Sind die Urbanears Jakan wirklich unbrauchbar zum Zocken?
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Sind die Urbanears Jakan wirklich unbrauchbar zum Zocken?

Philipp Rüegg
Zürich, am 11.11.2019
Sind Bluetooth-Earbuds ein No-Go zum Zocken? Das behauptet zumindest ein User von den Urbanears Jakan. Er hat die Earbuds zwar nicht am PC benutzt – wäre auch völlig absurd gewesen –, aber genau das will ich ausprobieren.

«Ich war tot bevor ich merkte, dass jemand schiesst», lese ich in Pensulos-Bewertung. Benutzt hat er die Earbuds von Urbanears beim Spielen von «PUBG» am Smartphone. Sein Spruch hat es in unsere letzte Community-Kampagne geschafft.

Ich will das auch ausprobieren. Allerdings in erster Linie am PC, denn diese Vorstellung ging mir als erstes durch den Kopf, als ich die Bewertung gelesen habe. Mit pinken Earbuds einen Online-Shooter spielen – das gibt ein schönes Bild. Allerdings erhalte ich beim Bestellen der Kopfhörer gleich einen ersten Rückschlag: In pink sind sie zum Zeitpunkt des Tests nicht lieferbar. Ich muss die völlig unscheinbaren grauen nehmen. Schade. Aber egal, es geht ja in erster Linie um den Sound.

Schlechter Sitz und Verbindungsprobleme

Das erste, was mir auffällt, ist, dass die Jakan recht klobig sind. Ich muss sie regelrecht in die Ohren stopfen. «Es huere Gschwür», wenn ich so frei sein darf. Sie haben die gleiche verstellbare Stoffschlaufe wie die Pixel Buds. Wirklich bequem sind sie für meine Ohren definitiv nicht. Wären sie doch wenigstens pink.

Das Verbinden mit Windows funktioniert erst nach mehreren Anläufen. Du musst den Joystick an der Fernbedienung fünf Sekunden gedrückt halten, bis das Licht an den Earbuds blau blinkt und dir so signalisiert, dass sie bereit zum Pairen sind. Ich hätte mir zusätzliche Audiosignale gewünscht. Meistens weiss ich nämlich nicht so genau, was gerade passiert. Da vermiss ich schon fast die nervende Ansagerin meiner Sennheiser Momentum. Sei’s drum. Irgendwann klappt’s doch noch mit der Verbindung.

Ich starte «Apex Legends», wo der Ton ein wichtiges Hilfsmittel ist, um Gegner zu orten. «Hat es hier nicht normalerweise Sound», frage ich mich, während das Intro läuft. Yep, im Hauptmenü höre ich ebenfalls nichts. In den Windows-Audioeinstellungen sind die «Jakan Stereo» eigentlich richtig ausgewählt. Merkwürdigerweise funktioniert der Sound, wenn ich ein Youtube-Video schaue.

Ich probiere, als Wiedergabegerät «Jakan Hands Free» auszuwählen. Und voilà, ich habe Sound im Game. Nur klingt er, als würde ich in einem Müllcontainer spielen, der im Zürisee versenkt wurde. Meine Vermutung:«Jakan Hands Free» ist eigentlich für das Mikrofon gedacht.

Es ballert zu spät

Nachdem ich manuell die Bluetooth- und die Audiotreiber des Mainboards heruntergeladen und installiert habe, klappts auch mit «Apex Legends» und mit Wiedergabegerättyp «Jakan Stereo». Bereits beim ersten Mal Schiessen spüre ich die Audioverzögerung. Der Ton kommt eindeutig einen Tick zu spät. Allerdings muss ich sagen, dass es in hitzigen Feuergefechten nicht so stark auffällt. Es dürfte sich um ein paar Millisekunden handeln. Meine Siegeschancen beeinträchtigt das nicht wirklich, da müsste ich zuerst an meinen restlichen Skills feilen. Etwas störend ist der Lag allerdings schon.

Weil User Pensulos auf dem Handy gespielt hat, will ich die Buds doch noch in ihrem natürlichen Habitat testen. Dafür probiere ich das neue «Call of Duty Mobile» aus. Auch mit meinem Pixel 3 brauche ich mehrere Anläufe, bis die Urbanears erfolgreich verbunden sind. Zuerst scheint es so, als hätte es auf Anhieb geklappt. Allerdings tauchen sie unter bereits verbundenen Geräten auf statt unter aktiv verbundenen. Also starte ich den Pairing-Prozess ein weiteres Mal, während ich mich immer noch darüber nerve, dass die Buds nicht pink sind. Dann klappt es auch mit der Verbindung.

Bei der anschliessenden Runde «Call of Duty Mobile» ist die Tonverzögerung ebenfalls unüberhörbar. Vom Aufflammen des Mündungsfeuer bis zum Echo in meinem Ohr vergehen einige Millisekunden. Es ist definitiv ein Störfaktor, aber primär für den Spielspass. Anders als in «PUBG» stirbst du in «Call of Duty Mobile» sowieso tausend Tode und woher ein Geräusch kommt, ist zweitrangig. Und da du meist im Dauerfeuer-Modus ballerst, verschwindet auch die leichte Verzögerung bald.

Zum Schluss spiele ich noch eine Partie «PUBG Mobile». Anders als bei der PC-Version zielt es sich hier weit weniger präzise, weshalb du selten nach einem Schuss ins Gras beisst. Deshalb beeinträchtigt der Audio-Lag meine Spieltaktik nur marginal.

Der Lag ist noch das Harmloseste

Spiele ich die gleichen Games mit meinen Sennheiser Momentum Wireless ist praktisch keine Audioverzögerung feststellbar. Es liegt also definitiv an den Kopfhörern und nicht an den Spielen.

Viel mehr als der Lag stört mich aber sowieso die Soundqualität. Die ist nämlich bestenfalls bescheiden. Egal ob bei Musik, bei Games oder für einer Serie auf Netflix: der Sound ist flacher als Simon Balissats Humor. Er ist richtig dumpf. Da stört es mich dann auch nicht, wenn er in Apex Legends eine paar Millisekunden zu spät ankommt. Noch lieber wär mir, er würde gar nie ankommen. Und das wird er auch nicht mehr. Ich geb die Urbanears Jakan jetzt nämlich wieder zurück.

Kopfhörer
Jakan (Earbud, Ash Grey)
79.–
Urbanears Jakan (Earbud, Ash Grey)

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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