20th Century Studios
Kritik

«The Dog Stars» ist ein Plädoyer für die Menschlichkeit

Patrick Vogt
26.8.2026

«The Dog Stars» spielt in einer fiktiven Zukunft und könnte doch kaum aktueller sein. Ridley Scotts neuester Film schlägt zwar leise Töne an, dafür ist seine Botschaft umso eindringlicher: Es gibt Hoffnung. Immer.

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «The Dog Stars» läuft ab dem 27. August im Kino.

Sei es «Mad Max», «28 Days Later», «Children of Men» oder «The Walking Dead», ich mag die Postapokalypse. Nicht weil ich sie selbst erleben möchte, sondern weil mich die Geschichten faszinieren. Ging es mir dabei früher in erster Linie um gute Unterhaltung, so interessierte mich mit der Zeit immer mehr der Faktor Mensch: Was treibt die Überlebenden an? Wie verhalten sie sich? Wie gehen sie mit anderen Überlebenden um? Mögliche Antworten darauf liefert nun auch «The Dog Stars».

Darum geht’s

Wir schreiben das Jahr 2035. Ein Virus hat den grössten Teil der Menschheit dahingerafft. Hig (Jacob Elordi) gehört zu den wenigen Überlebenden. Zusammen mit seinem Hund Jasper und dem bärbeissigen, militärisch versierten Bangley (Josh Brolin) hat er sich auf einem Flugplatz in den Bergen von Colorado eingerichtet. Ihr Alltag besteht aus Erkundungsflügen, dem Aufstocken von Vorräten und dem Abwehren von Plünderern.

Bangley scheint für diese Welt und den täglichen Überlebenskampf wie geschaffen zu sein. Hig hingegen hadert damit und spürt, dass es für ein lebenswertes Dasein mehr geben muss. Ein einschneidendes Erlebnis gibt ihm den fehlenden Anstoss, mit seiner Cessna einem Funkspruch nachzugehen, den er kürzlich aufgeschnappt hat. Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war.

Jasper und Hig – ein Mann und sein Hund.
Jasper und Hig – ein Mann und sein Hund.
Quelle: 20th Century Studios

Etwas Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit

«The Dog Stars» basiert auf dem gleichnamigen Bestsellerroman von Peter Heller, der 2012 veröffentlicht wurde. Das Drehbuch hat Mark L. Smith («The Revenant») geschrieben; Regie führt kein geringerer als Ridley Scott («Alien», «Gladiator», «The Last Duel»). Ein Name, der mich aufhorchen lässt und in Kombination mit dem Trailer gewisse Erwartungen schürt. Denn wenn jemand eine postapokalyptische Welt mit der grossen Kelle anrichten kann, dann wohl Scott, denkt sich bestimmt der eine oder die andere – genauso wie ich.

Doch der Regie-Altmeister hat mich auf dem falschen (oder richtigen) Fuss erwischt. In «The Dog Stars» setzt er auf leise Töne statt auf Effekthascherei. Trotz der einen oder anderen Gewaltspitze stellt Scott die Menschlichkeit und das Zwischenmenschliche in den Vordergrund – genau das, was es braucht, um in einer verkommenen und barbarischen Welt nicht emotional zu verwahrlosen und die Hoffnung nicht zu verlieren. Das tut gut und wirkt streckenweise richtiggehend kontemplativ.

Die wunderschönen und ausgiebigen Landschaftsaufnahmen aus der Luft tragen das ihrige dazu bei, genauso wie die dosiert eingesetzte Musik wie etwa Hoziers «Like Real People Do».

Zu wenig Liebe und Zeit

Doch was wäre die Menschlichkeit ohne die Menschen? Dafür sorgt ein Cast, der sich wie ein «Who’s who» liest: Zu Jacob Elordi («Euphoria») und Josh Brolin («No Country for Old Men») gesellen sich unter anderem Margaret Qualley («The Substance»), Guy Pearce («Memento») und Benedict Wong («Weapons»). Sie alle zeigen ihr Können und überzeugen. Dass mir am Ende trotz aller Menschlichkeit etwas Herz fehlt, liegt weniger an der Besetzung als vielmehr am Drehbuch.

Trotz seiner 119 Minuten nimmt sich der Film wiederholt zu wenig Zeit, um das Vorgehen oder die Handlung einer Person nachvollziehbar zu erläutern. Vereinzelte Figuren wirken klischiert gezeichnet. Zudem fühlt sich Higs Reise episodenhaft und wie durch den Zeitraffer gepresst an, entschleunigende Szenen hin oder her. Ich werde den Eindruck nicht los, dass sich die Geschichte mit genügend Spielzeit in Form einer abgeschlossenen Miniserie viel besser hätte entfalten können.

Bangley und seine Wumme. Sein Motto: «Shoot first, ask later».
Bangley und seine Wumme. Sein Motto: «Shoot first, ask later».
Quelle: 20th Century Studios

Fazit

Ridley Scott vermittelt mit leisen Tönen eine grosse Botschaft

In einem Promotions-Artikel auf Watson heisst es, dass «The Dog Stars» kein kleiner, leiser Endzeit-Film sei. Ich halte dagegen und sage: Doch, genau das ist er. Und daran ist überhaupt nichts auszusetzen. Dass es dennoch nicht zum grossen Wurf reicht, liegt unter anderem an eindimensional gezeichneten Charakteren und der zu hastig vorangetriebenen Geschichte. Hier hätte mehr Entschleunigung und Erzählung gutgetan.

Ridley Scott wandelt mit seinem Film eher auf den Pfaden eines emotionalen «The Road» mit Viggo Mortensen, der ebenfalls auf einem Roman basiert, als auf postapokalyptische Action à la «Mad Max: Fury Road». Er stellt die Menschen in den Vordergrund, nicht das Szenario.

Auch wenn wir hoffentlich noch lange nicht in der Endzeit angekommen sind, scheint sie mehr denn je wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen zu schweben. Die Botschaft von «The Dog Stars», nicht die Menschlichkeit und Hoffnung zu verlieren, wird deshalb auch zum tagesaktuellen Kommentar, der wie gerufen kommt.

Titelbild: 20th Century Studios

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Ich bin Vollblut-Papi und -Ehemann, Teilzeit-Nerd und -Hühnerbauer, Katzenbändiger und Tierliebhaber. Ich wüsste gerne alles und weiss doch nichts. Können tue ich noch viel weniger, dafür lerne ich täglich etwas Neues dazu. Was mir liegt, ist der Umgang mit Worten, gesprochen und geschrieben. Und das darf ich hier unter Beweis stellen. 


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