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So wird dein Balkon zur bunten Insel

Der Balkon ist unser Aussenzimmer. Wir können in der Sonne ein Buch lesen, mit Freunden ein Glas Wein in der Abenddämmerung geniessen oder auch zum Znacht grillieren. Da sollte er doch auch Gemütlichkeit und Wohlfühlfaktor ausstrahlen. Das ist aber vor allem bei einem kleinen Balkon gar nicht so einfach. Ich rede aus Erfahrung.

Schattig, sonnig, gross, klein – Balkone sind vielfältig. Deshalb gibt es auch kein Patentrezept für die perfekte Balkongestaltung. Die Wahl der Pflanzen muss zur Lage deines Balkons passen, aber auch zum Aufwand, den du betreiben möchtest. Die Auswahl der Flora ist riesig, da fällt die Entscheidung nicht immer leicht. Deshalb habe ich mich auf zum Experten gemacht. Bernhard Schmid, Geschäftsführer des Gartencenters Bacher in Langnau, soll mit Tipps und Tricks aushelfen.

Wähle deinen Topf mit Bedacht

Erklärtes Ziel: Mein Balkon soll lebendiger und einladender werden. Bis jetzt bietet er vor allem Raum für Mülltrennung und einen Mini-Tisch. Ein paar Pflanzen gibt’s zwar auch, aber ich habe das Gefühl, dass diese nicht optimal gedeihen. Mein Balkon ist ziemlich schattig, habe ich vielleicht doch sonnenliebende Blumen gewählt? Oder liegt die letzte Bewässerung schon weiter zurück als angenommen?

Mein Balkon während der etwa zehn Minuten Sonnenschein pro Tag.

«Das Wichtigste», sagt mir Schmid gleich zu Beginn, «sind die richtigen Gefässe. Die Pflanzen brauchen genug Raum und Erdvolumen, um gedeihen zu können.» Schon dieser erste Tipp ist ziemlich nützlich. Gut möglich, dass ich in meiner Vorfreude und Übermut etwas viele Pflanzen pro Kistchen angepflanzt habe. Ich merke mir: Weniger ist mehr, auch bei Pflanzen.

Die Wahl der Gefässe ist aber ganz dir überlassen. Für die Pflanzen spielt es keine Rolle, ob sie im Balkonkistli, im Pflanzsack oder in einem Hängetopf beheimatet werden. Die Wahl richtet sich vor allem nach deinen Platzverhältnissen. Da mein Balkon winzig ist, tendiere ich persönlich zu Balkonkistli und hängenden Töpfen. Ein Topf allein macht meinen Balkon aber noch nicht zur Oase. Also, auf zu den Pflanzen!

Hängende Töpfe über stehenden Pflanzen im Gartencenter Bacher.

Pflanzen für dein schattiges Plätzchen

Wie erwähnt, ist mein Balkon ziemlich schattig. Wenn du mit dem gleichen Problem kämpfst, ist dir vielleicht auch schon schmerzlich bewusst geworden, dass viele Pflanzen dafür nicht geeignet sind. Ich musste schon etliche zu Grabe tragen, da ich zu stur war, um mir einzugestehen, dass die kleinen Schildchen im Blumentopf ihre Daseinsberechtigung haben. Wenn darauf eine strahlende Sonne zu sehen ist, muss ich wohl oder übel meine Finger davon lassen. Das bestätigt auch Schmid. «Ist der Standort falsch gewählt, kannst du die Pflanzen noch so hegen und pflegen, es wird nichts werden.»

Was tue ich mir also am besten zu? «Begonien und Fuchsien gedeihen gut im Schatten und sind dazu ziemlich anspruchslos», meint Schmid. Auch Anfänger könnten bei diesen Pflanzen nicht viel falsch machen. Das klingt nicht schlecht für mich. Ich mag Pflanzen und ich kümmere mich auch gern um sie, aber als eingefleischte Gärtnerin würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Kommt vielleicht noch, mit dem ersten eigenen Garten.

Die einzig wahren Pflanzen für meinen Schattenbalkon: Begonien.

Kräuter und Gemüse sind Sonnenanbeter

Alle Glücklichen mit Südbalkonen können mit dem aktuellen Trend gehen. Schmid sagt: «Kräuter und Gemüse sind momentan sehr beliebt bei unseren Kunden, auch begünstigt durch Urban Gardening.» Urban Gardening ist die gärtnerische Nutzung von kleinen Flächen, meistens in der Stadt. Sprich: Auf Balkonen, in Hinterhöfen und in Hochbeeten werden Nahrungsmittel angepflanzt.

