
Hintergrund
Was ist los bei Ubisoft?
von Philipp Rüegg

Der Publisher stellt sich radikal neu auf und verteilt seine Marken auf fünf Kreativhäuser. Das lange verzögerte Remake von «Prince of Persia: The Sands of Time» wird endgültig gestrichen – nur zwei Monate vor dem gemunkelten Release.
Am 21. Januar 2026 kündigte Ubisoft einen umfassenden Umbau an. Der Publisher streicht sechs Projekte, schliesst zwei Studios und holt seine Mitarbeitenden zurück ins Büro. Alles Teil eines «grossen Neustarts», wie Ubisoft es nennt – organisatorisch, operativ und im Portfolio.
Das prominenteste Opfer: das seit 2020 angekündigte Remake von «Prince of Persia: The Sands of Time». Nach mehreren Verzögerungen sollte es Ende März 2026 erscheinen. Nun ist das Projekt endgültig gestorben.
Die Entscheidung wirkt besonders bizarr, da das Spiel offenbar kurz vor der Veröffentlichung stand. Insider Tom Henderson berichtet, der Release sei für Ende März geplant gewesen. Statt das Spiel nach Jahren der Entwicklung zu veröffentlichen und zumindest einen Teil der Investitionen zurückzuholen, nimmt Ubisoft den kompletten Verlust in Kauf – vermutlich in Höhe von mehreren Dutzend Millionen Dollar.
Im Statement erklärte Ubisoft, das Spiel sei nicht auf dem gewünschten Niveau. Um es dorthin zu bringen, bräuchte es mehr Zeit und Geld, beides könne man nicht aufbringen. Das wirft Fragen auf: Wie konnte ein Remake eines 2003 erschienenen Spiels derart scheitern? Am Projekt haben bereits zwei unterschiedliche Studios gearbeitet. Das erste Team scheiterte und auch das zweite Team konnte es offensichtlich nicht retten.
Zwei Szenarien sind denkbar: Entweder ist das Spiel in einem so schlechten Zustand, dass ein Release die Marke beschädigen würde. Oder – und das scheint wahrscheinlicher – Ubisoft setzt schlicht andere Prioritäten.
Ubisoft will künftig auf jährliche Milliarden-Franchises setzen: Spiele, die wie «Assassin’s Creed» oder «Far Cry» Jahr für Jahr hohe Umsätze erzielen. Für mittelgrosse Projekte wie «Prince of Persia» bleibt in dieser Strategie kein Platz.
Der Publisher steckt in einer schwierigen Lage: Mit mehr Angestellten als Playstation, aber nur wenigen tragenden Serien, muss Ubisoft auf Nummer sicher gehen. Spiele, die zwei Millionen Einheiten verkaufen, reichen nicht. Man braucht Titel, die zehn bis 15 Millionen Exemplare absetzen – jedes Jahr, bei jedem Release.
Das «Prince of Persia»-Team betonte in einem Statement, dies bedeute nicht das Ende der Spielereihe.
Neben «Sands of Time» streicht Ubisoft fünf weitere, bislang unangekündigte Spiele – drei neue IPs und zwei Mobile-Games. Sieben weitere Titel werden verschoben, um «höhere Qualitätsstandards» zu erreichen.
Kern des Umbaus ist eine neue Struktur mit fünf sogenannten «Creative Houses». Diese Einheiten vereinen Entwicklung und Publishing und tragen die volle Verantwortung für ihre Marken:
Ubisoft will so Entscheidungswege verkürzen und näher zu den Spielerinnen und Spieler rücken. CEO Yves Guillemot spricht von einem «entscheidenden Wendepunkt» und den Grundlagen für «nachhaltiges Wachstum».

Die Umstrukturierung hat direkte Folgen für die Belegschaft. Ubisoft schliesst seine Studios in Halifax (Mobile) und Stockholm. DiverseTeams werden «umstrukturiert». Wie viele Jobs dabei wegfallen, bleibt unklar.
Zudem führt Ubisoft eine strikte Rückkehr ins Büro ein: Alle Mitarbeitenden müssen fünf Tage pro Woche vor Ort arbeiten. Homeoffice ist nur in begrenztem Umfang möglich.
Bis März 2028 will Ubisoft seine Fixkosten um 500 Millionen Euro im Vergleich zum Geschäftsjahr 2022/23 senken. Allein in den kommenden zwei Jahren plant der Konzern Einsparungen von 200 Millionen Euro. Neueinstellungen werden stark eingeschränkt.
Der Umbau belastet das Geschäft kurzfristig: Ubisoft senkt seine Jahresprognose um 330 Millionen auf rund 1,5 Milliarden Euro. Langfristig soll die Neuausrichtung jedoch die kreative Führungsrolle des Unternehmens sichern – zumindest wenn es nach Guillemot geht.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
Alle anzeigen