Videoaufnahme: Welche Framerate?

Videoaufnahme: Welche Framerate?

David Lee
Zürich, am 15.03.2021
Was bringt eine höhere Bildrate bei Videoaufnahmen? Ist mehr immer besser? In dieser Orientierungshilfe findest du das Wichtigste kurz erklärt.

Die Framerate oder zu Deutsch Bildrate bezeichnet die Anzahl Bilder, die in einem Video pro Sekunde aufgenommen und abgespielt werden. Die Videofunktion deiner Kamera bietet zumindest einige der folgenden Optionen:

  • 24 fps (frames per second, Bilder pro Sekunde)
  • 25 fps
  • 30 fps
  • 50 fps
  • 60 fps
  • 100 fps
  • 120 fps

Da stellt sich einem Einsteiger die Frage: Was muss ich nehmen? Kommt es überhaupt drauf an?

Mehr ist nicht immer besser

Grundsätzlich erzeugen höhere Wiederholraten grössere Datenmengen. Die Speicherkarte ist schneller voll. Weil mehr Daten in Echtzeit verarbeitet werden müssen, wird die Kamera auch schneller heiss, was zu einer Verkürzung der Aufnahmezeit führen kann. Somit gilt die Faustregel: Je höher die Bildrate, desto schneller ist fertig lustig.

Bei vielen Kameras stehen hohe Bildraten nur in minderer Qualität zur Verfügung. Dies hat ebenfalls damit zu tun, dass ansonsten zu viele Daten erzeugt, berechnet und gespeichert werden müssten. So gibt es 60 fps manchmal nur in Full HD, nicht aber in UHD.

Nicht immer ist die mindere Qualität als solche gekennzeichnet. Wird zum Beispiel Full HD mit 120 fps angeboten, hast du wohl nicht die gleiche Bildqualität wie bei Full HD mit 30 fps. Bei so hohen Raten werden gar nicht erst alle Daten des Sensors ausgelesen. Die Folge ist ein relativ matschiges Bild. Nominell ist aber beides Full HD.

Je höher die Bildrate, desto eingeschränkter bist du in der Verschlusszeit. Bei 100 fps kannst du nicht länger als 1/100 Sekunde belichten. Auch das kann auf Kosten der Bildqualität gehen, weil du dann die ISO-Empfindlichkeit erhöhen oder das Bild nachträglich aufhellen musst.

Das alles zeigt: Mehr ist nicht unbedingt besser. Höhere Framerates haben signifikante Nachteile und sollten nur eingesetzt werden, wenn sie wirklich nötig sind.

Aber wann sind sie nötig?

Der Zweck von hohen Framerates

Das menschliche Auge nimmt bereits 24 fps als flüssigen Bewegungsablauf wahr. Kinofilme sind bis heute vorwiegend in 24 fps gefilmt. Für Interviews und andere nicht besonders dynamische Szenen reicht daher die niedrigste Bildrate aus.

Bildraten von 50 fps oder höher nimmst du in der Regel auf, um sie nachträglich verlangsamen zu können. 50 fps kannst du halb so schnell abspielen und hast immer noch einen flüssigen Bewegungsablauf. Bei allem darunter wäre das nicht möglich.

Beispielsweise nehme ich Drohnen-Videos wenn immer möglich mit mindestens 50 fps auf. Da ich kein besonders routinierter Flieger bin, schwenke ich die Drohne oft zu schnell, sodass ich die Drehung im Schnitt verlangsamen muss. Oder ich passe die Geschwindigkeit geringfügig an, damit eine bestimmte Szene mit dem Takt der Musik übereinstimmt.

100 oder 120 Bilder pro Sekunde ermöglichen eine Vierfach-Zeitlupe. Daher solltest du immer dann mit so hohen Raten arbeiten, wenn du Actionszenen filmst, die du eventuell in Zeitlupe zeigen willst.

Welche Framerates passen zusammen?

Jetzt sollte klar sein, wann du 30 oder 120 fps wählst. Doch was ist mit dem Unterschied zwischen 24, 25 und 30 fps? Siehst du den überhaupt?

Die Faustregel besagt, dass du nur Bildraten mischen sollst, die ein Vielfaches voneinander sind. Also:

  • 25, 50, 100 und 200 fps
  • 30, 60, 120 und 240 fps
  • 24, 120 und 240 fps (48 und 96 fps werden fast nie angeboten)

Der Grund: Wenn du verschiedene Clips zu einem Video zusammenschneidest, hat dieses Video eine bestimmte, zu Beginn definierte Framerate. Hat ein Clip nicht dieselbe Bildrate, wird er umgerechnet. Das Umrechnen von 50 auf 25 fps ist einfach: Die Software lässt jeden zweiten Frame weg und alles geht schön auf. Beim Umrechnen von 30 auf 25 müsste jeder sechste Frame weggelassen werden. Das bedeutet, dass bei jedem sechsten Bild die Bewegung etwas schneller läuft als bei den vorherigen fünf. Was je nach Szene zu sichtbaren Rucklern führen kann.

Allerdings ist das nicht so dramatisch, wie es oft dargestellt wird. Denn eine moderne Schnittsoftware kennt bessere Umwandlungsmethoden als das blosse Löschen von Frames. Die Software berechnet beim Ändern der Bildrate aus dem vorhandenen Material jedes einzelne Bild neu. Das dauert beim Rendern länger, sollte aber bei regelmässigen Bewegungen zu akzeptablen Ergebnissen führen. Ohnehin kannst du in deinem Video-Editor die Geschwindigkeit auch unregelmässig verlangsamen – zum Beispiel Faktor 1,417 – wodurch auch mit 50 fps komplexe Umrechnungen entstehen, mit denen die Software klar kommen muss. Daher: Lass dich nicht beirren, wenn du mal zwei Clips zusammenmischen musst, die kein Vielfaches voneinander sind.

42 Personen gefällt dieser Artikel


David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren