Sommerzeit: Welche Uhren stellen sich selbst um und warum?
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Sommerzeit: Welche Uhren stellen sich selbst um und warum?

David Lee
Zürich, am 23.03.2018
Warum stimmt die Uhr am Phone immer? Warum geht meine Backofenuhr in letzter Zeit immer falsch? Hier erfährst du, welche Uhren wie funktionieren.

Uhrentypen unterscheiden sich grundlegend in der Art, wie sie die Zeit messen und wie sie sich selbst aktuell halten. Das hat Auswirkungen darauf, ob und wie sie nachgestellt werden müssen. Zum Beispiel jetzt, wo gerade mal wieder auf Sommerzeit gewechselt wird. Für die, die es immer verhängen: Das ist am Sonntag, 25. März, nachts um 2 Uhr.

Backofenuhren

Wahrscheinlich hast du es mitbekommen: In den letzten paar Wochen liefen die Backofenuhren in allen Schweizer Küchen zuerst zu langsam, dann zu schnell. Innert recht kurzer Zeit gingen sie mehrere Minuten hintendrein, so dass viele (auch ich) beinahe einige Male den Zug verpasst hätten. Der Grund: Diese Uhren haben keinen eigenen Taktgeber, sondern nutzen die Wechselstromfrequenz als Takt. Das funktioniert normalerweise gut, denn die Frequenz liegt auf mehrere Kommastellen genau bei 50 Hz. Wenn sie ausnahmsweise einmal nicht eingehalten werden kann, wird die Differenz anschliessend kompensiert. Die Uhren stimmen daher nur vorübergehend nicht.

Anfang März war die Differenz allerdings so gross, dass sie vielen Leuten auffiel und sie die Uhren selbst nachjustierten. Die Frequenz war zuvor mehrere Wochen deutlich zu tief, weil Stromlieferung und Stromverbrauch auf dem internationalen Strommarkt nicht übereinstimmten. Seit ein paar Wochen wird die zu niedrige Frequenz kompensiert, sodass die von Hand justierten Uhren nun vor gehen.

Auf dieser Webseite von Swissgrid kannst du die momentane Frequenzabweichung sowie die totale Netzzeitabweichung sehen. Sie beträgt in dem Moment, wo ich diesen Text schreibe, immer noch fast fünf Minuten.

Uhren in Backöfen und ähnlichen Geräten musst du selbst auf Sommerzeit stellen. Du kannst sie in diesem Jahr natürlich vier bis fünf Minuten zu spät einstellen, weil die Zeit ja irgendwann aufgeholt wird. Ich würde das allerdings nicht tun, sondern sie richtig stellen und gelegentlich überprüfen. Denn unter Umständen kann es sehr lange dauern, bis die Zeitabweichung durch die Taktfrequenz kompensiert ist.

Mobiltelefon, Notebook und PC

Die Uhr im Smartphone kann sich selbst korrigieren, indem sie die vom Netz (Mobilfunk, Internet oder GPS) zur Verfügung gestellte Zeit verwendet. Allerdings muss das in den Systemeinstellungen auch aktiviert sein. Hier (Beispiel Android) kannst du einstellen, ob du auch Zeitzonen- und Sommerzeitumstellung automatisch korrigiert haben möchtest.

Gewisse «Dumbphones» (z.B. alte Nokia-Handys) sind nicht in der Lage, die Zeit automatisch anzupassen. Die Uhr in einem Handy hat in jedem Fall eine eigene Stromversorgung, die auch dann weitergeht, wenn das Handy ausgeschaltet ist.

Ein PC verhält sich ähnlich wie das Smartphone. Er kann sich nach der Netz-Zeit richten und tut dies standardmässig auch. Er hat aber natürlich auch eine Uhr mit eigener Taktgebung und eigener Stromversorgung eingebaut. Wenn du einen Desktop-PC öffnest, siehst du irgendwo auf der Hauptplatine eine kleine Knopfbatterie. Sie versorgt die Uhr des PCs auch dann mit Strom, wenn dieser komplett vom Netz getrennt ist. PCs, bei denen das häufig der Fall ist, brauchen nach einigen Jahren eine neue Knopfbatterie.

Fotokamera

Kameras brauchen eine interne Uhr, um in einer Bilddatei die Information zu speichern, wann es aufgenommen wurde. Sie sind normalerweise nicht am Netz und stellen sich nicht selbst. Du musst sie nachstellen. Sie gehen, weil sie oft vernachlässigt werden, manchmal komplett falsch (die maximale Abweichung einer Quarzuhr beträgt laut Wikipedia 30 Sekunden pro Monat). Es gibt sogar Kameras, die jedes Mal neu gestellt werden müssen, wenn du den Akku zum Laden herausnimmst - das ist aber zum Glück sehr selten. Die meisten Geräte haben wie PC und Handy eine eigene Stromversorgung für die Uhr.

Übrige Uhren

Uhren hat es ja überall drin: Im Auto, im Radiowecker, im Fernseher, vor dem Kuckuck, etc. Aber eigentlich funktionieren fast alle nach einem der drei oben beschriebenen Prinzipien:

  • Uhr, die am Stromnetz hängt und nicht selbstständig taktet
  • Uhr eines vernetzten Geräts (GPS, Internet, Mobilfunk)
  • Uhr mit Batterie ohne Vernetzung

Der erste und dritte Typ muss sicher von Hand gestellt werden, der zweite nicht.

Beispiel: Das hier ist ein Wecker. Allerdings ein vernetzter, der sich nach der Netzwerkzeit richtet. Er muss somit nicht manuell gestellt werden.

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Das hier hingegen ist ein unvernetzter Wecker. Er muss von Hand gestellt werden.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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