
Hintergrund
Als kompletter Noob in «Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection»: überwältigt, aber begeistert
von Kevin Hofer

Beim Free-To-Play-Titel «Neverness To Everness» kämpfe ich als Jägerin gegen Monster in einer Grossstadt, bezwinge harte Jungs bei illegalen Autorennen und gründe auch gleich eine eigene Band.
Ich bin von der ersten Sekunde an mitten im Gefecht. Mit drei unbekannten Charakteren hintereinander bekämpfe ich schwarzrote Monster auf Hochhäusern, die der New-York-Skyline nahe kommt.

Meine drei Kämpferinnen verfolgen offenbar das gleiche Ziel, könnten aber unterschiedlicher nicht sein: eine grossgewachsene Schönheit mit grosszügigem Vorbau, ein Emo-Kid mit Jö-Faktor und ein Wolfsmensch. Die Kampfeinlagen der Figuren sind episch inszeniert und ich fühle mich auf Anhieb wohl mit dem überschaubaren Kampfsystem.
Anschliessend kommt mein eigener Charakter ins Spiel. Ich kann hier lediglich zwischen einer vorgefertigten weiblichen oder männlichen Figur wählen, bin aber mit dem Aussehen zufrieden. Ich erfahre in der Cutscene, dass ich mich in New Helios befinde. Einer belebten Metropole mit einem «Mangel an kulturellen Grundlagen». Was auch immer das bedeutet. Das Problem: Eine alienartige Kraft sucht die Stadt mit sogenannten Anomalien heim. New Helios wurde deshalb in einen Lockdown versetzt und ist damit beschäftigt, diese Anomalien zu bekämpfen. Coole Sci-Fi-Grundlage, die Hotta Studio hier entwickelt hat!
Meine Figur, ich habe sie Lynn getauft, driftet in der nächsten, cool animierten Szene, als Beifahrerin in einem Auto durch eine Stadt namens Hetherau. Die Szene spielt ein paar Wochen nach den Ereignissen aus der einleitenden Kampfsequenz. Dass eine fliegende Hand das Auto fährt und einen crazy DJ am Autoradio abgibt, lässt das ganze Szenario äusserst absurd erscheinen.

Die rasante Fahrt endet beim «Büro für Anomaliekontrolle». Dort lerne ich Mint kennen: eine blauhaarige Katzenlady, mit der ich direkt zur Direktorin gehen soll. Mint ist liebevoll animiert und mir direkt sympathisch.

Meine Aufgabe kristallisiert sich schnell heraus: Ich soll mithelfen, Anomalien zu bekämpfen und meiner Vergangenheit auf den Grund gehen – meine Erinnerungen daran sind nämlich vollständig ausgelöscht. Ich arbeite deshalb im Antiquitätenladen Eibon in Hetherau: Hinter dieser Tarnung steckt eine Truppe von Anomalie-Jägern, denen ich mich anschliesse.

Von nun an kann ich mich in der Open-World frei bewegen und die vielen Details und Menschen in meinem Stadtviertel entdecken. Hier gibt es an jeder Ecke spannende Gebäude, die ich betreten und erkunden kann.
Meine erste Anomalie, die ich bekämpfen muss, ist eine Raum-Anomalie, die in eine andere Dimension führt. Eine quietschbunte Tür eröffnet mir den Eingang. Nun soll ich den «Nexus» finden: einen Schlüssel zur Annullierung oder Eindämmung der Anomalie. Wie auch immer dieser aussehen mag. Die Spannung steigt.
Ich schlüpfe zusammen mit Mint – sie gehört jetzt als zweite Figur zu meinem Charakterinventar – in die Dimension und verfolge die Spuren des Nexus. Auf dem Weg begegne ich den schwarz-roten Monstern vom Anfang. Ich erledige sie mit dynamischen Moves und einem ähnlichen Kampfsystem, wie ich es von «Genshin Impact» kenne. Ich habe also je nach Charakter spezifische Spezial- und ultimative Fähigkeiten. Diese laden sich während des Kampfes jeweils wieder auf. Zwischen den einzelnen Charakteren kann ich jederzeit wechseln.
Nachdem ich mich durch die Monster gekämpft habe, erscheint der Nexus. Und der ist weniger ein «Schlüssel» als viel mehr ein riesiges Monster – der Bosskampf beginnt. Den zu erledigen ist gar nicht so einfach. Mint erklärt mir, dass die besonders starken Anomalien nicht annulliert, sondern nur eingedämmt werden können. Aber kaum hat Mint dem Monster ein Kompliment gemacht, wird es doch noch schwach, und wir können es erledigen. Was für ein süsser Humor!

