Florian Bodoky
Produkttest

Sonos Beam Ultra: Königin der kleinen Wohnzimmer

Sonos Beam Ultra kann Dolby Atmos – und ist nur 75 Zentimeter kurz. Vor allem im Zusammenspiel mit den Play-Speakern und dem neuen Kopfhörer Ace-Ultra kann ich sagen: Das Kino-Feeling ist auch im kleinen Wohnzimmer angekommen.

Obwohl ich vor ein paar Jahren schon positive Bekanntschaft mit Sennheisers Ambeo Mini schloss, bin ich bei kleinen Soundbars grundsätzlich skeptisch. Die Demo von Sonos Zwergen-Soundbar anlässlich der IFA in Berlin klang zwar gut, aber trotzdem hatte ich den Verdacht, dass «AI Enhanced Dialogues» vielleicht nur eine psychoakustische Täuschung ist. Trotz meiner Bedenken schafft es die Beam Ultra, für einen deutlich günstigeren Preis die «Sonos Arc des kleinen Wohnzimmers» zu werden.

Kompakt, schlicht und gut gebaut

Matter Kunststoff, abgerundete Kanten, ein Gitter über die ganze Front: Die Beam Ultra kommt schlicht und unauffällig daher. Das ist gut so, denn sie soll gut klingen und nicht vom eigentlichen Filmgenuss ablenken. Mit 75 × 6,3 × 10,5 Zentimetern ist sie tief und schmal genug, dass ich sie vor den Fernseher stellen kann, ohne das sie ins Sichtfeld des Bildschirms ragt. Die Bar ragt dabei nicht in das Bild des Fernsehers. Ein K.O.-Kriterium für mich. Sie wiegt nur 2,88 Kilo, du kannst sie also locker umplatzieren, wenn du magst. Sie sieht unter meinem 65-Zöller proportional stimmig aus. Ich mag keine riesigen Balken.

Die Beam Ultra passt gut vor den Standfuss. Ohne das Bild zu stören.
Die Beam Ultra passt gut vor den Standfuss. Ohne das Bild zu stören.

Die Verarbeitung ist tadellos und stabil. Selbst als ich stolpere und mich auf sie abstütze, knarzt nichts. Einziger Wermutstropfen: Die schwarze Version, die ich teste, ist anfällig für Fingerabdrücke. Wenn du sie also oft umplatzieren willst, solltest du dir überlegen, zur weissen Version zu greifen.

Staub und Fingerabdrücke sind gängig.
Staub und Fingerabdrücke sind gängig.

Links und rechts ist die Oberseite der Bar fein perforiert. Darunter arbeiten die beiden Upfiring-Treiber. Ebenfalls auf der Oberseite befinden sich Touchflächen, mit denen ich Play/Pause, Skip/Search, Bluetooth oder das Mikrofon steuere. Bei der abgerundeten Einkerbung rechts steuere ich die Lautstärke. Ich nutze sie relativ selten. Denn dafür gibt es ja die Fernbedienung oder die Sonos App. Eine eigene Fernbedienung für die Soundbar liefert Sonos nicht mit. Dank eARC kann ich die Soundbar ohnehin mit der TV-Fernbedienung steuern.

Der Aufbau: klare Dialoge und Dolby Atmos

Im Innern der Beam Ultra arbeiten neun Treiber. Konkret fünf Hochtöner (zwei davon upfiring) und vier Tieftöner, jeder mit eigenem Verstärker. Sonos spricht von einer 7.1.2-Konfiguration. Als Herzstück für Filmfans gilt der neu konstruierte Center Speaker: ein Koaxialtreiber, bei dem der Hochtöner direkt im Tieftöner sitzt. Stimmen sollen so von einem Punkt kommen und klarer abgebildet werden – sodass man sie auch hört, wenn das Drumherum besonders laut ist.

Was allerdings fehlt: HMDI-Passthrough. Wenn du also eine Konsole oder eine TV-Box anschliessen willst, muss das über den Fernseher laufen. Zum Glück haben zeitgemäss ausgerüstete Fernseher mittlerweile genügend HMDI-Ports. Ausserdem unterstützt Sonos weiterhin kein DTS:X – diesbezüglich ist mein bisheriger Lieblings-Zwerg, die Sennheiser Ambeo Mini, noch voraus. Dafür gibt es Dolby Atmos. Ausser wenn dein Fernseher zu der Sorte gehört, die sich auf einen optischen Ausgang beschränkt. Dann musst du auf Atmos verzichten und brauchst darüber hinaus auch einen Adapter. Ist dies der Fall, solltest du ohnehin zuerst Geld in einen neuen TV investieren, bevor du eine solche Soundbar ins Auge fasst.

