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Storytelling macht Dating‑Profile unwiderstehlich

Perfekte Fotos, interessante Hobbys, toller Charakter? Langweilig. Wer auf Dating-Apps punkten will, sollte seine Vorzüge nicht einfach auflisten. Experimente beweisen: Romantische Gefühle brauchen eine Geschichte.

Diese Studie bekommt ein Herz: Mit Dating‑Profilen, in denen wir wenigstens einen Hauch unserer Lebensgeschichte preisgeben, wecken wir beim Gegenüber emotionale Resonanz und lösen eher romantische Gefühle aus. Das gilt für Texte, aber auch für Fotos, wie mehrere Experimente eines Teams der Reichman University in Tel Aviv belegen.

Psychologieprofessorin Gurit Birnbaum und ihr Student Kobi Zholtack liessen sich bei ihrer Studie von der Marketingforschung inspirieren – denn die hat längst belegt, dass «Storytelling» eine wirksame Werbetechnik ist. Erzählerische («narrative») Elemente in Anzeigen sprechen uns gefühlsmässig an, weil sie Verbundenheit schaffen. Transportieren Werbefilme eine persönliche Story, wird beim Zuschauer unter Umständen sogar messbar mehr Oxytocin ausgeschüttet, das zentrale Hormon im Bindungsprozess.

Das Zweierteam rekrutierte für seine drei Experimente jeweils rund 130 bis 330 Singles aus der Studentenszene. Nach dem Lesen eines kurzen, realistischen Profils sollten die jungen Männer und Frauen auf Skalen einschätzen, wie viel Empathie sie für die Person empfanden und wie gross ihr romantisches Interesse nun an ihr war. Der Text startete etwa mit: «Ich habe schon in jungen Jahren gelernt, Gitarre zu spielen. Meine erste Gitarre war ein Geschenk meines Grossvaters. Und auch heute spiele ich noch ziemlich viel.»

Die narrative Version verwebte diese Fakten zu einer kaum längeren, aber fortlaufenden Geschichte: «Mein Grossvater glaubte, dass Musik Menschen verbindet. Als ich sieben Jahre alt war, schenkte er mir eine Gitarre, die zu einem untrennbaren Teil von mir wurde …»

Im zweiten Experiment sahen die Probanden nur Fotos ihrer potenziellen Dating-Partner. Sie zeigten dieselbe Person entweder sitzend oder stehend in neutraler Umgebung – im Park oder auf der Strasse – oder aber bei ihren Alltagsbeschäftigungen, etwa beim Joggen, Kochen oder Lernen. Die Bilder waren dann so angeordnet, dass sie einen typischen Tagesablauf der Porträtierten nacherzählten. Ein drittes Experiment kombinierte Text und Bilder. Die Teilnehmer empfanden in allen Anordnungen mehr Empathie, wenn die Informationen so verpackt waren, dass man sie als kontinuierliche Geschichte wahrnahm. Besseres Einfühlen ging dann wiederum mit mehr romantischem Interesse einher.

Was im Produktmarketing gilt, lässt sich also auf die «Selbstvermarktung» übertragen. Birnbaum sieht das positiv: Storytelling im eigenen Dating-Profil motiviere das Gegenüber dazu, das potenzielle Date weniger als «blosse Ware» wahrzunehmen: «Es sind nicht Körpergrösse oder Ehrgeiz, die jemanden für dich einnehmen, sondern deine ganze Geschichte.»

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