Solche Anomalie-Aufträge nehme ich künftig nach Lust und Laune an. Dafür bekomme ich jeweils Fons (die Währung hier) und reichlich Belohnungen für mehr Charaktere, Waffen und Ausrüstung.
Über die Aufträge kann ich meine Charaktere hochleveln. Das geschieht durch Kampferfahrung, aber auch durch diverse Ausrüstung, sogenannte Konsolen und Arkusse. Anfangs bin ich noch etwas überfordert, wie dieses Ausrüstungskonzept funktioniert, ich werde aber fortlaufend eingeführt und bekomme ein Handbuch für weitere Infos. Hier sickert durch, dass Hotta Studio mit solchen Ausrüstungselementen und Charakteren als Ingame-Verkäfe womöglich das Game finanziert. Wie das am Ende aussieht, wird sich noch zeigen.
Im Eibon kümmern sich Hausverwalter Adler um mich – zusammen mit seinem Restaurator Taygedo: ein quirliges Hündchen mit Fernseherkopf. Adler wird zu meinem dritten Charakter, als wir im Antiquitätenladen eine vergleichsweise harmloser Anomalie bekämpfen.

Der Rest der Jäger-Truppe ist ein liebenswürdiger Haufen. Die Chefin, Hitori, ist hübsch, aber ein ziemlich selbstverliebtes Geschöpf mit heftigen Alkoholproblemen. Im Antiquitätenladen kommen täglich Leute mit Aufträgen. Kleinere Anomalien finde ich aber auch überall in der Stadt verteilt. Sie sind jeweils mit Symbolen auf der Stadtkarte markiert.
Ein anfänglicher Auftrag haut mich ziemlich von den Socken: Kodak, so heisst der Besitzer eines Fotostudios in der Stadt, hat mit einer Anomalie zu kämpfen. Hitori entscheidet, dass wir gleich als ganze Familie dahin gehen, damit wir nach dem Auftrag gleich ein Familienfoto schiessen können. Die Anomalie, eine Kamera, schiesst ständig Fotos und verändert damit die Dimension und verwandelt Objekte in Bilder.

Der Auftrag fühlt sich an wie ein Horror-Detektivspiel mit kreativen Foto-Elementen: umgekehrte Farben, chromatische Aberrationen, und dauernd tauchen diese fürchterlichen Monster auf. Und wo bin ich eigentlich? Zum Glück zeigt mir das Spiel immer wieder an, in welche Richtung ich rennen soll. Endlich finde ich mit meiner Familie den Übeltäter in einem Dunkelraum und wir erledigen das schrille Wesen, das aussieht wie eine riesige Filmrolle. Zur Belohnung gibt es dann auch das wunderschöne Familienfoto.
Nach meinen Kämpfen müssen sich meine Charaktere jeweils auch wieder erholen. Dafür ist mein Zimmer im Eibon ein guter Ort. Schlafe ich hier, füllen sich meine Kampfpunkte wieder auf. Falls ich gerade nicht in der Nähe meines Zimmers bin, reicht auch eine der Telefonzellen in der Stadt für eine Heilung, oder der «Wertheimer Turm» im Stadtzentrum.