Sound: das Kino im Kabuff

Da es sich bei der Beam Ultra um eine Soundbar handelt, teste ich primär mit Filmen. Auf dem Programm standen: «Blade Runner 2049», «Top Gun: Maverick» und «Mad Max: Fury Road». Alle mit Atmos-Tonspur. Dazwischen höre ich etwas Musik, damit die Beam Ultra zeigen kann, wie der Sound ohne Explosionen klingt.

Upfiring Speaker sorgen für Effekte.
Upfiring Speaker sorgen für Effekte.

Der erste Oha-Moment kommt schnell. In «Blade Runner 2049» läuft K durch die verregneten Strassen, über ihm flackern Werbehologramme. Die Geräusche kleben sonst regelrecht am Fernseher. In diesem Setup habe ich das Gefühl, sie schweben drüber hinweg, teilweise über meinen Kopf. Das habe ich einer Soundbar dieser Grösse bislang nicht zugetraut. Ähnlich geht es mir bei «Maverick». Ich ertappe mich dabei, wie ich nach oben schaue und die Kampfflugzeuge suche. Klar, einen richtigen Deckenspeaker ersetzt das nicht.

Die Hochtöner sind fein aufgelöst und zischen nicht. Regentropfen, klirrendes Metall, surrende Drohnen – alles kommt präzise und mit Luft. Sogar bei richtig hoher Lautstärke klingt nichts spitz oder blechern. Ein Tipp dennoch: Die Upfiring-Treiber dürfen nicht verdeckt sein. Verzichte also drauf, die Soundbar UNTER deinen Fernseher zu stellen. Freier Raum auf flache Decke, so lautet das Geheimrezept.

Noch wichtiger ist die Erkenntnis hinsichtlich der Dialoge. Vor allem wenn du eine breite Lautstärke-Bandbreite hast, kann das mühsam sein. Flüstern, Lautstärke rauf. Explosion, Lautstärke runter. Und ehe du dich versiehst, ist der gummierte Volume-Button deiner Fernbedienung abgenutzt. Hier leistet der neue Center schon ohne AI ziemlich gute Arbeit. Die Stimmen klingen natürlich und schön vom Hintergrund abgelöst. Besonders gut höre ich das, wenn bei Maverick ein paar Funksprüche durchgegeben werden, obwohl im Hintergrund die Treibwerke der Flugzeuge rumlärmen. So kommen die Stimmen immer schön aus der Mitte.

Die AI-Verbesserung hat vier Stufen. Die Software soll die Stimmen vom restlichen Audiomix noch besser abheben. Nicht einfach nur boosten, sondern vermeintlich ablösen. Auch mit aktiviertem AI-Enhancement gefallen mir die Dialoge. Wenn es richtig laut wird, verstehe ich dennoch, was gesprochen wird. Allerdings: Da mir die Wiedergabe der Dialoge schon ohne AI-Verbesserung gefällt, finde ich es schwierig, diesen Faktor ehrlich zu Gewichten. Instrumente, um allfällige Unterschiede zu messen, habe ich keine. Ich verstehe die Dialoge gut, sie gehen im Lärm nicht unter. Der entsprechende Button ist an zentraler Stelle auf der App angebracht: mitten auf dem Wiedergabebildschirm. Wenn du Musik hörst, würde ich die AI-Verbesserung abschalten. Dort höre ich tatsächlich einen Unterschied – zum Schlechten.

Derweil wummert die Beam Ultra ganz schön. Auch ohne Subwoofer brummen die Motoren der War Rigs in Fury Road, die Explosionen haben einen kontrollierten, aber deutlichen Punch. Der Bass bleibt sauber und getrennt, «überwummert» keine Dialoge. Das gefällt mir. Allerdings muss dir klar sein, dass dieser Magengruben-Prügel-Deepbass, den du vielleicht im Kino erlebst, mit einer 75-Zentimeter-Soundbar einfach nicht drin ist. Wenn du das willst, holst du dir noch einen externen Subwoofer.

