Hintergrund

Subnautica 2: Abtauchen und eintauchen

Das meistgewünschte Game auf Steam ist da und überzeugt auf ganzer Linie. Nur etwas mehr Innovation hätte ich mir von «Subnautica 2» gewünscht.

Die Streitereien zwischen Publisher Krafton und Studio Unknown Worlds bringen die Fortsetzung der Unterwasser-Survival-Sensation nicht zum Kentern. Von den über fünf Millionen Fans, die das Spiel auf ihre Steam-Wishlist gepackt haben, zückte ein grosser Teil am Launchtag die Kreditkarte. Innerhalb von zwölf Stunden verkaufte sich «Subnautica 2» zwei Millionen Mal auf PC und Xbox. Inzwischen wurde die Vier-Millionen-Marke geknackt. Hinzu kommen noch alle, die es im Game Pass spielen.

Auch ich habe mir pünktlich zum Launch den Tauchanzug übergestülpt und bin ins kühle Nass gesprungen. Die Ausgangslage ist die gleiche wie im ersten Teil. Auf dem Weg zu einer neuen Heimat stürzt mein Kolonieraumschiff ab und ich strande auf einem fremden Planeten. Ein anderer als im ersten Teil, aber wieder einer, der mehrheitlich von Wasser bedeckt ist. Meine Aufgabe ist es, herauszufinden, was genau passiert ist. Dafür erkunde ich die weitläufige Meereswelt und baue mir eine eigene Unterwasserbasis.

Eine Welt zum Versinken

«Subnautica 2» sieht traumhaft aus. Der Wechsel von Unity auf die Unreal Engine ermöglicht eine deutlich detailliertere und lebendigere Welt als beim Vorgänger. Die unzähligen neuen Unterwasserbewohner verhalten sich glaubhafter. Es gibt riesige Fischschwärme, die hektisch auseinander schwimmen, wenn sich ein potenzieller Räuber nähert. Dass die Tiere überhaupt aufeinander reagieren, ist neu. Manche kämpfen miteinander, wobei ich immer noch ihr liebstes Ziel bin. Gerade zu Beginn, ohne Flossen oder motorisierte Fortbewegungsmittel, werde ich regelmässig angeknabbert.

Nicht nur an der Fauna hat Unknown Worlds geschraubt, auch die Flora ist vielseitiger als zuvor. Es gibt die sonderbarsten Pflanzen. Einige versprühen Gift, andere leuchten in der Nacht wie Leuchtreklamen und wieder andere stellen sich als gigantische Krebse heraus, wenn ich mich ihnen nähere.

Gerade zu Beginn, wenn ich noch keine Taschenlampe habe, dienen mir Leuchtpflanzen als Wegweiser.
Gerade zu Beginn, wenn ich noch keine Taschenlampe habe, dienen mir Leuchtpflanzen als Wegweiser.

Die grössten Pflanzen, die mir bisher begegnet sind, heissen Angel Comb. Diese ungewöhnlichen Exemplare versorgen mich mit lebenswichtigen Upgrades wie Hitzebeständigkeit, damit ich neue Regionen erkunden kann. Es gibt nur wenige davon und einige von ihnen muss ich erst mit dem passenden Werkzeug befreien. Alles in «Subnautica 2» besteht aus einer Verkettung von neuen Ressourcen entdecken und damit neue Gadgets bauen, mit denen ich tiefer tauchen kann, um noch mehr Dinge zu entdecken.

Tauchen, entdecken, bauen und wieder von vorn

Dieser Loop packt mich sofort wieder. Mittlerweile habe ich eine ordentliche Unterwasserbasis errichtet. Den kritischen Blicken meiner Kollegin und Hobby-Architektin Debora Pape würde sie aber nicht standhalten – trotz wunderschöner Panoramafenster. Ich gebe zu, ich bin da pragmatisch unterwegs.

Einen Architekturpreis gewinne ich damit nicht, aber es lässt sich darin wohnen.
Einen Architekturpreis gewinne ich damit nicht, aber es lässt sich darin wohnen.

Der Basenbau funktioniert intuitiv. Die nötigen Ressourcen und Werkzeuge vorausgesetzt, sind schnell ein paar Räume errichtet, Fenster eingesetzt und Maschinen gebaut. Das Biolab ist ein Neuzugang, mit dem ich aktive und passive Skills auswählen kann. Zu den ersten gehört der Dash, um aggressiven Fischen auszuweichen oder eine Pheromonspur, die wie Hänsel und Gretels Brotkrümelspur funktioniert – nur zuverlässiger.

Ich liebe Panoramafenster. Damit habe ich es wenigstens tagsüber hell, ohne stromfressende Lampen installieren zu müssen.
Ich liebe Panoramafenster. Damit habe ich es wenigstens tagsüber hell, ohne stromfressende Lampen installieren zu müssen.

Hinzugekommen sind Unterwasserströmungen. Die sind praktisch, weil ich damit wie mit einem Turbo schnell in Höhlen gelange. Ich bin schon unfreiwillig in diese Strömung geraten und natürlich dann, wenn der Sauerstoff ohnehin knapp ist. Die zusätzlichen Meter bis zur Wasseroberfläche werden zur Qual. Zum Glück gibt es neue Gadgets wie die «Air Bladder», die mir schon oft das Leben gerettet hat. Das ist ein Kissen, das mir entweder Sauerstoff spendet oder mich direkt nach oben katapultiert. Dekompressionskrankheit ist für meinen Taucher offenbar ein Fremdwort. Später kann ich Turbinen in die Unterwasserströmungen bauen, um meine Basis mit Strom zu versorgen.

