess als Timelapse-Video zeigen wollten, musste die Drohne eine bestimmte Position halten und nach jedem Akkuwechsel auch wieder neu einnehmen. Dies haben wir mittels fix definierten Koordinaten gelöst. Damit ich meine Arbeit nicht ‘blind’ erledigen musste, haben wir ein Live-Bild von einer zweiten Drohne auf ein Display am Kreidewagen gestreamt. Ich kannte also meine Position auf dem Feld. Marleen nahm dann jeweils die nächste Position ein und signalisierte mit der Eckfahne, wo ich mit dem Kreidewagen hinlaufen musste».

Klingt für mich alles ziemlich kompliziert, ist es auch. Und es wird noch komplizierter, als Stevie weiter erzählt. «Trotz teils automatischer Stabilisierung der Drohnen waren diese ab und zu ein paar heftigen Windböen ausgesetzt. Zum Verständnis: Ein paar Zentimeter Abweichung in 500 Metern Höhe ergeben auf dem Boden einige Meter Differenz».

Spielraum für Fehler also gleich Null. Was wäre gewesen, wenn ein Fehler passiert wäre? «Es durfte kein Fehler passieren, wir hatten nur einen Versuch», kommt es von Stevie wie aus der Kanone geschossen. Auf einer Fläche von 104×67 Metern entsteht so das wohl weltgrösste Fussballerportrait. Und Haris Seferovic gefällt's.

«Danke an Stevie, dass er das gemacht hat. Ich habe mich sofort erkannt und finde es 'e geili Sach'.»
Haris Seferovic

Und wie findest du eigentlich dein Selbstportrait? Das will ich zum Schluss von Stevie Fiedler dann schon noch wissen. «Ich glaube, ich habe mein (lange Pause) Lächeln nicht schlecht getroffen und mit einigen wenigen Strichen zeigen können, dass ich eine etwas überhängende Oberlippe habe». Sagt's und lacht herzhaft.

Stevie by Fiedler

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