Nachdem ich das Gefühl habe, das Konzept verstanden zu haben, schmeisst mich «NTE» plötzlich in völlig neue Spielgenres. Auf einer «Tycoon-Karte» sehe ich, dass ich verschiedene Berufe freischalten kann: vom Angeln zum Taxi-Chaffeur bis zur eigenen Band.
Nummer eins: Autorennen. Damit verdiene ich mir ein ziemliches Taschengeld, muss aber zuerst stark investieren. Mit meinen bisher verdienten Fons erstehe ich in der nächstgelegenen Garage eines der coolen Autos. Ehrlicherweise kann ich mir nur eine rote kleine Rostlaube leisten. Das sollte aber wohl reichen für den Anfang – oder?
Damit trete ich gegen ein paar Bürogummis an, die sich Sonntags die Zeit mit Autorennen vertreiben. Das Rennen besteht aus drei Etappen und ich muss bei allen mit genug Abstand gewinnen. Die Steuerung ist übersichtlich: Ich kann lenken und beschleunigen. Als es auf der Strecke beginnt zu regnen, unterschätze ich allerdings die zusätzliche Kraft beim Driften und kollidiere dauernd mit Strassenlaternen und Schranken. Das bringt mich zum Stillstand und ich hole meine Gegner kaum noch ein. Nach dem fünften Anlauf gebe ich vorläufig auf und beschäftige mich mit anderen Aufgaben.

Womöglich war es nicht die klügste Idee, gleich den Taxi-Modus auszuprobieren. Ich kann hier zwar Leute mit meiner Rostlaube durch die Gegend kutschieren, sie beschweren sich aber dauernd über meinen Fahrstil. «Kannst du nicht schneller fahren, ich habe es eilig?», «Beachte die Verkehrsregeln» – ja was denn nun? Naja, immerhin werde ich auch dafür bezahlt. Dann reicht es vielleicht für ein besseres Auto oder eine solide Reparatur nach meinen ganzen Kollisionen.
In der Zwischenzeit mache ich mich auf den Weg ins Live House Star Sign, wo meine Band abends spielen kann für ein paar Fons – je nachdem, wie gut ich bin. Tagsüber kann ich hier an meinem Schlagzeug üben. Zu Beginn stehen mir dafür fünf Songs zur Verfügung. Das Spielprinzip ist mir bekannt: den Rhythmus halten, indem ich zur richtigen Zeit die richtigen Teile des Schlagzeugs spiele. Am PC sind das repräsentativ die Knöpfe D,F, J und K. Das Training ist also eher simpel – aber witzig für zwischendurch. Falls die Entwickler künftig bekannte, coole Songs einbauen, hat das Bandleben richtig Potenzial.

Zwischen den Aufträgen gibt es viele Story-Einschübe. Ich mag sie und sie sind liebevoll animiert. Sie erklären zudem vieles zum aktuellen Geschehen, den ganzen Charakteren und was ich so alles in der Stadt erleben kann. Auch fliessen sie organisch ins Gameplay. Sprich: Sowohl die Story als auch die riesige Open World sehen unglaublich schick aus. Ich habe deshalb dauernd das Bedürfnis, Screenshots von der schönen Aussicht zu erstellen. Schade, ist das vor Release des Games noch gesperrt. In-Game kann ich allerdings auch Schnappschüsse mit meinen Figuren machen.

Die Anomalie-Kämpfe, die umfangreiche Stadt (die sich wohl noch ziemlich vergrössert in Zukunft) sowie die vielen Möglichkeiten des Stadt-Tycoons erscheinen mir vielversprechend. Sie sind für sich betrachtet nicht extrem komplex, aber dennoch kurzweilig, abwechslungsreich und anspruchsvoll genug.
Dank der charmanten Charaktere und der interessanten Sci-Fi-Story, die alles zusammenhält, fühle ich mich gut unterhalten. Ich bin gespannt, was für Anomalien noch auf mich warten, welche Figuren ich noch kennenlernen werde und ob ich mich mit einem aufgemotzten Rennwagen in Hetherau beweisen kann.
«Neverness To Everness» ist ab sofort gratis für PC, Playstation 5 und Mobile verfügbar. Das Spiel wurde mir vorab von Hotta Studio als PC-Version zur Verfügung gestellt.
Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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