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WohnenReportage 09

Voller «Oïphorie»: Diese Ausstellung musst du besuchen

Das Westschweizer Dreiergespann Atelier Oï entführt die Besucher aktuell mit Installationen im Zürcher Museum für Gestaltung in eine Zauberwelt.

Anlässlich der Neueröffnung des Kunstmuseums bespielt das Designer-Trio Atelier Oï bis Ende September die frisch renovierten Räumlichkeiten und katapultiert dich und mich in eine andere Sphäre. Ihre transdisziplinären Arbeiten bewegen sich nicht nur im Produktdesign, sondern auch in der Szenografie. Gezeigt wird das im Museum für Gestaltung anhand von Entwürfen und Endergebnissen aus den Jahren 1991 bis 2018. Einen Einblick in die Ausstellung und zum Werk der Design-Magiker erhältst du hier.

Atelier Oï aus La Neuveville

Gegründet von Aurel Aebi, Armand Louis und Patrick Reymond hat das multidisziplinäre Studio seinen Sitz am Bielersee – und sein Herz in der Innenarchitektur, im Produktdesign sowie beim Bühnenbild. Sie gehören nicht nur für mich ganz oben auf die Favoritenliste der Schweizer Designszene. Über zwanzig Jahre entwirft Atelier Oï bereits für grosse Namen wie Louis Vuitton, Foscarini oder B&B Italia. Auch wenn die Hersteller unterschiedlicher nicht sein könnten, bleibt das Atelier seiner Linie und seinem Motto von Anderen zu lernen, treu.

Hängeleuchte «Allegro» aus verchromte, glänzenden Metall für Foscarini, Beistelltisch für Möbelproduzent B&B Italia.
Fächer aus hauchdünnen Holzflächen in unterschiedlichen Grössen, Zürich 2018

Statt geradlinig erstreckt sich der rote Faden in ihrem Werk wie ein Geflecht. Bei allen Entwürfen lassen sich Gemeinsamkeiten wie die Verarbeitung von Draht, Seil oder Garn beobachten. Zum Einsatz kommt häufig die Technik des Multiplizierens. Atelier Oï entwickelt beispielsweise ein einziges Element wie einen unspektakulären Fächer, der allein, trotz schöner Maserung, wenig Wirkung erzielt. Wird er aber in unterschiedlichen Grössen vervielfacht und an der Decke angebracht, entsteht eine Installation, die den ganzen Raum einnimmt. Zu Bestaunen gibt es genau solche Effekthascher aktuell im Museum für Gestaltung.

«Oïphorie» pur in Zürich

Anders als erwartet, sind die einzelnen Projekte im renovierten Stammhaus weder chronologisch noch nach Herstellern arrangiert. Hier setzt die Kuration voll und ganz auf die Machart der einzelnen Produkte des Designstudios. Von Modellen bis hin zu Endprodukten und kleinen Videos wird illustriert, wie die Entwürfe entstehen. Besonders ins Auge gefallen sind mir die Produkte, die für Louis Vuitton entstanden sind.

Louis Vuitton macht Möbel: «Objets Nomades»

«Spiral Lamp» für Louis Vuitton in Mailand.
Vasen aus Glas und Leder, Mailand 2018

Am diesjährigen «Salone del Mobile» konnte ich erstmalig die exklusive Zusammenarbeit von Atelier Oï mit Louis Vuitton live bestaunen. Was in Mailand noch in einem – fast vom Wesentlichen ablenkenden – Palazzo und dunklen Innenräumen gezeigt wurde, kommt für mich in der Zürcher Ausstellungsstrasse besser zur Geltung: Unter dem Namen «Objets Nomades» werden Möbel wie Hocker oder Hängematten, die zum Grossteil aus Leder bestehen, ins Zentrum gerückt. Mit Liebe zum Detail und kreativer Materialverarbeitung sprechen sie in den zurückhaltenden Räumlichkeiten des Museums für sich.

Nicolas Ghesquière inszeniert den «The Folding Stool» wie seine Models auf dem Laufsteg, Mailand 2018
Der schlichte Hocker aus Leder und Metall besticht durch eine ausgeklügelte Konstruktion allein, Zürich 2018

Langjährige Erfahrung in der Lederverarbeitung verbindet die ehemalige Sattlerei Louis Vuitton mit Atelier Oï. Nur Feinheiten seien für die Produktdesigner neu gewesen. Wo sie bei der Hängematte einen weichen Abschluss eines Lederriemens wählen würden, bevorzugt Louis Vuitton einen genähten Abschluss. So wird die Kante zwar härter, wirkt dafür aber edler.

«The Hammock» besteht lediglich aus drei Elementen: Leder, Holz und Schnur.
Detailverliebt: Kanten werden mit Nähten verschönert, Zürich 2018

Äusserst «instagrammable»

Neben hoher Materialkompetenz besitzt Atelier Oï ein gutes Verständnis – ob beabsichtigt oder nicht – für zeitgenössisches Marketing. Statt in Online-Kampagnen zu investieren, erreichen sie ohne eigenes Zutun ein breites Publikum über Instagram. Dort teilten nach der Mailändermöbelmesse nämlich zahlreiche Besucher – mich mit eingeschlossen – ihre Eindrücke von «Objets Nomades» freiwillig. Besonders die Installation bestehend aus Hunderten von rosafarbenen Blüten wurde zum Trend-Motiv. Die «Oïphorie»-Ausstellung steht dem in Nichts nach. Atelier Oï punktet erneut mit fantasievollen Szenerien, die du live sehen musst – ein Besuch lohnt sich!

Atelier Oï kreiert mit kleinen Objekten imposante Innenräume.
Mittels Multiplikation werden einzelne Leuchten zum Must-have für dein «Mirror selfie», Mailand 2018

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Pia Seidel, Zürich

  • Teamleader Loki
Als Design-Cheerleader gehe ich aufmerksam durch die Welt und konsumiere Kunst, Design und Mode wie Süssigkeiten. Besonders liebe ich es auf Reisen in die Magie neuer Orte einzutauchen sowie Trends auf Messen oder den Strassen aufzuspüren. Im Alltag erfreue ich mich an der Gestaltung meiner eigenen vier Wände und Podcasts. Zum entspannen jogge ich entlang der bezaubernden Zürcher Limmat – Wasser ist einfach das Grösste für mich.

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