Zu kurz kommt man aber nicht.Im Gegenteil: Der Bass hat die Sound-Ingenieure selber so überzeugt, dass sie ein Sonderfeature verbaut haben. Den Nachtsound. Wenn Nachbarn schlafen, kannst du das Nachtsound-Feature aktivieren. Dieses kappt die Extreme an beiden Enden. Der Tiefbass wird zurückgenommen, damit nichts durch Wände oder Böden dröhnt. Und auch extreme Höhen werden gezähmt. Allerdings nicht einfach durch Drosselung der Lautstärke, denn leise Passagen und Dialoge bleiben gut verständlich. Lediglich der Dynamikumfang schrumpft. Dadurch verliert der Film auch etwas an Wucht, aber das ist beabsichtigt. Den grossen Explosionsepos sparst du dir für den früheren Abend auf.

Die Sonos-App: Pflicht, wenn du dein System ausbauen willst

Nach dem App-Debakel der letzten Jahre bin ich bei Sonos-Setups immer etwas nervös. Zunächst aber völlig zu unrecht. Die Bar in Betrieb zu nehmen,dauert nicht so lange. Kabel verbinden, Strom anschalten, App öffnen, mit dem WLAN verbinden, fertig. Nach ein paar Minuten läuft das Ganze.

Die Konfig ist am Anfang etwas frickelig, bietet aber danach coole Features.
Die Konfig ist am Anfang etwas frickelig, bietet aber danach coole Features.

Für diesen Test möchte ich mein TV-Audio-Setup noch vervollständigen – mit Rear-Speakern für die Bar und dem neuen Sonos-Kopfhörer Ace Ultra. Dafür brauche ich etwas länger. Denn manchmal will die App Geräte nicht erkennen. So wie in meinem Fall den neuen Kopfhörer. Obwohl dieser schon über Bluetooth mit dem Handy verbunden ist – er also zweifelsohne funktioniert – braucht die Sonos App einige Anläufe, bevor sie die Ace Ultra im Kreise der Sonos-Familie willkommen heissen will. Heisst: App «abschiessen», dann App neu installieren, nochmal von vorne anfangen. Bei den Rear-Speakern mache ich das in zwei Schritten. Nachdem das System die Speaker erkennt, muss ich diese erst dem richtigen Raum zuordnen, damit ich sie als Rear-Speaker für die Beam Ultra verwenden kann. Auf diese Idee kommt die App irgendwann selber, aber ich muss ihr Zeit geben. Anschliessend ebenfalls wichtig ist Trueplay. Die schnelle Variante der Konfiguration misst den Raum über die eingebauten Mikrofone innert Sekunden. Die ausführliche Variante fordert mich auf, mich durch den Raum zu bewegen, um die akustischen Verhältnisse prüfen zu können. Das hat sich bei mir unheimlich gelohnt. Der Sound passt sich nämlich an mein Wohnzimmer an: Holzboden, Holzwände und eine grosse Glasfront.

Trueplay trägt den akustischen Gegebenheiten Rechnung.
Trueplay trägt den akustischen Gegebenheiten Rechnung.

Wenn du das hinter dich gebracht hast, macht die App Freude. Sie wirkt aufgeräumter als früher. Die wichtigsten Schalter sind an prominenter Stelle platziert. Bass, Höhen, Pegel, Loudness, Sprachverbesserung oder der Nachtsound. Ein nettes Detail gibt es bei der Lautstärke: Lege ich zwei Finger gleichzeitig aufs Display und bewege sie, erscheint ein virtuelles Rad, das den Sound lauter oder leiser macht. Eine Spielerei, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Sonos Play und Ace Ultra: Das Kino-Feeling ist komplett

Sonos wäre nicht Sonos, wenn die einzelnen Komponenten nicht miteinander koppelbar wären. Zum Beispiel die Play-Speaker. Wenn du diese in deinem Multiroom-System hast, kannst du sie hinter dein Sofa stellen, in der App dem gleichen Raum wie die Beam Ultra zuweisen und dann als Surround-Speaker nutzen. Das lohnt sich, denn so entsteht beim Filmschauen noch mehr Räumlichkeit. Du hast auch hinter und neben dir Regengeräusche. Autos fahren an dir vorbei und die akustischen Verhältnisse des Raumes, in dem sich die Filmfiguren befinden, sind gefühlt auch jene deines Wohnzimmers. Auch in ruhigen Szenen mit Atmosphäre machen die Plays einen riesigen Unterschied. Die Beam Ultra ist stark, mit Rears hält das Kino-Feeling endgültig Einzug.