Der Scanner ist eine willkommene Ergänzung. Damit kann ich mir Ressourcen anzeigen lassen, die ich sonst übersehen würde.
Der Scanner ist eine willkommene Ergänzung. Damit kann ich mir Ressourcen anzeigen lassen, die ich sonst übersehen würde.

Mittlerweile muss ich auch nicht mehr so viel selber schwimmen: Mein neuster Stolz ist das Tadpole, ein kleines Einmann-U-Boot. Dummerweise habe ich es bei der Jungfernfahrt wohl für immer verloren. Natürlich musste ich den erstbesten tiefen Graben hinuntertauchen und eine Warnung ignorieren, dass sich dieser Teil der Welt noch im Entwicklungsstadium befindet. Zwei Sekunden nach dieser Meldung sehe ich nur noch ein riesiges Maul auf mich zuschwimmen. Einen Moment später druckt das Bioped in meiner Basis eine neue Kopie von mir aus, während mein schönes Tadpole Nr. 1 am Grund des Ozeans vor sich hin rostet.

Koop, nein danke

Das U-Boot hat zwar nur einen Sitzplatz, aber draussen kann sich eine weitere Person festhalten und mitfahren. «Subnautica 2» verfügt über einen Koop-Modus. Den habe ich allerdings noch nicht ausprobiert. Für mich geht damit ein wichtiger Teil des Spielgefühls verloren: diese Verlorenheit mitten in einem riesigen Ozean auf einem fremden Planeten.

Weit und breit kein Mensch. So mag ich mein «Subnautica».
Weit und breit kein Mensch. So mag ich mein «Subnautica».

Der bisherige Early-Access-Inhalt ist einfach alleine zu meistern, auch ohne tagelang Ressourcen zu grinden. Im Gegensatz zu anderen Survival-Spielen wie «Valheim» oder «Enshrouded» erfordert «Subnautica 2» weniger Teamwork, um alles freizuschalten und zu erleben. Und wenn du Freunde wie ich hast, die in wenigen Tagen unzählige Stunden reinbuttern, gibt es weniger zu entdecken. Der Fortschritt wird nämlich geteilt. Sobald jemand ein neues Rezept entdeckt, besitzen es alle.

Ich begebe mich lieber alleine auf Tauchstation. In alle Richtungen gibt es etwas zu entdecken. Kein anderes Spiel wird dem Wort «eintauchen» gerechter als «Subnautica 2». Begleitet vom stimmungsvollen Soundtrack erkunde ich immer wieder aufs Neue die faszinierende Welt, die Unknown Worlds geschaffen hat. Ich begrüsse es, dass mir das Studio weiterhin keine Waffen gibt. Egal, wie nervig gewisse Fische sein können, ich werde sie nie töten können. Das haben die Entwickler auf die entsprechende Frage nochmal bekräftigt.

Was sie sonst noch zu ihrem Spiel zu sagen haben, liest du in Deboras Vorschau zu «Subnautica 2».

Das gilt zumindest für die meisten. Ein paar Fischlein landen dann doch in meiner Pfanne, respektive meinem Fabricator, der mir daraus leckere Gerichte kocht. Irgendwoher muss das Protein für meine immer länger werdenden Tauchgänge kommen. Auch zu Treibstoff für meine Generatoren kann ich die Meeresbewohner verarbeiten. «Subnautica 2» bleibt trotzdem im Kern ein friedliches Spiel.

Die Riesenquallen sehen gefährlich aus, sind aber ganz friedlich.
Die Riesenquallen sehen gefährlich aus, sind aber ganz friedlich.

Wo das Studio etwas aggressiver sein könnte, ist bei den Innovationen. Die sind in der bisherigen Early-Access-Version noch überschaubar – mal abgesehen vom Koop-Modus. Das Meer könnte noch lebendiger sein. Dass meine Taschenlampe gewisse Fische erschreckt, andere aber anzieht, ist ein Anfang, aber ich möchte mehr davon. Wie wäre es, wenn ich Tiere und ihr Verhalten studieren könnte? Sei es für neue Upgrades oder einfach, um eine hübsche Enzyklopädie zu füllen. Die Einträge für gescannte Tiere im Codex sind nicht sehr berauschend. Ich würde auch zu einem Bohrwerkzeug für den Bau einer Bond-Bösewicht-mässigen Höhlen-Unterkunft nicht nein sagen. Der Roadmap zufolge sind primär Inhaltsupdates und Quality-of-Life-Verbesserungen geplant, aber wer weiss.

Zu bauen gibt es deutlich mehr, sonstige Innovationen sind eher spärlich gesät.
Zu bauen gibt es deutlich mehr, sonstige Innovationen sind eher spärlich gesät.

Auch ohne Revolution ist «Subnautica 2» schon jetzt ein brillantes Spiel. Über die kommenden Monate und Jahre dürfte es Unknown Worlds wie den Vorgänger mit dem Feedback der Community weiter verbessern. Das wiederum ist das einzige, das mich noch zurückhält, komplett in «Subnautica 2» abzutauchen. Denn auch wenn das Spiel schon sehr viel Inhalt enthält, stosse ich schnell an die Grenzen. Ich bevorzuge meine Spielzeuge am liebsten komplett. Wobei ich vielleicht noch den einen Raum in der Basis vergrössern könnte. Und für einen zweiten Tadpole brauche ich ja nur einen Systemchip. Damit könnte ich die eine Höhle erforschen, die ich markiert habe. Danach höre ich aber auf, ganz bestimmt.

«Subnautica 2» ist verfügbar für PC, Xbox Series X/S und Game Pass.

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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