Luca Fontana
Hintergrund

«Sie ist Leslie Nielsen mit Boobs» – Interview mit Shawn Wayans und Anna Faris

Luca Fontana
2.6.2026

«Scary Movie» machte Anna Faris zum Star und Shawn Wayans zur Parodie-Legende. Jetzt sprechen beide über den Niedergang ihres Genres – und darüber, weshalb es ausgerechnet jetzt ein Comeback braucht.

Presseinterviews haben ihre ungeschriebenen Regeln. Man bereitet Fragen vor, man ist pünktlich 45 Minuten vorher im Call, man klingt professionell. Was man nicht plant: Echos. Meine eigene Stimme hallt mir mit leichter Verzögerung im Kopfhörer entgegen, während Shawn Wayans, Mitschöpfer und Co-Autor der Original-«Scary Movie»-Reihe, und Anna Faris, das Gesicht des Franchises seit dem ersten Teil im Jahr 2000, geduldig warten.

Schliesslich bricht Faris das Eis: «Luca, can you hear us?». Dann Wayans, ganz lässig: «What’s up, yo?» Faris lacht. Ich beschliesse, das Echo zu ignorieren, auch wenn ich meine eigenen Gedanken das ganze Interview lang kaum hören kann. Was folgt, ist ein Gespräch über Untergang und Rückkehr eines ganzen Genres, über Hollywood-Verrat, Sentimentalität – und darüber, was eine gute Parodie von einer schlechten unterscheidet.

Parodien waren in den 2000er-Jahren allgegenwärtig – heute gibt es kaum noch welche, abgesehen vielleicht vom neuen «The Naked Gun». Wer ist Schuld daran?

Shawn Wayans: Die Studios.

Anna Faris: Ich glaube, die Antwort ist ein bisschen komplizierter. Tut mir leid, dass ich dir einfach reinreide –

Wayans: Nein, nein, mach nur weiter. Du musst es wissen. Du bist ja weiss!

Und eine Frau noch obendrauf!

Wayans: (lacht) Genau!

Faris: (lacht) Das Geheimnis sind die Wayans Brothers [Anm.d.Red.: Shawn und seine Brüder Marlon und Keenen Ivory], die wissen, was sie tun. «Scary Movie» wurde damals für 13 Millionen Dollar gedreht, mit niedrigen Erwartungen – und wurde ein riesiger Hit. Danach dachten die Studios, Parodien seien einfach. Dass man die Handlung aus anderen Filmen einfach durch den Kakao ziehen und wieder zusammenstückeln kann und dass das dann schon irgendwie lustig sei.

Wayans: Und dann haben sich zwei Typen [Anm.d.Red.: Jason Friedberg und Aaron Seltzer] den Ruhm für «Scary Movie» unter den Nagel gerissen, obwohl sie ihn nicht verdient hatten! Ich weiss nicht mal mehr, wie die heissen – aber sie haben das Genre danach mit «Date Movie», «Epic Movie» und all dem anderen dummen Zeugs in den Boden gestampft. Und viele Leute dachten sogar, das wären wir gewesen!

Aber die Zeiten haben sich auch geändert. Memes, Reels und AI-Slop – das Internet parodiert heute schon alles in Echtzeit. Wie um Himmels Willen soll eine Parodie im Kino da noch herausstechen?

Wayans: Sie muss lustig sein. Und sie muss etwas sein, bei dem man wirklich sehen will, wie die Macher es durch den Kakao ziehen.

Faris: Darf ich kurz ein Lob aussprechen? Ich erkenne erst jetzt, wo ich älter bin, was die Wayans mir damals geschenkt haben: Sie haben mich gecastet, obwohl ich mich selbst nie für eine lustige Person hielt. Ich hatte nie Komödie studiert. Und Regina Hall [Anm.d.Red.: Im Film spielt sie Cindys beste Freundin Brenda] ist eine brillante Schauspielerin. Ich glaube, das ist der Unterschied – eine echte Wertschätzung für Schauspielerinnen und Schauspieler. Ohje, klinge ich jetzt angeberisch?

Wayans: (nickt) Überhaupt nicht, du triffst es genau. Und weisst du, wir sind ja auch nicht die Ersten, die das verstanden haben. Mel Brooks, die Zucker-Brüder – die haben uns inspiriert. Am Ende geht es immer darum, was gerade im Zeitgeist lächerlich ist. Eine Gruppe von Leuten im Raum, die sich fragen: Worüber müssen wir uns jetzt lustig machen?

Anna, du bist das Gesicht dieser Reihe geworden –

Wayans: Sie ist Leslie Nielsen mit Boobs! (Alle lachen, Faris verschluckt sich fast beim Trinken)

Und trotzdem Anna, was hat dich überzeugt, für «Scary Movie 6» zurückzukehren? Und sag mir jetzt nicht einfach «die Wayans Brothers», ich will mehr als das.

Faris: Ich wünschte, ich könnte dir etwas Poetisches sagen. Aber die Wahrheit ist … (kurze Pause) Für Geld würde ich halt alles machen.

Wayans: Hast du nicht gesagt!

Faris: (lacht) Es war eine schwierige Woche!

Wayans: Fair, wer würde für Geld nicht alles tun? (imitiert eine tiefe Stimme) Die Wahrheit kommt jetzt ans Licht.

Faris: (lacht) Nein, natürlich ging’s nicht nur ums Geld. Aber ich dachte immer, wenn ich je wieder einen «Scary Movie» machen würde, dann als kurzer Cameo-Auftritt fürs schnelle Geld. Ich habe jahrelang in einer Industrie gearbeitet, die «Scary Movie» nie wirklich geschätzt hat. Aber mit der Rückkehr der beiden Wayans änderte sich alles für mich. Die ganze Motivation. Jetzt darf ich allen, die von Anfang an bei «Scary Movie» dabei waren und daran geglaubt haben, jeden Tag «Danke» sagen.

Wayans: Anna, wir haben dir zu danken.

Faris: Ich meine es ernst! Ich hätte nie gedacht, dass ich während des Drehs eines «Scary Movie»-Films derart sentimental werden würde.

Wayans: Dabei war sie die ganze Zeit nichts anderes.

Faris: (lacht) Wenn du sie nicht schlagen kannst, mach einfach mit!

Und mit diesem perfekten Schlusswort verabschiede ich mich. Danke euch beiden fürs Interview!

«Scary Movie 6» läuft ab dem 3. Juni 2026 in den Schweizer Kinos.

Titelbild: Luca Fontana

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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