Hinten hatte ich zu wenig Platz. Dann scheppert’s.
Hinten hatte ich zu wenig Platz. Dann scheppert’s.

Allerdings – und hier kommt das grosse «aber»: Die Aufstellung und damit auch die Grösse des Raumes ist entscheidend. In meinem Rund 25 Quadratmeter grossen Wohnzimmer muss ich die Plays auf die Rückenlehne des Sofas oder auf die Möbel seitlich meines Sofas stellen. Ein «weiter hinten» gibt es bei mir nicht. Das hat zur Folge, dass die Effekte fast ein bisschen scheppern und aufdringlich sind. Besonders bei lauten Szenen. Die Rears lösen sich zu wenig, sondern krähen mir separat ins Ohr. Erst als ich für diesen Test das Sofa weiter nach vorne rückte, stellt sich der gewünschte Effekt ein. Der Pegel senkt sich und der Rearsound fügt sich harmonischer ins Gesamtbild. Da das aber keine Dauerlösung ist, muss ich später wieder darauf verzichten. Darum: Bevor du dieses Setup ins Auge fasst, achte darauf, dass die Grösse und die Aufteilung deines Raums diese Rearspeaker überhaupt sinnvoll in Szene setzen können.

Wenn ich nach der Nachtruhe etwas schauen oder hören will, kann ich das mit Sonos Kopfhörern machen. Mit den neuen Sonos Ace Ultra geht kann ich den Ton per Druck auf den entsprechenden Knopf auf dem Kopfhörer von der Soundbar auf den Ace Ultra umleiten. Die App braucht es dazu nicht. Diese war bei seinem Vorgänger noch nötig. Cool: Ich kann den Sound auch «mitnehmen». Per Knopfdruck hole ich ihn mir von der Bar auf den Ace Ultra. Wenn ich dann in einen anderen Raum mit Sonos-Speaker gehe und den Knopf am Kopfhörer drücke, sendet der Ace Ultra den Sound an den Speaker in diesem Raum. Und weil das ganze über WLAN und nicht Bluetooth funktioniert, höre ich keinen Delay.

Ein Druck auf den Knopf, schön beamt die Beam den Sound auf die Ace.
Ein Druck auf den Knopf, schön beamt die Beam den Sound auf die Ace.

Eine kleine Schwäche habe ich dennoch ausgemacht: Das Kunstleder auf den Hörern überträgt Geräusche teilweise ans Ohr. Wenn sich die Ohrmuschel an meinem (sehr kurz geschorenen) Haar reibt, höre ich ein leichtes Kratzgeräusch – zumindest bis ich den Ace Ultra in die richtige Form gebracht habe.

Leider trägt das Leder die Kratzgeräusche ans Ohr. Dennoch ist der Sound klasse.
Leider trägt das Leder die Kratzgeräusche ans Ohr. Dennoch ist der Sound klasse.

Fazit

Ich vermisse nichts

Die Beam Ultra ist keine aufgewärmte Beam 2nd Gen und keine geschrumpfte Arc. Sie ist ihre eigene Nische und bringt kleine Soundbars auf ein neues Level. Die echten Höhenkanäle bringen Atmos spürbar gut rüber und der Bass ist, gemessen an der Grösse, stark. Ausserdem ist der neue Center ein Geschenk an alle, die bei überwältigendem Klangbild immer etwas Mühe mit dem Verstehen von Dialogen haben. Dazu kommen praktische Features wie der Nightmode, der Ace Ultra oder die Plays als temporäre Rearspeaker. Ja, 649 Franken sind kein Pappenstiel, aber für vergleichbare Summen gibt es in dieser Grösse und Qualität nur wenig Geräte.

Pro

  • Echte Höhenkanäle mit überzeugendem Atmos
  • Straffer, kräftiger Bass auch ohne Sub
  • Klare Dialoge dank Centertreiber
  • Nachtsound ist cool

Contra

  • Kein HDMI-Passthrough
  • Kein DTS:X
Produktbild Sonos Beam Ultra (7.1.2 Kanal)
Soundbar
Neu
CHF649.–

Sonos Beam Ultra

7.1.2 Kanal

Titelbild: Florian Bodoky

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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