Stimmt es, dass die Kehrichtverbrennung Glas im Hausmüll mag?

Stimmt es, dass die Kehrichtverbrennung Glas im Hausmüll mag?

Simon Balissat
Zürich, am 10.12.2019
Es ist das Mantra aller recyclingfaulen Mitmenschen, wenn sie Glas in den Hauskericht geben: «Die in der Kehrichtverbrennung mögen das.» Das ist zu hundert Prozent falsch.

Ökonomisch gesehen ist es sinnlos, teure Gebührensäcke zur Entsorgung von sperrigem Glas zu verwenden. Glas kannst du schliesslich bei der Sammelstelle gratis entsorgen. Ohne schlechtes Gewissen. Nun gibt es immer wieder die ganz Schlauen, die sich ein gutes Gewissen einreden. In der Kehrichtverbrennung sei Glas ganz gerne gesehen. Der normale Hausabfall brenne nämlich nicht heiss genug. Man gebe daher sowieso zusätzlich Altglas in den Ofen.

Glas hat im Hauskericht nichts verloren

Das ist alles vollkommener Schwachsinn sagt Rainer Bunge, Professor für Umwelttechnik an der Hochschule für Technik in Rapperswil. «Das Gerücht hält sich hartnäckig. In jedem Jahrgang stellen Studierende diese Frage.» Das Märchen sei nicht immer das gleiche. Einmal werde argumentiert, das Glas reinige den Ofen. Dann heisse es, Glas helfe bei der Schlackenbildung. «Fakt ist: Glas gehört ins Altglas, damit es weiter verwertet werden kann. Es hat im Hauskehricht nichts verloren», sagt Bunge.

Muss ich Glas nach Farben sortieren?

Ein weiteres Gerücht besagt, dass braunes, grünes und weisses Glas sowieso gemischt wird und das Sortieren drum gar nichts bringt. An diesem Gerücht ist eher etwas dran. «Gemischtes Altglas ist tatsächlich ein Rohstoff. Flaschen kann man daraus keine mehr machen. Es taugt aber zur Herstellung von Schaumglas, das zur Dämmung von Häusern gebraucht wird», so Bunge. «Sobald aber Flaschen oder Gläser aus Altglas gemacht werden, müssen die Farben sortiert sein».

Glas gehört also definitiv in die Sammelstelle und dort auch zur richtigen Farbe.

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Simon Balissat
Simon Balissat
Editor, Zürich
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

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