«Bekannte mehrjährige Kräuter sind zum Beispiel Rosmarin, Thymian und Salbei. Unter den Einjährigen ist vor allem das Basilikum beliebt» so Schmid. Basilikum gibt es übrigens in zehn verschiedenen Sorten – nicht nur in der einen, welche die meisten von uns kennen. Auch Paprika und Tomate erfreuten sich grosser Beliebtheit. «Vor allem die Paprika kommt mehr auf, da es sie in verschiedenen Sorten von mild bis scharf gibt», sagt Schmid. Ein Tipp vom Profi: Gönn dir bei Tomaten und Paprika die veredelte Variante. Diese sind weitaus robuster und weniger krankheitsanfällig.

Der klassische Basilikum ist uns allen bekannt, es gibt aber noch neun weitere Sorten.

Grösster Trend sei momentan die Süsskartoffel. Die lateinamerikanische Knolle benötigt aber ein grosses Gefäss, ist damit also nichts für winzige Balkone. Und wenn wir gerade bei Knollengemüse sind: Neu gibt es Kartoffeln auch als Setzlinge. Schmid sagt: «So eignen sie sich jetzt für jedermann. Zuvor musste das Gemüse aufwändig ausgesät werden und war dadurch nur etwas für ambitionierte Hobbygärtner.»

Ich sehe schon lauter Rezeptideen mit Gemüse aus Eigenanbau vor meinem inneren Auge. Wird aber leider bis zum Umzug eine Utopie bleiben. Denn fast alle Kräuter- und Gemüsesorten sind sonnenliebend. So bleibt mir nur noch ein lautloser Fluch an die Adresse der benachbarten Gebäude.

Wenn's doch lieber ein Blümchen sein soll, dann am besten Dipladenia. Sie scheint eine eierlegende Wollmilchsau und Schmids Liebling zu sein. Denn egal, ob ich nach pflegeleichten, bunten oder lang blühenden Pflanzen frage, die Antwort lautet stets: «Dipladenia!» Ist ja wirklich eine hübsche Pflanze, aber ein bisschen mehr Abwechslung auf dem Balkon wäre auch nicht schlecht. Und gegen Ende des Gesprächs bringt Schmid doch noch eine andere Blume ins Spiel. «Das Fleissige Lieschen bringt Farbe auf den Balkon, doch wenn sie zu wenig Wasser bekommt, lässt sie ganz schnell den Kopf hängen.»

Die Dipladenia kann alles, sieht super aus und ist sowieso die Beste.

Klassischer Anfängerfehler

Zum Schluss will ich noch wissen, was denn die klassischen Anfängerfehler beim Gärtnern sind. Ich hoffe auf eine überraschende Antwort, werde aber enttäuscht. «Der Fehler schlechthin ist und bleibt zu wenig Wasser.» Also doch. Wir sind einfach zu vergesslich, um unsere Pflanzen regelmässig zu giessen. «Bei Regen wird davon ausgegangen, dass einem die Arbeit abgenommen wird. Oft befinden sich Pflanzen auf dem Balkon aber im Regenschatten und bekommen kaum ein Tröpfchen ab», so der Profi. Und wenn wir schon bei Fehlern sind. «Jetzt schon anpflanzen oder bis nach den Eisheiligen warten?», will ich von Schmid wissen. «Die meisten Blumen können jetzt schon raus. Bei anstehendem Frost müssen sie aber mit einem Vlies abgedeckt werden. Bei Basilikum oder Tomate reicht das nicht. Sie müssen reingeholt werden.»

Die zarten Tomatenpflänzchen gehen schon beim ersten kühlen Lüftchen ein.

Ich schlendere noch ein wenig zwischen den bunten Blumen des Gartencenters umher. Ich für meinen Teil habe etwas dazugelernt. Nämlich, dass ich auf meinem jetzigen Balkon nie zur Selbstversorgerin werde, dass Erdaufbau und -volumen für die Pflanzen stimmen müssen und dass Begonien meine erste Wahl sind. Meine wichtigste Lektion aber war, dass schattig und klein nun einmal schattig und klein bleibt. Da kann auch der beste Gärtner nichts dran ändern.

Und schon durchsuche ich den digitalen Wohnungsmarkt.

User

Carolin Teufelberger, Zürich

  • Junior Editor
Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Dinge kennenzulernen und zu erlernen. Neue Erfahrungen lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

1 Kommentar

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User Damb_86

Guter Beitrag, macht Laune auf Balkon oder Terrasse aufmöbleln :)
noch als kleine Randnotiz, ich denke um Pflanzen abzudecken nimmt man doch eher ein vlies und nicht fleece...(?)
Gruss

18.05.2018